Frühlingserwachen: Europäisches Venture Capital steht vor einer Renaissance - Ein Beitrag von Stefan Herzog
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06.06.2007

Venture Capital

Frühlingserwachen: Europäisches Venture Capital steht vor einer Renaissance

Kaum eine Woche vergeht derzeit, in der nicht irgendein Rekord in der Private Equity-Branche fällt. Nachdem das Medieninteresse jedoch lange auf die Protagonisten der Buyout-Branche und ihre Transaktionen wie die Anfang April angekündigte Übernahme der britischen Drogeriekette Alliance Boots durch ein Investorensyndikat um Kohlberg Kravis Roberts (KKR) konzentriert war, rücken jetzt auch wieder Europas junge Unternehmen und ihre Finanziers ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Damit ist die europäische Venture Community auf gutem Wege, das negative Image aus den Dot-Com Jahren abzulegen und die Lücke zu den Kollegen in den USA etwas zu verringern.




Ein Beitrag von Stefan Herzog

Jenseits des Atlantiks spürt man schon seit drei Jahren nichts mehr von Tristesse. 56 Milliarden Dollar an Kapitalzuflüssen in neue US-Venture Capital-Fonds in den letzten beiden Jahren sind ein deutliches Zeichen für den wieder eingekehrten Optimismus im Silicon Valley. Google, Youtube, Riverbed und einigen anderen sei Dank. Die Fundraising-Bilanz der europäischen Venture-Fonds sieht dagegen mager aus: Ganze 4,7 Milliarden Dollar konnten 2006 von institutionellen Investoren eingeworben werden – und selbst hiervor kam ein großer Teil aus Amerika. Bei privaten Investoren in Europa war komplette Fehlanzeige zu vermelden. Aber warum tut sich die europäische Venture-Branche so schwer?

Mit wenigen Ausnahmen sind Venture Capital-Firmen in Kontinentaleuropa ein Kind der Dot-Com-Blase in den späten neunziger Jahren. Diese Firmen sind in den letzten Jahren durch eine lange, schmerzliche Lernkurve gegangen, die viele ihrer erfahreneren amerikanischen Kollegen schon in den achtziger Jahren durchlebt hatten. Neben einem unglücklichen Timing, das bekanntermaßen alle Investoren in diesem Zeitraum getroffen hat, ist es vor allem der Umgang mit Erfolg und Misserfolg bei den Portfoliogesellschaften, der den jungen Venture-Firmen geschadet hat.

Wissenschaftliche Studien von Gompers (1996) und kürzlich Krohmer (2007) zeigen, das jüngere Venture Capital-Firmen erfolgreiche Unternehmen früher und zu niedrigeren Bewertungen verkaufen, als dies erfahrenere Firmen machen. Auf der anderen Seite halten jüngere Manager aber deutlich länger an schwachen Unternehmen fest, schießen mehr frisches Kapital nach (d. h. sie werfen in der Regel gutes Geld dem Schlechten hinterher) und sorgen so dafür, dass der Anteil der verlustreichen Investitionen in einem Portfolio wächst. Es ist dieser Faktor, der Silicon Valley-VCs wie Sequoia und KPCB vom Rest der Welt absetzt. Diese wenigen Überflieger sorgen aber auch dafür, dass die amerikanischen Venture Capital-Statistiken sehr gut aussehen.

Eine genaue Betrachtung zeigt: Europäische Venture Capital-Fonds aus den schwierigen Jahrgängen 1999/2000 haben sich im Vergleich zu ihren amerikanischen Pendants zumindest im relativen Vergleich gut geschlagen. Dies wird auch durch eine Analyse vom Centre of Private Equity Research (CEPRES) bestätigt. Auf Basis von mehr als 1.900 mit Venture Capital finanzierten Unternehmen, die im Zeitraum 1998 bis 2001 gegründet wurden, kam das Research-Institut zu dem Ergebnis, das in Europa im Durchschnitt ein Multiple von 1,13 auf das eingesetzte Kapital erzielt (realisiert und unrealisiert) wurde.

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US-Investoren zeigten mit einem durchschnittlichen Multiple von 0,96 eine deutlich schlechtere Performance. Europäische, mit Venture Capital finanzierte, Unternehmen wiesen auch weniger Totalverluste aus: 21 Prozent der Unternehmen in Europa mussten vollständig (definiert als weniger als 10 Prozent der Einstandskosten) abgeschrieben werden, in den USA waren es 24 Prozent. Ebenso hatten die Europäer in der oberen Hälfte (erstes und zweites Quartil) der Venture Capital-finanzierten Unternehmen die Nase vorn. Hier betrug das durchschnittliche Multiple 1,65 gegenüber 1,32 in den USA.

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Über den Autor

Stefan Herzog hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in Venture Capital and Private Equity. Vor der Gründung von VCM war er zwei Jahre lang Investment Manager bei der Matuschka-Gruppe.
Stefan Herzog studierte Betriebswirtschaft an der European Business School in Wiesbaden, Paris und London und ist im Beirat bei zahlreichen Private Equity Fonds.

www.vcm.de

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