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29.01.14Leser-Kommentare

Zwei Jahre später: 15 heiße Startups aus Berlin und was aus ihnen geworden ist

Vor zwei Jahren stellten wir 15 Startups aus Berlin vor, die kurz davor das Licht der Welt erblickt hatten. Heute werfen wir einen Blick darauf, wo diese Jungunternehmen jetzt stehen. Von Dropscan bis iversity, von Tweek bis WorkHub.

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Im Januar 2011 stellten wir in einem Artikel 15 Startups aus Berlin vor, die nicht den üblichen Verdächtigen zuzurechnen waren, die in jedem Presseartikel über den schon damals in voller Blüte befindlichen Gründer-Hype der Hauptstadt erwähnt wurden. Selbst wenn es sich dabei nicht um eine zwangsläufig repräsentative Auswahl handelte, kann ein Blick auf den Status dieser Unternehmen exakt zwei Jahre später informative Einblicke in die Entwicklung des Ökosystems und seiner partizipierende Startups geben. Fünf der damals vorgestellten Dienste existieren nicht mehr, einer befindet sich im Schwebezustand, der Rest marschiert in unterschiedlichem Tempo voran. BuddyBeers

BuddyBeers war ein Service, der es Usern ermöglichte, Freunde zu einem Bier einzuladen und dabei gleichzeitig neue Bars und Kneipen zu entdecken. Die Vergangenheitsform verrät es: Der Dienst existiert nicht mehr. Im Mai 2013 schaltete Gründer Travis Todd die Site ab. In einem Blogbeitrag zum Ende ging zwischen den Zeilen hervor, dass er und seine Kollegen einfach keine Lust mehr auf das Projekt hatten. Sonderlich gut kann es nicht gelaufen sein.

Status: offline.

Dropscan

Dropscan betreibt einen Scanservice in der Cloud, der im vergangenen Jahr um einen Briefkasten in der Cloud erweitert wurde. Die Dienste richten sich sowohl an Privatpersonen als auch an Unternehmen. Geschäftsführer und Co-Founder Christan Schulte erklärt, das Kundenspektrum reiche vom Digitalnomaden bis hin zur KMU mit mehreren 100 Mitarbeitern. Weiterhin betreiben er und sein Team Bootstrapping, weshalb der Ausbau der Kapazitäten schrittweise erfolge. Dropscan gehe es sehr gut, und das werde auf absehbare Zukunft auch so bleiben, betont Schulte.

Status: wächst in gemächlichem Tempo.

EyeEm

Die als Instagram-Konkurrent gestartete Foto-App EyeEm gehörte vor zwei Jahren noch zu den Neulingen, die nicht permanent im medialen Rampenlicht standen. Heute ist das anders: Dank zehn Millionen Mitgliedern und einer graduellen Umpositionierung zu einer mobilen Fotocommunity mit angeschlossenem Marktplatz, bei der die Bedürfnisse von Hobbyfotografen im Zentrum stehen, sind die Berliner heute Dauergast in der Branchenpresse und auch international respektiert.

Status: attraktive, erweiterbare Nische. Da geht noch was.

Farfromhomepage

Für Farfromhomepage lief es weniger gut: Der Dienst, bei dem User aus im Netz existierenden Medienobjekten wie Fotos, Texten, Videos, Klängen oder ganzen Websites interaktive Präsentationen erstellen konnten (Video), verschwand irgendwann aus dem Netz. Laut Gründer Manuel Scheidegger gelang es ihm und seinem Co-Founder nicht, ein schlüssiges Geschäftsmodell zu implementieren. Da Umsätze fehlten, konnte auch das recht komplizierte Produkt nicht konsequent weiterentwickelt und optimiert werden, was wiederum potenzielle Partner und Investoren abschreckte. Scheideggers selbstkritisches Fazit: "Wir haben versucht, eine Idee umzusetzen, an die wir glauben. Damit sind wir auch weit gekommen. Aber wir haben zu wenig versucht, aus dieser Idee auch das einfachst mögliche Produkt zu machen, das Leute rasch gerne nutzen".

Status: offline.

Gidsy

Auch die Peer-to-Peer-Aktivitätenplattform Gidsy existiert nicht mehr. Das Startup, das nicht zuletzt wegen eines Investments von Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher schnell zu den prominentesten Newcomern der Berliner Szene avancierte, wurde im Frühjahr 2013 für eine unbekannte Summe vom Zürich-Berliner Wettbewerber Getyourguide übernommen. Gidsy-Mitbegründer Edial Dekker und seine Mitstreiter schafften es nicht, den Marktplatzansatz erfolgreich mit der Vermittlung von Aktivitäten zwischen Privatpersonen zu vereinen. Womit Gidsy brillierte, war die Außendarstellung. Genau hier hatte Getyourguide großen Nachholbedarf, weshalb die Akquisition in der Branche gemeinhin als sinnvoll angesehen wurde. Die Resultate sind sichtbar: Getyourguide kann heute optisch weit mehr überzeugen.

