
Grundlegende Informationen zum Thema Private Equity – Teil 2
Formen von Private Equity
Private Equity (PE) Investitionen können grundsätzlich alle Finanzierungssituationen und –anlässe eines Unternehmens unterstützen. PE schließt damit Buyout- und sog. Mezzanine-Finanzierungen ebenso ein, wie die Bereitstellung von Venture Capital in frühen Phasen der Unternehmensentwicklung und Wachstumskapital zur Finanzierung des Ausbaus junger oder etablierter Unternehmen.
Ein Beitrag von Dipl. Volkswirt Roland Brooks
Dem Unternehmen wird in einer ganz frühen Phase Kapital zur Entwicklung eines Unternehmenskonzeptes, eines Prototyps oder zur Erstellung von Marktanalysen zur Verfügung gestellt.
Start-up-Financing
In dieser späteren Phase wird dem Unternehmen Kapital zur Finanzierung der Unternehmensgründung, der Produktentwicklung oder erster Marketingaufwendungen zur Verfügung gestellt.
Bei der Start-up Finanzierung sollen die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt geschaffen werden. Notwendig hierfür ist die Fertigstellung eines marktfähigen Produktes, Produktionskapazitäten und der Aufbau einer geeigneten Unternehmensstruktur mit einem qualifizierten Management, welches neben dem technischen Know-how ebenfalls idealerweise über das kaufmännische Know-how verfügen sollte. Das Risiko für den Investor ist nach wie vor hoch, besteht nun jedoch primär in eventuellen Produktmängeln oder einer fehlenden Marktdurchdringung des Produktes.
Early-Stage-Financing
Die meisten PE-Gesellschaften tätigen eine (meist schon höhere) Investition in ein Unternehmen erst ab dieser Phase. Das Investitionskapital dient hauptsächlich dem Aufbau der Produktion und dem Vertrieb.
Da eine grundlegende Marktakzeptanz des Produktes bereits existiert, geht es nun um die Ausweitung der Produktionsmöglichkeiten. Ebenso werden finanzielle Mittel für verstärkte Werbung und Marketingaktivitäten benötigt um die Bekanntheit des Produktes zu steigern. Primäres Ziel ist in diesem Stadium die Marktdurchdringung verbunden mit möglichst hohen Umsatzsteigerungen. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau eines eigenen Vertriebnetzes, möglicherweise kann sogar bereits der Break-even (Gewinnzone) erreicht werden.
Um das Unternehmen möglichst professionell aufzustellen ist in diesem Stadium unbedingt ein qualifiziertes Managementteam erforderlich. Da insbesondere im kaufmännischen Bereich oftmals ein Defizit vorhanden ist, ist die Managementunterstützung einer Venture Capital-/ Private Equity-Gesellschaft in diesem Stadium sehr sinnvoll.
Das Risiko des Investors ist bei der Early-Stage-Finanzierung bereits deutlich gesunken, da das Produkt bereits seine Marktfähigkeit unter Beweis gestellt hat.
Expansion-Financing
Das Unternehmen kann bereits deutlich stabilere Umsätze, einen größeren Kundenstamm, die Gewinnzone oder zumindest den Break-even vorweisen. Die Markteinführungsphase wurde erfolgreich abgeschlossen, jetzt tritt das Unternehmen in die Expansionsphase ein und versucht weiteres Wachstum im Inland und möglicherweise auch im Ausland zu generieren.
Auch in dieser Entwicklungsphase bedeutet die Managementunterstützung des Private Equity Investors eine nicht zu unterschätzende Hilfe für das Unternehmen. Investment-Manager von PE-Gesellschaften verfügen über ein hohes betriebswirtschaftliches Wissen, erforderliche detaillierte Branchenkenntnisse sowie -kontakte und arbeiten in einem Netzwerk mit nützlichen Verbindungen, die dem weiteren Aufbau des Unternehmens hilfreich sein können.
Later-Stage-Financing
Hierbei wird in bereits reife Unternehmen investiert, welche Gewinne erwirtschaften. Ziel des Unternehmens ist weiteres Wachstum in neue Märkte und andere Regionen. Ein professionelles erfahrenes Managementteam sollte vorhanden und in der Lage sein, die weitere Expansion durchzuführen. Oftmals strebt das Unternehmen einen späteren Börsengang (IPO) an, welcher jedoch zeitaufwendig, mit hohen Kosten und nur mit einem erfahrenen Team erfolgreich durchgeführt werden kann. Durch ein „Going Public“ wird aus Private Equity dann Public Equity, ein börsennotierter Wert.
