
Cloud Computing
Geschäftssoftware der Zukunft kommt aus dem Netz
Der klassische Server ist ein Auslaufmodell. Zukünftig werden komplexe Unternehmenslösungen bei Firmen immer weniger vor Ort installiert, sondern über das Internet genutzt. Das sogenannte Cloud Computing ist günstig, flexibel und einfach zu handhaben.
Ein Beitrag von Markus Stahl
Im Privatleben ist es längst Alltag: E-Mails werden online geschrieben, Terminkalender über das Web geführt. Der Aufwand ist gering und der Nutzen groß. Ein Internetzugang genügt und alle Daten sind weltweit abrufbar. Diese Webanwendungen bezeichnen Experten als Cloud Computing oder Software as a Service.
Inzwischen bietet der Markt sogar komplexe Lösungen über die Cloud, die sich an Geschäftsanwender richten. Mit ihnen lassen sich alle betriebswirtschaftlichen Belange einer Firma steuern – ohne, dass Unternehmen vorher in teure Hardware investieren müssen. Gezahlt wird ein monatlicher Festpreis pro Anwender.
Dieses Konzept hat auch den Outdoor-Spezialisten Wildnissport im niedersächsischen Suderburg überzeugt. "Wir haben unsere zahlreichen IT-Anwendungen durch eine einzige Lösung ersetzt", sagt Wildnissport-Geschäftsführer Rolf Biskupek. Bei dem Versandhändler arbeiten Logistik, Finanzbuchhaltung und Lager nahtlos zusammen – dank einer On-Demand-Lösung. Der Clou: Die Software ist nicht vor Ort installiert, sondern wird im Browser über das Internet genutzt. Um Betrieb, Wartung und Datensicherung kümmert sich der Anbieter. Firmenchef Biskupek hat so den Rücken frei für seine wichtigste Aufgabe: den Ausbau des internationalen Versandhandelsgeschäfts.
In der Tat setzen vor allem junge und schnell wachsende Unternehmen auf Lösungen aus der Cloud. Das belegt eine aktuelle Umfrage des Hamburger Beratungshauses Softselect. Transparente Kosten, höhere Flexibilität, geringer Personalaufwand sowie einfache Upgrades nannten die befragten Unternehmen in der Studie als wichtigste Argumente für den Einstieg. Zumal 62 Prozent von ihnen keine eigene IT-Abteilung haben und diese auch künftig nicht brauchen werden, etwa um Prozesse schnell an neue Anforderungen anzupassen und zusätzliche Anwendungen nach Bedarf reibungslos zu integrieren. Zwei entscheidende Vorteile, die für 87 beziehungsweise 79 Prozent der Startups zugunsten einer Cloud-Lösung sprechen. Gründer und Jungunternehmer wollen ihr Startkapital sinnvoll einsetzen. Investitionen in Server, Lizenzen oder Wartungsverträge schrecken sie meistens ab. Vielmehr erwarten 62 Prozent der befragten Firmen Kosteneinsparungen durch standardisierte Geschäftsprozesse. Die entsprechenden Vorlagen (sogenannte Best Practices) sind bei der Lösung aus der Wolke häufig inklusive.
Die meisten Unternehmen finanzieren Cloud-Lösungen aus dem laufenden Cashflow, der Finanzrahmen wird also nicht belastet. Zudem gewinnen Firmenchefs an Flexibilität. Da die geschäftliche Auslastung konjunkturbedingt schwankt, brauchen sie eine IT, die sich schnell neuen Anforderungen anpasst. Mit einer Software aus der Cloud ist das deutlich einfacher als mit Lösungen, die im eigenen Haus betrieben und gewartet werden. So lassen sich beispielsweise neue Nutzer und Funktionen einfach dazu- oder abbuchen, je nach Marktlage und der Entwicklung des eigenen Geschäfts.
Auch die Verwendung der Software auf mobilen Geräten ist ohne aufwendige Konfiguration möglich. So können beispielsweise Handelsvertreter ihre Bestellungen direkt nach dem Kundengespräch über ihr Smartphone aufgeben, Monteure ihre Stunden sofort online eintragen und Entscheider auf Geschäftsreisen ihre laufenden Projekte steuern und überwachen.
Doch bei allen praktischen Vorteilen: Datensicherheit und Datenschutz sind nach wie vor die sensibelsten Aspekte, wenn es um die Auslagerung von IT und damit von Daten und Geschäftsprozessen geht. Dem Standort der Rechenzentren des Anbieters kommt dabei eine große Bedeutung zu. Junge Unternehmen, die über den Einsatz von Cloud Computing nachdenken, sollten daher ihren Anbieter ebenso nach wirtschaftlichen wie nach geografischen Gesichtspunkten auswählen und sich auch danach erkundigen, in welchem Land die eigenen Daten gespeichert werden.
Über den Autor
Markus Stahl ist Leiter Business Development bei SAP Deutschland. Seine Aufgabe orientiert sich rund um die Themen Cloud und Mobile Computing und im Besonderen die Nutzung neuer Technologien bei jungen Unternehmen.
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