10 Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensfinanzierung - Ein Beitrag von Mario Rüdel
teaser_fachbeitraege.jpg
15.05.2011

Unternehmertipps

10 Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensfinanzierung

Die Finanzausstattung ist für Unternehmen von erheblicher Bedeutung, da in neue Geräte, Maschinen und Ausstattung investiert werden muss, Geschäftsfelder erweitert werden und damit einhergehend Aufträge und Forderungen vorzufinanzieren sind. Die nachfolgenden Tipps zeigen den Weg zu einer optimalen Finanzierung auf und geben Hinweise, wie die Finanzdecke Ihres Unternehmens gestärkt werden kann.




Ein Beitrag von Mario Rüdel

1. Machen Sie sich Gedanken über die Höhe Ihres Eigenkapitaleinsatzes

Die Höhe des eingesetzten Eigenkapitals hat eine entscheidende Auswirkung auf die Kreditentscheidung. Eigenkapital dient als Puffer in schwierigen Zeiten und sollte in einem angemessen Rahmen zur Gesamtfinanzierung eingesetzt werden. Das Eigenkapital ergibt sich aus den Einzahlungen der Gesellschafter, den liquiden Mitteln und dem Verkauf bzw. der Reduzierung von Vermögen des Unternehmens, beispielsweise auch durch den Abbau der Forderungen oder ggf. durch einen Maschinenverkauf.

Innerhalb eines Bereiches zwischen 0-15 Prozent Eigenkapital an einer Investition sind nur wenige Kapitalgeber tätig, da sich im Umkehrschluss 80-90 % Sicherheiten aus der Investition ergeben müssten, was heute in der Regel nicht einmal bei Gewerbeimmobilien darstellbar ist.

Zwischen 25-50 % beginnt der Bereich der üblichen Finanzierungen, wobei es jedoch trotzdem für den Kapitalgeber notwendig ist, die Werthaltigkeit der Investition zu prüfen.

2. Informieren Sie sich über Ihre Ratingklasse

Die Ratingklasse ist eine entscheidende Größe bei Ihren Refinanzierungsmöglichkeiten. Eine schlechtere Bonitätseinschätzung durch den Kapitalgeber kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich die Investitionen nicht mehr rechnen und einhergehend die Kapitaldienstfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist.

Bei ungenügender Bonität kann der Finanzierungsprozess bereits am Anfang abgebrochen werden, da keine Finanzierung durch Dritte möglich sein wird. Es ist daher für Unternehmen sehr wichtig rechtzeitig ihr Rating zu verbessern.

3. Ermitteln Sie die Höhe Ihres Kapitalbedarfs

Hier sind die Entscheidungskompetenzen bei Kapitalgebern zu beachten, wobei zwischen mehreren Stufen unterschieden wird: Von 250 TEUR bis 1 Mio. Euro wird der § 18 KWG angewendet und die Entscheidung fällt zusammen mit einem Mitarbeiter aus der ersten oder zweiten Führungsebene. Zwischen 1 bis 5 Mio. Euro entscheiden zwei Personen aus der ersten und zweiten Führungsebene. Bei Finanzierungen über 5 Mio. Euro werden die Kredite meist von Spezialkapitalgebern bereitgestellt und unterliegen in ihren Entscheidungswegen "eigenen Gesetzen".

4. Beachten Sie die Bewertbarkeit Ihrer Sicherheiten

Mit Sicherheiten sind diejenigen Vermögenswerte gemeint, die aus der Investition des Kapitalbedarfs resultieren und solche, die zusätzlich zur Verfügung stehen. Hierzu zählen unter anderem auch frei verfügbare Vermögenswerte des Unternehmens sowie Vermögenswerte der Gesellschafter, die diesem für das Unternehmen einsetzen wollen.

Bei Investitionen stehen in der Regel langfristige Sicherheiten zur Verfügung. Die Ausnahme sind schwer verkäufliche Sonderanfertigungen. "Sorgenkind" ist das Umlaufvermögen, welches traditionell von den Kapitalgebern nicht bis kaum bewertet wird.

5. Beachten Sie die Gesamtdauer Ihrer Kapitalbindung

Die Fristigkeit der geplanten Anschaffungen bezieht sich auf deren maximale Nutzungsdauer. Diese kann gegebenenfalls auch mit der Abschreibungsfrist gleichgesetzt werden. Zu beachten ist, dass in einem Unternehmen die Kapitalbindungsdauern sehr unterschiedlich sein können: Standardwerte
sind:

  • 0 bis 360 Tage: z.B. Umlaufvermögen
  • 1 bis 5 Jahre: z.B. Informationstechnologie
  • 5 bis 10 Jahre: z.B. Maschinen, Werkzeuge
  • 10 bis 20 Jahre: z.B. Gebäudeobjekte
Die Kapitalbindungsdauer hat erheblichen Einfluss auf die Finanzplanung und sollte im Voraus wohl bedacht sein.

