Geplantes Fördergesetz enttäuscht VC-Branche - Ein Beitrag von Kurt Müller
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23.04.2008

Venture Capital ermöglicht Firmenaufbau

Geplantes Fördergesetz enttäuscht VC-Branche

Noch in diesem Halbjahr 2008 will die Bundesregierung ein Gesetz verabschieden, um Wagniskapitalfinanzierungen in Deutschland zu fördern. Es handelt sich um das Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG), das dann zusammen mit dem Risikobegrenzungsgesetz in Kraft treten soll. Das MoRaKG soll Venture Capital (VC)-Gesellschaften unterstützen, die in Unternehmen investieren, welche nicht älter als zehn Jahre sind und deren Eigenkapital 20 Millionen Euro nicht übersteigt.




Ein Beitrag von Kurt Müller

Mit dieser Initiative zielt die Bundesregierung darauf ab, die Anzahl der Gründungen innovativer Unternehmen zu erhöhen und deren weitere Finanzierung zu sichern. In der ersten Seedphase erhalten Gründer meist das Finanzkapital von Business Angels, aus öffentlichen Förderquellen oder dem High-Tech-Gründerfonds. VC-Gesellschaften kommen ins Spiel, wenn größere Investitionen, meist in Millionenhöhe, benötigt werden, um Prototypen bis zur Marktreife zu entwickeln, Produktionskapazitäten zu schaffen oder Produkte am Markt einzuführen. Es ist aber nicht nur das Kapital, von dem Jungunternehmer profitieren, sondern auch von den großen Netzwerken und dem Unternehmer-Know-how der VC-Gesellschaften.

Obgleich die Bedeutung von Beteiligungsfinanzierungen für den Aufbau junger Firmen immer mehr wächst, führt Deutschland im internationalen Vergleich hier noch ein Schattendasein. So waren die VC-Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2006 in Großbritannien zehn mal, in den USA fünf mal und in Frankreich zweieinhalb mal so hoch wie hierzulande. Durchschlagende positive Auswirkungen der Frühphasenfinanzierungen in Deutschland auf Volkswirtschaft und Arbeitsmarkt sind nicht zu erwarten, weil das vorhandene Kapital bei den Frühphasenfinanzierungen mit 350 Millionen Euro (Jahresstatistik 2007: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) zu gering ist.

Kritik vor allem an unklaren steuerlichen Regelungen

Umso notwendiger ist ein international wettbewerbsfähiges steuerliches und regulatorisches Umfeld für die einheimischen VC-Gesellschaften, damit die Wagniskapitalbranche weiter wachsen kann und mehr junge innovative Unternehmen entstehen. Das geplante MoRaKG ändert jedoch an den aktuellen Unterschieden nichts, da es nach Umfragen des Branchenverbands BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) nur für wenige VC-Gesellschaften greift. Man kritisiert mehrere Punkte, etwa die missverständlichen Regelungen zur Steuertransparenz, welche Unsicherheiten hinsichtlich der steuerlichen Behandlung der VC-Gesellschaften nach sich zieht. Zudem greift das MoRaKG nur, wenn VC-Gesellschaften sich an Kapitalgesellschaften beteiligen und diese unterstützen. Das ist zum Nachteil vieler kleiner Unternehmen, die als Personengesellschaften firmieren und dann nicht mehr mit der  Hilfe der VC-Gesellschaften rechnen können.  

Ein weiteres Problem stellt die Vorgabe von höchstens 20 Millionen Euro Eigenkapital bei den Zielunternehmen dar. Damit werden Nachfinanzierungen problematisch. Die Leidtragenden sind vor allem Branchen mit hohem Kapitalbedarf, etwa Unternehmen, die internationale Märkte bedienen wollen. Kritisch ist zudem die Begrenzung der Investitionen auf den europäischen Wirtschaftsraum. Und im Bereich der Aufsicht schafft das Gesetz starke Verwirrung und unnötigen Verwaltungsaufwand.

Unternehmensaufbau kann mit VC-Gesellschaft beschleunigt werden

Wie wichtig die Bereitstellung von Wagniskapital ist, erfuhren im Jahr 2004 die Gründer der Mercateo AG, die eine Handelsplattform für das Firmenkundengeschäft aufgebaut und weiter entwickelt haben. Mit einer VC-Finanzierung in Höhe von zwei Millionen Euro und einer Beteiligung von einem Privatinvestor in Höhe von einer Million Euro konnte das Unternehmen zum größten Online-Händler im B2B-Bereich mit drei Millionen Produkten, 400.000 Kunden und 100 Beschäftigten wachsen.   
 
Solche Erfolgsgeschichten sind aber in Deutschland nicht die Regel. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass es hierzulande nicht an Ideen, wohl aber am Mut zum Gründertum und an der unternehmerischen Umsetzung mangelt. Wenn dafür, da sind sich die deutschen Venture Capitalists einig, auch noch mehr VC-Kapital zur Verfügung stünde, könnte die Umsetzungsdynamik beschleunigt werden. Je früher junge Unternehmen mit Wagniskapital unterstützt werden, desto größer ist der Einfluss auf die Zahl der marktfähigen Produkte. Die VC-Branche wünscht sich mehr engagierte Jungunternehmer und mehr Investoren für ihre Fonds. Das Kapital deutscher institutioneller Geldgeber aber fließt leider immer noch eher in ausländische Venture Capital- und Private Equity-Fonds anstatt hierzulande in der VC-Branche investiert zu werden.

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Über den Autor

Kurt Müller ist Partner von Target Partners



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