Investition und Liquidität erfolgreich managen - Ein Beitrag von Wolfgang Rasspe-Dahmann
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27.05.2010

Fachbeitrag

Investition und Liquidität erfolgreich managen

Das große akute Problem lautet für viele Unternehmer derzeit: Liquidität. Um die Zahlungsfähigkeit zu erhalten werden Kosten eingespart und Ausgaben gekürzt. Investitionen werden dafür gestoppt. Das klingt sinnvoll!




Ein Beitrag von Wolfgang Rasspe-Dahmann

Nicht nur Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger gibt aber zu bedenken: "Kosten sparen allein macht die Unternehmen am Standort Deutschland nicht wettbewerbsfähig." Denn die Realität im Unternehmensalltag ist komplex und lässt sich nicht auf diese einfache Rechnung reduzieren. Mehrere Kriterien gilt es in punkto Investitionen zu bedenken:

Flexibilität

Ein Hydraulik-Spezialist hatte vor zwei Jahren eine neue Halle gebaut, um zusätzliche Aufträge abwickeln zu können und die Arbeitsabläufe zu verbessern. Eine sinnvolle Investition angesichts der vollen Auftragsbücher – die Bank riet ihm zu und finanzierte sie bereitwillig. Heute sind die Auftragseingänge und Umsatzergebnisse stark rückläufig, die neue Halle wird kaum genutzt. Anstatt des erhofften Kapitalrückflusses findet vielmehr ein Kapitalabfluss statt, die Investition erweist sich als Hemmschuh. Und auch die Bank verweigert weitere Finanzierungen und hinterfragt streng, weshalb der Unternehmer ein solches Risiko eingegangen sei. Ganz ähnlich geht es vielen anderen ebenfalls.

Dieses Beispiel zeigt: Gerade größere Investitionsprojekte sind häufig langfristig angelegt und schränken die Flexibilität ein. Und gleichzeitig beeinflussen sich Investitionsfinanzierung und Kreditwürdigkeit gegenseitig. Sollten deshalb alle Investitionen gestrichen werden?

Wettbewerbsfähigkeit

Geraten Finanzierung und Investition ins Ungleichgewicht, kürzen derzeit viele Unternehmer die Investitionen, um dieses Gleichgewicht wieder herzustellen – auf den ersten Blick eine logische Konsequenz. Allerdings ist da noch ein zweites Gleichgewicht zu beachten: Durch Investitionen sichert sich das Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit in der Branche. Und die ist mittelfristig wiederum für die Liquidität entscheidend. So hat eine Auswertung mehrerer Studien zu den Erfolgsfaktoren kleiner und mittelständischer Unternehmen ergeben, dass Ausgaben für Forschung und Entwicklung signifikant für den Erfolg wirken, mit 259 positiven neben 77 negativen Zusammenhängen, die in insgesamt 29 Studien dazu genannt wurden.

Ein Beispiel zeigt das auch: Ein Landmaschinenhersteller hat sich auf kundenindividuelle Pflüge spezialisiert und Produktion wie Vertrieb konsequent darauf ausgerichtet. So hat er einen deutlichen Vorsprung in der Branche erreicht. Nun investiert das Unternehmen in den Vertrieb in aufstrebenden Märkten, zum Beispiel Russland, und unterstützt damit wiederum Investitionen in die Produktion, da sie besser ausgelastet wird. Diese Strategie führt nicht nur zu einer verbesserten Kreditfähigkeit in den Augen der Bank, sondern auch zu steigenden Erträgen und damit höherer Liquidität.