Status: offline nach Talentakquisition.

iversity

Als wir iversity in unsere Liste aufnahmen, verfolgten die Berliner die Mission, die “PDF-Friedhöfe” der Unis mit einer hochschulübergreifenden Plattform für Kommunikation und Forscher abzulösen. Doch 2013 entschloss man sich zu einem "Pivot" und stellte die Weichen für die Transformation zu einem Anbieter von MOOC (Massive Open Online Courses). Dieser Prozess verlief für iversity bislang auch erfreulich: Zum Debüt der ersten kostenlosen Onlinekurse im Herbst war die Zahl der eingeschriebenen Nutzer bereits sechsstellig. Die Aussichten des Startups sind heute trotz namhafter internationaler Konkurrenz deutlich besser als vor zwei Jahren.

Status: es geht aufwärts.

Phonedeck

Das 2010 gegründete Startup Phonedeck begann als eine Art Fernbedienung für Smartphones. 2012 folge ein Pivot hin zu einem Werkzeug für eine geräteübergreifende Kontakteverwaltung. Dieser Service wird zwar noch angeboten, im Vordergrund steht mittlerweile jedoch ein B2B-Produkt, welches Firmen dabei helfen soll, Smartphones mit ihren CRM-Systeme zu verbinden. Das heutige Phonedeck hat also mit dem damaligen nicht mehr viel zu tun.

Status: Endstation B2B. Aber damit lässt sich ja viel Geld verdienen.

Moviepilot.com

Moviepilot.com ist die internationale Version der in Deutschland erfolgreichen Filmcommunity Moviepilot. Im Mittelpunkt stehen personalisierten Empfehlungen zu neuen sowie in Planung oder Produktion befindlichen Filmen und Serien. Gemäß Geschäftsführer und Mitgründer Tobias Bauckhage wird die Site monatlich von über sieben Millionen eindeutigen Nutzern aufgerufen. Die Berliner konnten seit der Eröffnung eines Büros in Los Angeles zahlreiche Kooperationen mit großen Hollywood-Studios in die Wege leiten. Bauckhage betont, dass das schon einige Jahre zuvor gelaunchte deutsche Portal mittlerweile hochprofitabel sei und 2013 in Sachen Traffic und Umsatz um über 100 Prozent zugelegt hat. Für 2014 ist für die .de-Version der Vorstoß in den Games-Markt geplant.

Status: wächst und gedeiht.

TunedIn

TunedIn gehörte zu einer Vielzahl von Startups, die sich dem antizipierten Boom-Markt des "Second Screen" verschrieben hatten. Später stellte sich jedoch heraus, dass Twitter dieses Segment weitgehend für sich reklamieren konnte. TunedIn gelang rechtzeitig der Absprung: Im Februar wurde die Übernahme durch das Medienhaus Axel Springer bekannt gegeben. In diesem Zusammenhang kündigten die Hauptstädter einen Relaunch der TunedInApp an. Auch heute, fast ein Jahr später, findet sich auf der Website des Dienstes lediglich eine Warteliste für die neue Beta.

Status: Talentakquisition, Zukunft offen.

Tweek

Tweek setzt ebenfalls auf den Second Screen, stellt aber das Entdecken sehenswerter Inhalte in den Vordergrund, nicht die soziale Interaktion rund um Content. Seit unserer Auflistung vor zwei Jahren hat Tweek seine iPad-App um eine iPhone-Anwendung ergänzt, allerlei VoD-Angebote und Videoflatrates integriert und eine API zur Personalisierung von Videoservices veröffentlicht. Hiermit sei Tweek internationaler "First Mover", betont Gründer Marcel Duee. Discovery werde immer mehr zur zentralen Herausforderung im Videomarkt, und Tweek soll dabei eine wichtige Rolle spielen - auch international.

Status: komplexer Markt, aber Tweek kämpft.

TwinKomplex

Bei TwinKomplex handelte es sich um einen interaktiven, browserbasierten Agententhriller - eine Mischung aus Film und Spiel mit Integration von Google Maps und Google Street View. Die ursprünglichen Ambitionen waren groß, doch mittlerweile findet sich auf der Website keine Möglichkeit mehr, den Dienst zu erreichen. Die Social-Media-Kanäle sind seit 2012 stumm, und eine E-Mail unsererseits blieb unbeantwortet. Das Projekt kann man wohl abhaken.

Status: offline.

UPcload

UPcload gehört zu den innovativsten Berliner Startups, was die Nutzung neuer Technologien betrifft. Das Unternehmen entwickelt Lösungen zur Fern-Körpervermessung, die Onlineshops verwenden, um die Zahl der Rücksendungen zu verringern. Zum Einsatz kommt entweder ein Vermessungsverfahren per Webcam oder ein statistikbasiertes Tool. Im Sommer vergangenen Jahres verkündete das Startup kontinuierliche Zuwächse. Besonders gut entwickelt sich die (für Konsumenten mit weniger Aufwand verbundene) datengetriebene Version. Laut UPcload-Sprecher Steffen Poralla wurde UPcloads Service im Dezember von 600.000 Onlineshoppern weltweit eingesetzt.

Status: eher langsames, aber kontinuierliches Wachstum.

