
Grundlegende Informationen zum Thema Private Equity – Teil 4
Besondere Merkmale von Private Equity (PE)
Aus Anlegersicht wird die Rendite in Private Equity nicht vorrangig durch Dividendenausschüttungen erzielt, sondern über eine Partizipation am Unternehmenswachstum. Die Investitionen sind regelmäßig zeitlich befristet, und mit dem Ausstieg aus der Beteiligung werden die Unternehmenswertsteigerungen realisiert.
Ein Beitrag von Dipl. Volkswirt Roland Brooks
Zu den besonderen Charakteristika von PE zählen beispielsweise:
- die Laufzeit eines Fonds ist auf etwa 10 - 12 Jahre beschränkt.
- die Zeichnungsperiode für Investoren beträgt ca. 3 - 18 Monate; danach wird der Fonds geschlossen.
- die Mindestinvestition bei mittleren und größeren Fonds beträgt € 5 - 10 Mio.
- das Kapital wird über einen Zeitraum von 3 - 6 Jahren investiert.
- das gezeichnete Kapital wird in Tranchen erst beim Investor abgerufen, wenn es benötigt wird, also ebenso über 3 - 6 Jahre.
- die ersten Rückflüsse an Investoren erfolgen nach etwa 4 - 7 Jahren.
- eine Veräußerung oder Kündigung der Beteiligung ist grundsätzlich nicht möglich.
Während der ersten Jahre stellt der Investor bei einem Direktinvestment bzw. der Fonds beim indirekten Investment dem Unternehmen einen vereinbarten Betrag zur Verfügung, welchen das Management des finanzierten Unternehmens jedoch nicht sofort komplett in Anspruch nehmen muss, sondern das Kapital in der vereinbarten Zeitspanne je nach Investitionsbedarf abrufen kann. Während dieser Phase der Inanspruchnahme kann es auch schon zu ersten Rückflüssen kommen.
Laut der European Private Equity & Venture apital Association (EVCA) werden zu Beginn des Investments nur 25 des Gesamtkapitals in Anspruch genommen, innerhalb der ersten drei Jahre werden 63% investiert. Dagegen werden 53% aller Rückzahlungen innerhalb der ersten sechs Jahre getätigt. Der Investor ist somit nie zu 100% investiert. Die volle Rückzahlung des eingesetzten Kapitals erfolgt dann durchschnittlich nach siebeneinhalb Jahren (vgl. EVCA; „Performance Measurement and Asset Allocation for European PE-Funds“).
Da insbesondere institutionelle Investoren üblicherweise jedoch einen langfristigen Anlagehorizont haben, ist die mangelnde Fungibilität von Private Equity hier weniger nachteilig als für Anleger mit einem kurzfristigeren Anlagehorizont, zumal Private Equity in der Regel nur einen geringen Anteil an den gesamten Kapitalanlagen ausmacht.
Die oben genannten speziellen Charakteristika wie beispielsweise Liquidität, Ausschüttungen und Verlauf der Zahlungsströme sind normaler Bestandteil einer Investition in die Assetklasse Private Equity und somit stellen sie für den aufgeklärten Investor keine großen Überraschungen dar, sondern werden von vorne herein in den langjährigen strategischen Prozess eingeplant.
Über den Autor
Roland Brooks arbeitete - im Anschluss an seine kaufmännische Ausbildung bei BMW sowie dem erfolgreichen Abschluss als Dipl.-Volkswirt an der Rheinisch-Westfälischen-Universität in Bonn - vier Jahre als Beteiligungsmanager in der Private Equity Branche. Dort leitete er ein Beteiligungsportfolio und managte hauptsächlich VC-finanzierte Unternehmen von der Gründungphase bis zum Exit. Danach war er für einen börsennotierten Konzern im Bereich des Beteiligungscontrollings in verantwortlicher Position tätig. Derzeit ist er beim Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI) primär für den weiteren Ausbau des Private Equity Bereiches zuständig.
Kontaktdaten:
Bundesverband Alternative Investments e. V.
Poppelsdorfer Allee 106
53115 Bonn
Tel.: +49 228 96987 16
E-Mail: brooks@bvai.de
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