Prioritäten bei Investitionen

Bevor Investitionen einfach gekürzt werden, um mehr Liquidität zu schaffen, lohnt sich die sorgfältige Überlegung, welche davon wichtiger sind und welche nicht unbedingt fortgeführt werden müssen. Um eine Rangfolge der Investitionen zu ermitteln, werden alle Projekte systematisch aufgelistet und bewertet: die geplanten, durchgeführten und bereits in Auftrag befindlichen. Das erste Bewertungskriterium ist ihr Beitrag dazu, das Unternehmen im Wettbewerb zu stärken. Im zweiten Schritt werden die wirtschaftlichen Kennzahlen der Investitionen berechnet:

Eine hohe Kapitalrendite sorgt für einen hohen Cashflow, dieser ist wiederum wichtig für die Kreditinstitute. Je kürzer die Amortisationszeit, desto geringer das Risiko der Investition. Erste Priorität haben daher Investitionen mit hoher Kapitalrendite und kurzer Amortisationszeit. Investitionen mit geringem Risiko, in der Regel Ersatzinvestitionen, zu denen ausreichend Erfahrungswerte vorliegen, werden ebenfalls hoch priorisiert.

Zu prüfen sind auch bereits beauftragte Investitionen: Passen sie nicht mehr ins Programm, kann eine Auftragsstornierung trotz Vertragsstrafe vorteilhafter sein als die Durchführung bei eventuell nicht gedeckten Fixkosten. Es ist im komplexen Tagesgeschäft oft nicht einfach, aber die gegenseitigen Abhängigkeiten und Konkurrenzen der verschiedenen Investitionsprojekte spielen in der Rangliste ebenfalls eine wichtige Rolle. Sinnvoll ist außerdem, auf möglichst mehrere Branchen und Kunden zu setzen und das Risiko zu verteilen – und die Investitionen entsprechend einzusetzen.

Finanzierung

Stehen die Investitionsprioritäten fest, gilt es immer noch, die Finanzierung zu sichern. Verschiedene Möglichkeiten lohnen eine Überlegung: Gibt es noch Reserven im Working Capital Management? Stimmt das Forderungs- und Bestandsmanagement?

Ansonsten besteht zum Beispiel die Möglichkeit, Aktiva wie Maschinen oder Gebäude zu verkaufen und zurück zu leasen. Spezialisierte Gesellschaften finanzieren so Unternehmen auch in kritischen Situationen. Das geht übrigens auch mit immateriellem Vermögen, zum Beispiel Patent- und Markenrechte. Damit ergibt sich gegebenenfalls eine zusätzliche Sicherheit zur Finanzierung eines Darlehens.

Manche Investitionen lassen sich auch über eine Projektgesellschaft finanzieren. Dafür wird eine eigene Gesellschaft mit möglicherweise separaten Kapitalgebern gegründet. Ein gängiges Modell ist die klassische Betreibergesellschaft über den Lieferanten: Das Unternehmen bezahlt dann die empfangenen Leistungseinheiten, etwa die produzierten Stück auf der Maschine. Auch die Aufnahmen neuer Gesellschaftsmittel, Mezzanine Kapital und öffentlicher Finanzierungs- und Bürgschaftsprogramme sind zu prüfen.

Kreditfähigkeit

Für die Bank sind harte Kenngrößen entscheidende Kriterien für die Kreditvergabe. Dazu gehören die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalverzinsung und auch der dynamische Verschuldungsgrad  - in welcher Zeit das Unternehmen die Schulden aus dem Cashflow zurückzahlen kann, oder die Anlagendeckung, die das Verhältnis von Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital zum Anlagevermögen und der Unterbilanz angibt. Liegen die Werte über dem Branchendurchschnitt, verbessert sich das Rating.
Die Werte gilt es allerdings nicht nur zu erfüllen, sondern auch nachzuweisen. Eine umfangreiche Dokumentation und Berichterstattung sind dafür unerlässlich – was vielen Unternehmern sicher eher fremd ist, da sie es gewohnt sind, autonom zu entscheiden.

Wer es schafft, seine Investitionen so zu managen, dass Flexibilität, Prioritäten und Finanzierung gleichermaßen berücksichtigt werden, überzeugt auch die Bank, sichert sich so die Liquidität und steigert langfristig die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

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Über den Autor

Wolfgang Rasspe-Dahmann war viele Jahre für Investitionen in produzierenden
Betrieben verantwortlich - als Geschäftsführer und in verschiedenen
Leitungsfunktionen. Heute begleitet der Diplom-Kaufmann mittelständische
Betriebe bei ihren Investitionsprojekten.

www.rasspedahmann.de

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