
Fachbeitrag
Attraktivität des Standards "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen"
Nach mehrjähriger Diskussion hat der IASB am 9. Juli den Standard "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen" veröffentlicht. Der Standard tritt unmittelbar nach seiner Veröffentlichung in Kraft. Ferner hat der deutsche Gesetzgeber das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) auf den Weg gebracht, das ab dem 1. Januar 2010 anzuwenden ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich für kleine und mittelgroße Unternehmen die Frage, ob die Anwendung dieses neuen Standards von Interesse und wie das Verhältnis zum BilMoG ist.
Ein Beitrag von Matthias Hoffmann
Änderungen des Standards
Der Standard "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen" ist im Wesentlichen ein eigenständiger Standard, der kaum Querverweise auf die übrigen IFRS Standards beinhaltet. Ferner sieht er im Vergleich zu den sog. "Full IFRS" Einschränkungen bei den Wahlrechten, Erleichterungen bei der Anwendung sowie weniger umfangreichere Anhangsangaben vor. Er stellt somit im Vergleich zu der Anwendung der "Full IFRS" eine weniger komplexe und damit attraktive Alternative dar.
Der Standard definiert jedoch nicht, welche Unternehmen als "klein und mittelgroß" anzusehen sind. Dies zu bestimmen, wurde den jeweiligen nationalen Gesetzgebern oder Standardsettern übertragen. Sicher ist derzeit, dass, unabhängig von der Größe, kapitalmarktorientierte Unternehmen diesen Standard nicht anwenden dürfen.
Das BilMoG wurde vom Gesetzgeber mit dem Ziel verabschiedet, das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) zu modernisieren und somit den Unternehmen eine mit den IFRS eher vergleichbare Rechnungslegung zu ermöglichen. Das BilMoG soll insbesondere eine einfachere und kostengünstige Alternative zu den "Full IFRS" sowie wohl auch zu dem neuen Standard "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen" sein.
Der Gesetzgeber hat hierbei das deutsche HGB in einigen Bereichen den internationalen Rechnungslegungsnormen geöffnet. Dies zeigt sich beispielsweise in der Möglichkeit, selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens oder latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge zu aktivieren. Bis zur Verabschiedung des BilMoG war dies im deutschen HGB verboten.
Während kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Konzernabschlüsse verpflichtend und nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Konzernabschlüsse freiwillig nach IFRS aufstellen können (§ 315a HGB) und damit von der Verpflichtung befreit werden, zusätzlich einen Konzernabschluss nach den Regeln des deutschen HGBs aufzustellen, kennt das deutsche Handelsgesetzbuch - auch nach Anpassung durch das BilMoG - eine entsprechende Regelung für den Einzelabschluss nicht. Somit können Unternehmen für den Einzelabschluss den Standard "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen" nur zusätzlich zu einem HGB Abschluss aufstellen.
Kleine und mittelgroße Unternehmen sollten überlegen, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, wenn die Vorteile aus der zusätzlichen Aufstellung eines Einzelabschlusses nach "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen" die Nachteile übersteigen.
Vor der Einführung des BilMoG wurde den IFRS zugestanden, einen besseren Einblick in die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage der Unternehmen zu geben. Mit dem neuen BilMoG wird dieser Vorteil an Bedeutung verlieren. Ferner sind die zusätzlichen Aufwendungen in Form von aufzubauenden IFRS-Wissen im Unternehmen sowie Prüfungskosten zu beachten, die im Regelfall den Vorteil der vermeintlich besseren Informationsvermittlung übersteigen werden.
Über den Autor
Matthias Hoffmann ist Wirtschaftsprüfer und Partner bei BENKERT + PARTNER, einer multidisziplinären Partnerschaft bestehend aus Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern. Herr Hoffmann unterstützt Sie bei der Erstellung von Abschlüssen und Business Plänen, berät im Zusammenhang mit rechnungslegungsbezogenen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen und führt Jahres- und Konzernabschlussprüfungen durch.
BENKERT + PARTNER bietet jeweils auf den Einzelfall zugeschnittene multidisziplinäre Beratungsdienstleistungen an.
www.benkertpartner.com
Neue Fachbeiträge
-
Fachbeitrag
Wie Kunden zu kostenlosen Verkäufern werden
Kunden wie auch Unternehmen entdecken immer mehr die Macht des Empfehlungsmarketing. Nicht die eigenen Vertriebsleute, sondern aktiv empfehlende Fans sind die besten Vermarkter. Sie haben die größte Überzeugungskraft und die geringsten Streuverluste. Doch wie macht man aus Kunden eifrige Fürsprecher und engagierte Multiplikatoren? Das erklärt Anne M. Schüller in ihrem aktuellen Fachbeitrag. mehr
-
GmbH-Recht
Rentenversicherungspflicht von Geschäftsführern
Die Frage, ob Geschäftsführer rentenversicherungspflichtig sind, sorgt immer wieder für Aufsehen - sei es durch Gesetzesänderungen, sei es durch überraschende Urteile der Gerichte. Einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge gibt es hier. mehr
anzeige
-
Berater-Netzwerk
Jetzt Mitglied werden im förderland Berater-Netzwerk.
mehr...
-
Private Krankenversicherung
Sparen Sie 2.400 EUR pro Jahr bei besserer Leistung.
mehr...
-
Sie suchen einen Steuerberater?
Jetzt kostenlos und unverbindlich.
mehr...
Beratungsförderung vom Staat
Facebook Fanpage
RSS Feed abonnieren
- Nachrichten Gründer, Start-ups, Investoren Feed abonnieren
- Aktuelle Veranstaltungen Feed abonnieren
- Aktuelle Fachbeiträge Feed abonnieren
förderland-Autor werden
Neue Autoren
- 10.06.2010Katrin Dummer
- 24.11.2009Guido Ernst Hannig
- 02.11.2009Thomas Gebhardt
- 15.10.2009Matthias Meyer
- 08.10.2009 Dr. Volker Baldus
- 01.10.2009Jochen Maaß
- Alle Autoren
marktplatz
-
Vorlagen
Über 5000 professionelle Vorlagen
-
Franchise-Ideen
Franchise-Systeme im Vergleich.
-
Hochschulen in Deutschland
Adressen und Informationen
-
Gründungsberater in Ihrer Nähe
Finden Sie den besten Gründungsberater
-
förderland-Buchshop
Buchempfehlungen, Rezensionen
-
Kreditversicherung
Alles zum Thema Kreditversicherung.