6. Planen Sie genügend Zeit für die Kapitalbeschaffung ein

Das Unternehmen hat in der Regel eine Zeitachse, in der das Kapital verwendet werden soll (geplanter Auszahlungstermin). Grundsätzlich gilt: Je kürzer der Planungs- und Beschaffungszeitraum für Kapital, desto ungünstiger und schwieriger kann sich der Beschaffungsprozess gestalten, weil die Zeit zur Konzepterstellung und die Reaktionszeit bei unerwarteten Hindernissen (z.B. Absage der Bank) nicht ausreichen könnte.

7. Beachten Sie die "Goldene Finanzierungsregel"

Die Goldene Finanzierungsregel fordert, dass die Dauer der Kapitalbindung im Vermögen nicht länger als die Dauer der Kapitalüberlassung sein soll. Langfristig gebundenes Vermögen sollte durch langfristiges Kapital, kurzfristig gebundenes Vermögen durch kurzfristiges Kapital finanziert sein.

8. Setzen Sie auf Förderfinanzierungen

Günstig finanzieren heißt Fördermittel nutzen! Unternehmen haben die Wahl aus Zuschüssen, Zinsverbilligungen, Bürgschaften und Beteiligungen, welche strategisch sinnvoll in eine strukturierte Finanzierung eingebaut werden können. In Deutschland gibt es hunderte von Förderprogrammen für verschiedene Zwecke, die teilweise auch kombiniert werden können. Entscheidend sind die richtige Auswahl und die korrekte Beantragung mit einem Experten.

9. Bauen Sie mindestens zwei Bankpartner auf

Aus der Historie können wir berichten, dass Unternehmen in der Regel eine Verbindung zu zwei Bankpartnern pflegen sollten. Strategische Wechsel in der Ausrichtung einer Bank (Klumpenrisiken) oder auch der Wechsel eines Betreuers können nach unserer Erfahrung immense F auf die Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens haben. Kluge Unternehmen sorgen vor und intensivieren die Kontakte zu mindestens zwei Bankpartnern rechtzeitig, da erfahrungsgemäß der Aufbau einer neuen Bankverbindung in einer Unternehmenskrise sehr schwierig ist.

10. Schaffen Sie Transparenz in Ihrem Unternehmen als Grundlage jeglicher Finanzierungsentscheidung

Die Kommunikation gegenüber den Banken ist inzwischen zu einem eminent wichtigen Punkt geworden. Die Banken agieren zum Teil sehr vorsichtig, daher sind die Anforderungen an die Dokumentation bei Finanzierungsthemen erheblich gestiegen. Neben der Statusbetrachtung aus der Vergangenheit als Bilanzanalyse, ist eine operative und strategische Finanzplanung empfehlenswert, in der Optimierungsmöglichkeiten perspektivisch aufgezeigt werden. Die Möglichkeit der Simulation von Zukunftsszenarien erhöht das Vertrauen in den Finanzierungsnehmer und dessen Fähigkeit Risiken objektiv einzuschätzen. Somit erhöhen integrierte Finanzplanungssysteme die Transparenz und sind die optimale Grundlage für das Vertrauen Ihrer Bank.

  drucken        versenden
Bewerten Sie diesen Beitrag:

Durchschnittliche Bewertung:
[ 12 Bewertungen ]

Über den Autor

Mario Rüdel ist Senior Berater bei der WALTER FRIES Unternehmensberatung | Mergers & Acquisitions. Er betreut seine Kunden bei der Unternehmensfinanzierung, Finanzmanagement (Controlling & Reporting) und Immobilienfinanzierung. Darüber hinaus ist er Dozent und Mitglied des Prüfungsausschusses für Bankfachwirte (IHK) in Frankfurt.

m.ruedel@walterfries.de

www.walterfries.de

Neue Fachbeiträge

  • Projektmanagement in IT-Start-ups

    IT-Start-ups verschenken Effizienzpotenziale

    Obwohl sich Projekt bezogenes Arbeiten in manchen Start-ups zu etablieren beginnt, ist professionelles Projektmanagement noch vielerorts weitgehend unbekannt. Hauke Thun, Gründer und Inhaber von PM Firefighters, erklärt in seinem Fachbeitrag, wie Start-ups ihre Potentiale mittels Projektmanagement bestmöglich nutzen. mehr
  • E-Commerce

    E-Commerce mit CIVETS im Blick – Chancen und Risiken!