In diesem Zusammenhang spricht man auch von der „Bridge-Finanzierung“ (Überbrückungsfinanzierung). Die Kapitalbereitstellung dient zur Überbrückung der Zeit bis zum Börsengang.
Der überwiegende Teil aller Veräußerungen von den Portfoliounternehmen eines PE-Investors erfolgt jedoch nicht über einen Börsengang, sondern durch den Verkauf an strategische oder Finanzinvestoren respektive durch den Zusammenschluss mit anderen Unternehmen.
Buyout-Financing
Die Investition erfolgt in etablierte, meist bereits erfolgreiche Unternehmen, welche sich in einer späten Entwicklungsphase befinden. Das Investitionsrisiko bei den Buyout Finanzierungen ist deutlich geringer als bei den früheren Phasen, die Buyout Finanzierungen sind eine der wichtigsten und ertragsreichsten Segmente des Private Equity Geschäftes.
Management Buyout/Buyin
Bei einem Management Buyout (MBO) handelt es sich um eine Unternehmensübernahme, bei der das bisher angestellte Management neben einem Private Equity-Finanzinvestor Anteile am Eigenkapital des Unternehmens erwirbt und damit auch Eigentümerrechte ausüben kann. Durch die unmittelbare Teilnahme am Gewinn aber auch am Verlust steigt die Motivation des „Unternehmer-Managers“, sich für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens einzusetzen und damit die Chance für den Finanzinvestor, eine hohe Rendite zu erzielen. Ein MBO ist eine ideale Möglichkeit, bei fehlendem Nachfolger eines Familienunternehmens den Erhalt des Unternehmens zu gewährleisten.
Unter einem Management-Buyin (MBI) wird die Übernahme eines Unternehmens oder eines Unternehmensteils durch ein neues, von außen kommendes Management verstanden; häufig praktiziert im Rahmen von Nachfolgeregelungen bei mittelständischen Unternehmen.
Leveraged Buyout
Bei einem Leveraged-Buyout (LBO) wird die Unternehmensübernahme bis zu zwei Drittel mit Krediten finanziert, deren Zins und Tilgung das erworbene Unternehmen aus dem eigenen Cashflow erwirtschaften soll. Die besondere Renditechance resultiert aus dem sog. Leverage Effekt, der eine Hebelwirkung der Kreditfinanzierung darstellt. Die Kosten des Kredits sind geringer als die Rendite, die das Unternehmen bezogen auf den gesamten Finanzierungsbetrag voraussichtlich abwirft. Über diese Fremdfinanzierung optimiert der PE-Investor seine Eigenkapitalrendite.
Die Investoren eines LBO sind nicht an einer strategischen Beteiligung interessiert, sondern verfolgen das Ziel, die Kaufsumme aus der Zerschlagung oder dem kompletten Weiterverkauf zu refinanzieren.
Mezzanine-Finanzierungen
Ein weiteres bedeutendes Segment des PE sind Mezzanine Finanzierungen. Mezzanine bezeichnet den Teil der Finanzierung einer Unternehmensübernahme, der weder durch klassisches Eigenkapital noch durch erstrangig besicherte Fremdkapital-Darlehen sichergestellt werden kann. Mezzanine Finanzierungen sind daher nicht zuletzt bei der finanziellen Strukturierung von Buyouts gebräuchlich. Für die Fremdkapitalgebende Bank stellt das von hierauf spezialisierten PE-Fonds zur Verfügung gestellte Mezzanine Kapital praktisch Eigenkapital dar, weil es zur Bedienung des Fremdkapitals herangezogen werden kann.
Im dritten Teil der Serie werden Vor- und Nachteile von Private Equity sowie der europäische Markt vorgestellt.
Über den Autor
Roland Brooks arbeitete - im Anschluss an seine kaufmännische Ausbildung bei BMW sowie dem erfolgreichen Abschluss als Dipl.-Volkswirt an der Rheinisch-Westfälischen-Universität in Bonn - vier Jahre als Beteiligungsmanager in der Private Equity Branche. Dort leitete er ein Beteiligungsportfolio und managte hauptsächlich VC-finanzierte Unternehmen von der Gründungphase bis zum Exit. Danach war er für einen börsennotierten Konzern im Bereich des Beteiligungscontrollings in verantwortlicher Position tätig. Derzeit ist er beim Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI) primär für den weiteren Ausbau des Private Equity Bereiches zuständig.
Kontaktdaten:
Bundesverband Alternative Investments e. V.
Poppelsdorfer Allee 106
53115 Bonn
Tel.: +49 228 96987 16
E-Mail: brooks@bvai.de
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