
Controlling
Kein Controlling – junge Firmen im Blindflug
Peter V. aus Karlsruhe hat vor einem halben Jahr eine Agentur für Firmenveranstaltungen gegründet. Er konnte bereits mehrere Unternehmen als Kunden gewinnen und hat gut zu tun. Verblüfft hat ihn folgende Frage seiner Frau: Wie viel verdienst du eigentlich?
Ein Beitrag von Wolfgang Riedel
Bei der Erstellung des Businessplanes arbeitete er lange an der Erstellung der Umsatz- und Rentabilitätsvorschau. Nachdem die Firma am Start war, folgte die Kundenakquise und schnell die ersten Aufträge. Die Veranstaltungen mussten geplant und durchgeführt werden.
Er vereinbarte mit seinem Steuerberater, dass die Buchhaltung übernommen wird und stellte pünktlich jeden Monat die Belege zur Verfügung. Es kamen auch jeden Monat eine Vielzahl von unübersichtlichen Blättern, betriebswirtschaftliche Auswertung genannt. Mit diesem Zahlenfriedhof wollte er sich schon immer einmal beschäftigen. Die Frage seiner Frau machte ihn nachdenklich, da ihm klar wurde, dass er nicht wusste wo er stand und im Blindflug unterwegs war.
Eine typische Situation für junge Firmen in der Startphase, vor allem für Einzelkämpfer. Das Tagesgeschäft nimmt den Gründer stark in Anspruch, so dass der Businessplan in Vergessenheit gerät. Also heißt es, den Businessplan wieder hervorzuholen und sich die Planwerte pro Monat anzuschauen. Diese Planzahlen können den Ist-Werten aus der betriebswirtschaftlichen Auswertung gegenüber gestellt werden. Das gilt für die monatlichen Zahlen, wie auch für die kumulierten Ergebnisse des laufenden Jahres. Diese sind noch aussagefähiger sind, da kurzfristige Schwankungen ausgeglichen werden.
Wichtig ist es vor allem, die Abweichungen zwischen der Planung und dem tatsächlichen Ergebnis zu analysieren. Das ist der entscheidende Punkt für Antworten auf die Fragen, warum Abweichungen entstanden sind und welche Maßnahmen getroffen werden können. Mit dieser Vorgehensweise kann sich der Gründer schon ein erstes kleines Controlling-Instrumentarium, z.B. in Excel, erstellen!
Was bedeutet eigentlich Controlling?
Der "Controller" ist vielen Menschen als Steuerungsinstrument bei ihrer Spielkonsole bekannt. Controlling hat im Geschäftsleben eine ähnliche Funktion. Es ist ein Werkzeug um seine Zahlen im Griff zu haben und den Betrieb zu steuern.
Natürlich ist dies leichter gesagt, als getan, da sich die meisten Gründer nur einmal im Leben selbstständig machen und die Ressourcen begrenzt sind. Daher ist dies ein typischer Fall für ein Gründercoaching, das von der KfW zwischen 50 Prozent und 90 Prozent bezuschusst wird. Gemeinsam mit einem Coach kann ein erstes Controlling Instrumentarium erarbeitet werden.
Peter V. kann seiner Frau damit nicht nur sagen, was er bis jetzt verdient hat, sondern aufgrund der Planrechnung auch wie viel er vermutlich nächsten Monat erwirtschaften wird.
Über den Autor
Wolfgang Riedel, Bankkaufmann und Dipl. Bankbetriebswirt ADG ist als Berater und Coach für Existenzgründer tätig. Er ist Inhaber der Firma RIEDEXCO in Karlsruhe.
Als ehemaliger Banker im Firmenkundengeschäft einer Volksbank und Kaufmännischer Leiter eines Industriebetriebes hat er Erfahrungen von "beiden Seiten des Tisches".
Die Beratungsschwerpunkte sind:
- Erstellung von Finanzierungskonzepten
- Vorbereitung und Training für Bankgespräche
- Begleitung zu Bankgesprächen
- Erstellung von Businessplänen
- Externes Controlling/Bankenreporting
- KfW Gründercoaching
- Runder Tisch - Turnaround Beratung
- Handwerkerberatung Baden-Württemberg BWHM GmbH
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