    Nicht nur die BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China bieten Chancen für deutsche Unternehmen, die für E-Commerce Zielgruppen auf neuen Märkten suchen. In seinem Fachbeitrag beleuchtet Christian Arno, Gründer des Übersetzungsdienstes Lingo24, die so genannten CIVETS, also die wirtschaftlich aufstrebenden Länder Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 3

    Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, erklärt im dritten und letzten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint Management", wie Sie die Mitarbeiter aktivieren, sie tagtäglich mit dem Kunden in Kontakt stehen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht - Teil 2

    Im zweiten Teil ihrer Beitragsserie zum Thema "Touchpoint-Projekte" erklärt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, wie Sie bei Mitarbeitern den "Mein-Baby-Effekt" erzeugen. mehr
  • Kundenkontaktpunkt-Management Teil 1

    Wie man Touchpoint-Projekte erfolgreich macht

    Anne M. Schüller ist zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Kürzlich veröffentlichte sie ihr neuestes Buch mit dem Titel „Touchpoints – Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute“. In einer dreiteiligen Beitragsserie auf förderland gibt Anne M. Schüller jetzt eine Einführung ins Thema. mehr
  • Cloud Software

    Cloud Software für Existenzgründer – Was sollte beachtet werden?

    Als Existenzgründer sind viele Entscheidungen zu treffen. Neben der Durchführung, Steuerung und Kontrolle des Geschäftsbetriebs müssen auch verschiedene Fragen bezüglich der Nutzung von Unternehmenssoftware beantwortet werden. Frank Elsenbruch von der Scopevisio AG aus Bonn geht in seinem Fachbeitrag der Frage nach, was Gründer beim Einsatz von Software aus der Cloud beachten sollten. mehr
  • SEO

    Suchmaschinenoptimierung mal anders. Ein Blick hinter das System ...

    Suchmaschinenoptimierung: Oft gehört, aber nie wirklich verstanden was Suchmaschinenoptimierung ist und vor allem, wie es funktioniert. Eines können wir bereits ausschließen, Suchmaschinenoptimierung bedeutet nicht, auch wenn es klingt, dass eine Suchmaschine optimiert wird. Einen Blick hinter das System gewährt uns heute Korhan Parlar, Gründer und Geschäftsführer der SEOvista aus Berlin. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 schriftliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Die gute alte Mundpropaganda, die vor Jahrmillionen an den Lagerfeuern begann, erlebt gerade einen mächtigen Wandel. Die Social Media und der Hype um trendige Smartphones sind die wesentlichen Treiber dafür. Empfehlungen sind inzwischen der Kaufauslöser Nummer eins. Damit rückt das Empfehlungsmarketing an die vorderste Stelle im Marketingplan. Mithilfe der folgenden 10 Tipps von Anne M. Schüller können Sie Andere auf schriftliche Weise ermuntern, Ihre Angebote aktiv zu empfehlen. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing

    Das größte Empfehlungsnetzwerk, das es je gab, heißt Social Web. Die gute alte Mundpropaganda verlagert sich immer mehr ins Internet. Das klassische Weitererzählen erlebt als digitaler Consumer-Content eine unbändige Renaissance. "Social Sharing" wird dies auch genannt. 10 Verstärker in Sachen Online-Empfehlungsmarketing stellt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem aktuellen Fachbeitrag vor. mehr
  • Empfehlungsmarketing

    10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing

    Wir leben in einer neuen Businesswelt. Heute ist alles "like" oder "dislike". Da müssen Unternehmen zunehmend zeigen, dass sie zu den wirklich Guten gehören. Am wirkungsvollsten ist es, wenn dies nicht vom Anbieter selbst behauptet, sondern von seinen begeisterten Kunden bezeugt wird. Die von enthusiastischen Fans persönlich ausgesprochenen Empfehlungen, Hinweise und Tipps sind heutzutage der Kaufauslöser Nummer eins. 10 mündliche Verstärker in Sachen Empfehlungsmarketing empfiehlt Anne M. Schüller, führende Expertin für Loyalitätsmarketing, in ihrem Fachbeitrag. mehr
  • Fachbeitrag

    Unternehmensgründung mit Erfolg: Darauf kommt es an!

    Viele Gründer beschäftigen sich mit scheinbar wichtigen Fragen im Vorfeld einer Unternehmensgründung. Diese Fragen stellen sie dann womöglich kompetenten Steuerberatern, Gründungsberatern und anderen Experten. Auf den ersten Blick ist dies ja auch sehr positiv. Doch leider hört man immer wieder die gleichen Fragen – Fragen, die so gut wie nichts mit dem künftigen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zu tun haben. Worauf es wirklich ankommt, erklärt Unternehmensberater Martin Grünstäudl in seinem Fachbeitrag. mehr

anzeige

förderland-Newsletter

Close