
Serie: Das Büro ist mehr als Tisch und Stuhl - Teil II
Bewegung im Büro: Standards und Mobilität bei der Arbeitsplatzgestaltung
Gründer denken an die Büroräume immer zuletzt. Bei der Einrichtung wird an allen Ecken und Enden gespart – das rächt sich früher oder später. Diese sechsteilige Serie möchte einen Einblick geben, worauf man bei der Suche und der Einrichtung der eigenen Büroräume achten sollte.
Ein Beitrag von Christine Müller
Standards für "Möbelstellflächen" und "Benutzerflächen"
Wir bleiben bei unserem in ersten Teil eingeführten Standardarbeitsplatz mit 13,5 qm (s. Grafik) mit seinen verschiedenen Funktionsbereichen (vgl. Teil 1 der Serie). Es findet sich auch hier wieder eine schöne Definition zu den Flächen: "Stellfläche im Bürowesen ist der Teil der Bodenfläche, der für die Unterbringung von Arbeitsmitteln und Ausstattungsgegenständen benötigt wird, unabhängig davon, ob diese den Boden berühren oder nicht."
Bei dieser Definition erahnen Sie schon: Nur im Idealfall sind Stellfläche und Benutzerfläche identisch. In unserem Musterbüro sehen sie schon an den gestrichelten Bereichen, dass sich z.B. durch Ausziehen von Kontainerschüben oder beim Öffnen von Schranktüren Möbelfunktions- und Benutzerfläche überlappen. Das dürfen Sie auch, soweit durch die Überlagerungen keine "Quetsch-, Scher- und Stoßstellen" entstehen.
Denken Sie also bitte bei der Einrichtung daran, dass Sie die gesetzlichen Vorgaben für die Bewegungsflächen realistisch einschätzen: In unserem Beispielbüro ist es sinnvoll den Abstand von Schreibtisch (Standardmaße B160x T80 cm), Drehstuhl (Bewegungsfläche 1,25 cm) und Schrank (Standardmaß B 100 cm x T 0,45 cm) mit geöffneten Türen + 0,50 cm bei der Einrichtung zu berücksichtigen. Ansonsten müssen Sie sich wirklich durch ihr Büro "durchquetschen", wenn sie statt mit einer Bewegungsfläche von 1,25 cm bei Schreibtisch zum Schrank nur mit der Stuhltiefe von 0,50 cm rechnen würden. Eine tolle Hilfe dafür ist z.B. die Checkliste des BSO (kostenfrei zu beziehen über einrichten@das-curriculum).
An dieser Stelle sind Sie sicher hinsichtlich Standards und Vorgaben von Arbeitsplätzen schon soweit sensibilisiert, dass Sie die folgende Aussage nicht überraschen düfte: Das ganzheitliche, an Standards ausgerichtete Büro möchte keine Menschen, die fixiert an einem festen Arbeitsplatz den ganzen Tag SITZEN ohne sich zu bewegen.
Mobilität: Bewegung ins Büro bringen
Bestimmt kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Kaum sitzen Sie, fällt ihnen ein, dass Sie doch noch etwas aus dem Sideboard am anderen Ende Ihres Büros brauchen. Was tun Sie? Sie rollen mit ihrem Drehstuhl hin oder Sie stehen auf und gehen hin. Das sollte Sie bitte zukünftig nicht mehr "nerven". Freuen Sie sich viel eher. Arbeitsmedizinische Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Mitarbeiter mangelnde Bewegung als Belastung empfinden.
Aus bürodynamischer Sicht versucht daher die Büroplanung, durch eine entsprechende Arbeitsplatz-Struktur und Möblierungs-Anordnungen konkrete Bewegungsanlässe zu bieten. Natürlich gibt es bereits eine große Auswahl an Büromöbeln, bei denen diese Ideen umgesetzt wurden.
Diese Steh-Sitz-Arbeitsplätze kennen vielleicht einige von Ihnen nur von Menschen, die ihn aus gesundheitlichen Gründen (Bandscheibenprobleme, schlechte Durchblutung etc.) von der Berufsgenossenschaft "verordnet" bekommen haben. Doch nicht nur diese Personengruppe hat viele Vorteile durch wechselnde Arbeitshaltungen. Grundsätzlich kann aus bürodynamischer Sicht empfohlen werden, dass für jeden Mitarbeiter der Arbeitstag durch einen permanenten Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen gekennzeichnet sein sollte.