WorkHub

WorkHub möchte Unternehmen dazu bringen, simple Arbeitsaufgaben in die Cloud auszulagern, wo sie dann von Nutzern per Smartphone und über sonstige Geräte in ruhigen Minuten erledigt werden. Laut Gründer und CEO David Link werden mittlerweile 500.000 Aufgaben pro Tag bearbeitet. Anfragen von Firmen kommen seiner Aussage nach aus der ganzen Welt, da der Fokus von WorkHub im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern auf Qualität liege. Der Markt für "Cloud Working" beziehungsweise Crowdsourcing-Technologien sei noch ganz am Anfang. "Wir erwarten eine deutliche Steigerung im Bedarf an diesen Lösungen in den nächsten fünf Jahren", erklärt Link.

Status: läuft.

6Wunderkinder

Ursprünglich sollte Wunderkit das Prestigeprodukt des Berliner Startups 6Wunderkinder werden. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Stattdessen entschlossen sich die Spreestädter, ihren ursprünglich nur als "Teaser" konzipierten Aufgabenmanager Wunderlist auszubauen. Jüngst gab es für diese Pläne 19 Millionen Dollar vom US-Investor Sequoia. Firmengründer Christian Reber plant für einen Tag, an dem Wunderlist die Marke von 100 Millionen Mitgliedern durchbricht. Die Ambitionen bleiben also groß - die notwendigen Mittel dafür hat Reber Dank des Investments.

Status: Alles im grünen Bereich.

7Moments

Keinen grünen Bereich gibt es bei 7Moments. Das Startup wollte die beste Onlinelösung zum Teilen und gemeinsamen Erstellen von privaten Fotoalben schaffen. Doch weil sich die Nutzerzahlen nicht wie erhofft entwickelten, strich der Dienst Ende 2013 die Segel.

Status: offline. /mw

Kommentare

  • Markus Spath

    29.01.14 (08:20:33)

    Ich hab das mal für das Samstag App Fieber durchgezählt - http://netzwertig.com/2013/06/08/samstag-app-fieber-5-jahre-samstag-app-fieber/ - und da sind nach 2 Jahren noch fast alle online. Der große Knackpunkt kam erst im 4. Jahr, da waren dann 45% offline. Berlin scheint also kein gutes Pflaster zu sein... ;)

  • Basar Seven

    29.01.14 (08:43:42)

    Hallo, ein guter Versuch aber leider nicht überzeugend. Auch, wenn dein Ziel nicht das bewerten der Unternehmen an sich ist, implizierst du mit dem Beitrag, dass die vorhandenen oder überlegten Unternehmen gesund wären. Dabei fehlt es bei den meisten die künftige Überlebensfähigkeit. Die Zahlen sind nach den Bilanzen ebenfalls nicht gesund. Ich nehme nur mal als Beispiel 6 Wunderkinder GmbH. 31.12.2012 Verlust von ca. 1,25 Mio. EUR, die bilanzierten immaterielle Vermögensgegenstände von ca. 1 Mio. sind suspekt und ist eine schwer messbare bzw. hohe Manipulation möglich. Man nehme nur einen zu verzinsenden Faktor i, der nicht angemessen ist. Das Jahr 2011 haben die ebenfalls mit einem Minus von ca. 1,1 Mio. Also eine Steigerung des Gewinns. Das erinnert mich an Zeiten (Neuer Markt) in dem ich durch dumme Geld verdient habe.:) Bei Workhub sieht es schlimmer aus. Das Unternehmen hat auch Zahlen, die jedem Gläubiger graue Haare machen würden. Na ja.

  • Robert Frunzke

    29.01.14 (14:22:10)

    Mal ganz nebenbei: "UPcload" ist wohl der mit Abstand schlechteste Firmen-/Markenname, den man sich hätte ausdenken können. Klingt irgendwie klumpig ;-) Naja, ich kenne aber das Produkt nicht, mag gut sein. Ansonsten fällt mir mal wieder nur noch dazu ein, dass die Wunderkinder in ein paar Jahren nur noch als VC-Grab in Erinnerung bleiben werden. Aber wer sein Geld da reinstopfen will, der soll das gerne tun, muss jeder selbst entscheiden.

  • Martin Weigert

    29.01.14 (16:03:08)

    Mit VC finanzierte Unternehmen in Wachstumsphasen machen oft Verlust. Das heißt erst einmal gar nichts. Die Vorstellung, nach einem halben Jahr den Break-Even erreicht haben zu müssen, ist bei Unterfangen mit großen Zielen eher hinderlich.

  • Ana

    03.02.14 (14:05:57)

    What I do not understand is: Why do journalists only focus on Berlin startups? when Germany has successful startups all over the nation: Protonet from Hamburg, Tado from Münich, etc...

  • Martin Weigert

    03.02.14 (15:13:53)

    We cover a lot of non-Berlin startups as well.

  • Ana

    03.02.14 (16:07:41)

    You are right! :) I did more research and found this article: http://netzwertig.com/201…dware-nicht-scheuen/ Will we hear what happened to them? I find it interesting: hardware startups are rising again.

  • Martin Weigert

    03.02.14 (19:09:38)

    That's definitely a post to follow up at a later time.

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