
Finanzierung
Entwicklung der Frühphasenfinanzierung
Die Gründung eines Technologieunternehmens erfordert erhebliche Mengen an finanziellen Mitteln. Meist ist die Aufnahme von so genanntem Beteiligungskapital unverzichtbar für die Nutzung einer Business Opportunity, die am Anfang in der Regel aus nicht viel mehr als einer Idee besteht.
Ein Beitrag von Marc Kley
Im Laufe der Entwicklung von einem Gründungsunternehmen über die Phase der Markterschließung und der -etablierung bis zum Wachstum durch Übernahmen anderer Firmen oder einem eventuellen Börsengang bzw. Verkauf an einen strategischen Partner durchläuft ein Technologieunternehmen verschiedene Investitionsphasen. Die Verfügbarkeit externen Beteiligungskapitals ist dabei oft der der entscheidende Schlüssel zu unternehmerischem Wachstum.
Sämtliche Finanzierungen in Form von Beteiligungskapital lassen sich als Private Equity definieren. Dazu zählen auch Mittel für Buyouts sowie Mezzanine Finanzierungsarten, die ein Unternehmen allerdings i.d.R. erst nach einigen Jahren und ab einer gewissen Umsatzgröße in Anspruch nehmen kann. Für die davor liegenden Jahre der Gründung und des Wachstums kommt das so genannte „Venture Capital“ zum Tragen. In Abhängigkeit vom Alter und Entwicklungsstand des Unternehmens finden sich unterschiedliche Ausprägungen dieser auch als Wagniskapital oder Risikokapital bezeichnete Finanzierungsform.
Investitionsphasen nach Meilensteinen
Die früheste aller unternehmerischen Entwicklungsphasen wird als "Seed" respektive Pre-Seed-Phase bezeichnet. Laut Definition des Bundesverbandes Deutscher apitalbeteiligungsgesellschaften (BVK e.V) erfolgt mit Hilfe der Seed-Finanzierung die Ausreifung und Umsetzung einer innovativen Idee in verwertbare Resultate, i.d.R. als Prototyp, auf dessen Basis dann das Geschäftskonzept des zu gründenden Unternehmens aufgebaut wird. Auf die Seed- folgt die Start up-Phase, in der sich das betreffende Unternehmen laut BVK im Aufbau befindet oder seit kurzem im Geschäft ist. Es verkauft noch keine Produkte bzw. nur in geringem Umfang und hat den Break Even Point noch nicht erreicht. Seed- und Start up-Phase werden im Sprachgebrauch von Investoren auch als "Early Stage" bezeichnet. Ca. 2 Jahre nach Gründung endet die Frühphase. Entscheidend ist aber weniger das Alter als das Realisieren wichtiger Meilensteine wie die Gewinnung erster Referenzkunden und damit einhergehender Umsätze sowie der Vervollständigung des Gründerteams, damit ein Unternehmen aus Investorensicht nicht mehr als risikoreiches Frühphaseninvestment gilt.
An die Frühphasenfinanzirung schließt sich die Expansionsfinanzierung an. Diese Phase dient laut BVK zur Finanzierung unternehmerischen Wachstums, das betreffende Unternehmen hat den Break Even Point erreicht oder erwirtschaftet Gewinne; die Geldmittel werden zur Finanzierung von zusätzlichen Produktionskapazitäten, zur Produktdiversifikation oder Marktausweitung und/oder für zusätzliches Betriebskapital verwendet. Die Finanzierung weiterer Expansionen und von Übernahmen zählen zur Spätphasen- bzw. Later Stage-Finanzierung. Steht als Exitoption der Kapitalgeber ein Börsengang bzw. IPO (Initial Public Offering) im Mittelpunkt des Interesses, so wird eventuell eine Überbrückungs- bzw. sog. "Bridge"-Finanzierung notwendig, in der einem Unternehmen zur Vorbereitung des Börsengangs finanzielle Mittel vor allem mit dem Ziel der Verbesserung der Eigenkapitalquote zur Verfügung gestellt werden.
Investitionsphasen nach Finanzierungsquellen
Andere Einteilungen der Investitionsphasen beziehen sich auf die Finanzierungsquellen, die Gründern im Zeitablauf zur Verfügung stehen. Am Beginn ist meist nur eigenes Geld oder Kapital aus dem Gründer nahe stehenden Quellen verfügbar. Man spricht hierbei auch von den 4 F’s (Founder, Friends, Family & Fools), die zur Finanzierung erster unternehmerischer Schritte in Frage kommen. Es schließt sich der „Markt für informelles Beteiligungskapital“ an, auf dem die als Business Angel bekannten Privatinvestoren mit Summen ab ca. 50.000 Euro agieren. Business Angel sind i.d.R. ehemalige Unternehmer, die jungen Unternehmen neben Kapital vor allem Know-how und Kontakte bieten können. Business Angel Money wird auch als "informelles Beteiligungskapital" bezeichnet.
Eine Durchfinanzierung bis zum Erreichen des Break-Even erfordert dagegen die Inanspruchnahme von institutionellen Investoren, dies gilt wie für alle forschungs- und entwicklungsintensiven Branchen auch für die Medizintechnik. Venture Capitalisten unterstützen das unternehmerische Wachstum in der Regel in mehreren Finanzierungsrunden, die als A bis D-Runde bezeichnet werden. Sie treten bevorzugt in der Expansionsphase als Investor eines Technologieunternehmens hinzu. Zum einen lässt sich so das Risiko eines Totalausfalls minimieren, da sich die Beteiligungsunternehmen schon am Markt befinden. Zum anderen entspricht es der "Mentalität" der Venture Capitalisten eher, größere Volumina zu investieren, mit denen das Beteiligungsunternehmen dann seinen Wachstumskurs einschlagen oder verstärken kann. Allerdings erfordert die Kommerzialisierung bedeutenderer technologischer Innovationen häufig viel mehr Kapital, als ein einzelner Venture-Fonds zur Verfügung stellen kann, wenn er eine angemessene Risikodiversifikation berücksichtigen möchte. Daher suchen diejenigen Frühphasen-investoren unter den Venture Capitalisten, die auch in der Start up-Phase investieren, für ihr Engagement gerne die Absicherung über Parallelinvestments, z.B. mit dem ERP-Startfonds oder durch „Co-Venturing“ mit etablierten VC-Gesellschaften. Investitionssummen unter 1 Millionen Euro, die z.B. in der Seedphase für die Erreichung erster Meilensteine wie der Fertigstellung eines Prototypen ausreichen, werden dagegen eher durch Co-Investments von Business Angeln mit dem High-Tech Gründerfonds, der KfW oder regionalen Seedfonds geleistet.
Über den Autor
Marc Kley ist ausgebildeter Bankkaufmann und Lehrbeauftragter für Gründungsmanagement an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Er ist Gründer VentureMarketForum GmbH. Zuvor war er Projektleiter beim NUK-Businessplan-Wettbewerb. Außerdem ist Herr Kley ständiger freier Mitarbeiter des Venture Capital-Magazins.
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