Praxisbeispiel: Flexible Arbeitsplätze beim Kunden
Einer meiner ersten Kunden war ein Anwalt, der ganz bewusst einen flexiblen, elektrisch von 68 – 120 cm höhenverstellbaren großen Schreibtisch wollte (s. Bild 1) der ihm ermöglichte, sowohl im Sitzen als auch im Stehen zu arbeiten. Grund: Er stehe besonders beim Telefonieren sehr viel – und möchte auch die Arbeit am PC ganz bewusst im Stehen erledigen wegen der erhöhten Konzentrationsfähigkeit in dieser Position. Das Telefonieren im Stehen hat für ihn auch noch den Effekt, dass er so freier Atmen kann und sich damit seine Stimme klarer anhört.
Tipps: Bürodynamik ohne Gefährdung für Ihre Gesundheit
Büroarbeitsplätze sind besonders dann gesundheitsförderlich, wenn bei der Einrichtung immer auch der Aspekt der Bürodynamik berücksichtig wird. Das muss weder teuer noch aufwendig sein. Sie können mit ganz einfachen Mitteln dazu beitragen, dass Ihr Büro bewegter wird:
- Berücksichtigen sie Möbelstellfläche und Benutzerfläche bei der Planung oder passen Sie auch jederzeit bei internen Veränderungen (Mitarbeiterwechsel, Neuorganisation, etc.) an.
- Stellen Sie die Möbel nicht zu eng, das birgt Verletzungsgefahr und keiner mag sich gerne irgendwo "durchquetschen" müssen. So macht Arbeiten wenig Spaß.
- Planen Sie doch mal Trainingszeiten für Arbeiten oder Meetings im Stehen mit z.B. Stehpult, Stehtischen oder mobilen Kommunikationselementen.
Ausblick
In der nächsten Folge bleiben wir beim Thema Gesundheit. Dazu vertiefen wir den Aspekt der Ergonomie. Dann kommt auch der Beitrag eines Lesers zum Bereich "Beleuchtung" zum Tragen oder wie heißt es unter der Rubrik Bildschirmarbeitsplätze so schön "Erkennen statt erraten".
Abschließend noch eine Bitte: Erzählen Sie mir, wie Sie bei sich im Büro für Bewegung gesorgt haben. Schreiben Sie mir an: einrichten@curriculum.de. Ich freue mich auf Ihre E-Mails.
Über den Autor
Christine Müller hat vor ihrer Unternehmensgründung mit "Curriculum- Möbel mit Berufserfahrung" selbst vielfältige Berufserfahrungen gemacht: Magister-Studium Germanistik/Soziologie, im Anschluss daran Tätigkeit als Seminarleiterin in der beruflichen Weiterbildung, danach Disponentin und Geschäftsstellenleiterin in der Zeitarbeit. 2005 verwirklichte SIe ihren Jugendtraum: die Selbstständigkeit.
Bereits in 2006 wurde Curriculum mit seinem Makleransatz für gebrauchte Büromöbel als Beste Geschäftsidee (IHK Bezirk Rhein-Main-Neckar) ausgezeichnet. Seitdem ist Christine Müller im Dienst ihrer klein- und mittelständischen Kunden deutschlandweit unterwegs. Neben Möbeln vermittelt sie aber von Beginn an auch Wissen rund um das Büro und seine passgenaue Einrichtung.
Neben der Franchisierung des Geschäftssystems in 2008 hat sie im August diesen Jahres eine offene Curriculum-Vortragsreihe bei der IHK Darmstadt gestartet. Unter dem Titel "Das Büro ist mehr als Tisch und Stuhl" wird dabei der Schwerpunkt auf unterschiedliche Themenbereiche wie Kosten, Ergonomie, Umweltverträglichkeit etc. für Büroraum und Büroeinrichtung gelegt.
Vorträge, Einrichtungsberatungen und Büro-Check-Up‘s können individuell direkt gebucht werden.
Schubertweg 1
64287 Darmstadt
Telefon: 06151/3535474
email: einrichten@das-curriculum.de
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