
Wirkung und Nutzen sicher bestimmen
Erfolgsmessung im Projektmanagement
Jeder, der schon einmal in einem Projekt gearbeitet hat, kennt das Problem. Es ist verhältnismäßig einfach, die Aufwendungen zu bewerten, die ein Projekt hervorruft. Die wesentlichen Projektkostenbestandteile wie Personal- oder Materialaufwand sind bekannt und somit relativ einfach zu erfassen. Beim Nutzen dagegen, der sich aus einem Projekt für das Unternehmen ergibt, verhält es sich wesentlich schwieriger.
Von Dr. Thomas Brandt
Dies führt oft dazu, dass man sich bei der Standardfrage des Management hinsichtlich der zu erwartenden Rendite des jeweiligen Projektes in Form einer Kosten-Nutzen-Analyse bzw. eines Business Plans, darauf beschränkt, ausschließlich die offensichtlichen Nutzeneffekte zu berücksichtigen. Oft mit der unfreiwilligen Begründung, dass sich die weiteren Auswirkungen sowieso nicht nachweisen oder sogar quantifizieren lassen. Das die Projektverantwortlichen durch ein derartiges Vorgehen Gefahr laufen wesentliche Auswirkungen - negative wie positive - einfach außer Acht zu lassen, wird in den meisten Fällen gar nicht erkannt. In den übrigen Fällen wird es billigend in Kauf genommen. So oder so sind die Folgen für das Unternehmen klar: es werden auf Grundlage einer unvollständigen Betrachtung Entscheidungen getroffen, die die Gesamtleistung des Unternehmens wesentlich beeinflussen.
"Wir konnten nachweisen, dass sich im Vertrieb durch die Einführung eines neuen Abwicklungssystems, die Fehler pro Bestellung um ein Drittel reduziert haben". Und haben Sie noch weitere Auswirkungen des neuen Systems entdeckt? "Nein, wieso? Es ging doch hierbei nur um die Bestellabwicklung! Also sind die Auswirkungen auch nur hier zu finden!"
Kommt Ihnen dieser - zugegeben stark vereinfachte - Dialog bekannt vor? Schon in den fünziger Jahren stellten Studien über selektive Wahrnehmung fest, dass Mitarbeiter immer denjenigen Bereichen den grössten Handlungsbedarf bescheinigten, in denen sie sich am besten auskannten: die Vertriebsleute im Verkauf und die Produktionskollegen in den Fertigungsprozessen.
Wer langfristig erfolgreich am Markt bestehen bleiben will, darf sich keine Schwächen leisten. Ein erfolgreiches Unternehmen muss die gesamte Klaviatur spielen können; soll heißen das Unternehmen als Gesamt(kunst)werk ist heute stärker im Fokus denn je. Und es entscheidet heute stärker denn je über Erfolg oder Marktaustritt. Es reicht nicht aus einzelne Bereiche perfekt zu beherrschen und beispielsweise ein Fertigungs- und Logistikweltmeister zu sein, wie uns das Bespiel der einst so erfolgreichen Wirtschaftsmacht Japan seit nunmehr über einem Jahrzehnt bedrohlich eindrucksvoll vor Augen führt. In jüngerer Vergangenheit immerhin mit gewissen Erholungstendenzen.
Mehr noch: die ganzheitliche Sichtweise ist von größter Bedeutung zur Existenzsicherung. Dieses Bewusstsein und diese Geisteshaltung muss allerdings erst einmal in das Unternehmen - sprich in die Köpfe der Mitarbeiter - gebracht werden. Dies kann offensichtlich nicht per Managementanweisung von oben geschehen, sondern die Mitarbeiter müssen von der Sinnhaftigkeit überzeugt werden. Nur dann werden sie auch entsprechend handeln in ihrem Tagesgeschäft. Wenn dies nicht gelingt, wird es immer wieder zu Inseloptimierungen kommen, die jeder Praktiker fast täglich erlebt. Diese kommen zwar einzelnen Gruppen oder Abteilungen zugute, sind jedoch suboptimal für das Unternehmen als Ganzes. Im schlimmsten Falle sind sie nicht nur weit entfernt vom tatsächlich erreichbaren Optimum einer Verbesserung, sondern sie können sogar Schaden anrichten und eine Verschlechterung der Ausgangslage bewirken.
Das nachfolgend vorgestellte IDEA-Konzept soll dazu beitragen, dieses ganzheitliche Bewusstsein und Verständnis zu schaffen. Genauer gesagt die notwendigen Voraussetzung dazu. Und zwar dort wo wohl jeder von uns schon einmal gearbeitet hat: in der Projektorganisation. Ein Projekt ist zu verstehen als die wichtigste und originäre Teamorganisation eines Unternehmens und als Unternehmung im Unternehmen. Viele Firmen arbeiten bereits ausschließlich in Projekten, was bedeutet, dass die Summe dieser Projekte die gesamte Wertschöpfung dieser Unternehmen ausmacht. Dieser Zusammenhang ist nicht trivial; doch wird er in der Praxis häufig nicht im vollem Umfang erkannt.
Wie kann es nun gelingen, ein ganzheitliches Verständnis bei den Mitarbeitern - also der bekanntlich wichtigsten Ressource eines jeden Unternehmens - zu schaffen? Die Antwort klingt einfach: indem die Konsequenzen aufgezeigt werden, die ein Projekt oder eine Maßnahme für das Unternehmen hervorrufen.
Der Teufel steckt wie so oft im Detail:
- Welcher Teil des Unternehmens soll denn betrachtet werden und warum?
- Welche Arten von Wirkungen entstehen?
- Gibt es noch Wirkungen, die bisher gar nicht betrachtet wurden?
- Wie lassen sich die entdeckten Wirkungen bewerten? Vor allem monetär?
Über den Autor
Dr.-Ing. Thomas Brandt studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Berlin und Dublin und promovierte danach berufsbegleitend im Siemens Konzern zum Thema Projektcontrolling. Seitdem arbeitete er in verschiedenen technischen wie kaufmännischen Positionen im Bereich Communications Mobile Networks (Mobilfunkinfrastruktur) mit einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden Euro. Zur Zeit leitet er die Abteilung Region Management bei COM Supply Chain Management.
Dr.-Ing Thomas Brandt íst Autor mehrerer Bücher:
- Projektcontrolling - Verbesserungsprojekte analysieren und bewerten
- Erfolgsmessung im Projektmanagement - Wirkung und Nutzen sicher beurteilen
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