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07.06.10

Zurück in die 90er: Wenn die mobile Datenflatrate zum Witz wird

Ein neues als "Handy Surf Flat" vermarktetes Angebot zeigt anschaulich, wie schlecht es um mobile Datenflatrates tatsächlich bestellt ist.

Aktualisierung am Artikelende

In der vergangenen Woche beschrieb ich, wie Telekommunikationsanbieter darauf hinarbeiten, dass bei der mobilen Internetnutzung nicht die selben "All You Can Eat"-Zugangsmodelle Verbreitung finden, wie sie beim stationären Internet seit vielen Jahren vorherrschen. Die wenigen echten mobilen Datenflatrates, die es momentan (noch) gibt, könnten somit in Kürze ganz vom Markt verschwinden.

Wer geglaubt hat, der Artikel wäre Schwarzmalerei, sollte einen Blick auf ein neues Angebot von Kabel Deutschland werfen, dessen Start heute auf den meisten einschlägigen IT-Nachrichtenportalen verkündet wird:

Kabel Deutschland bietet für seinen Mobilfunktarif "Mobile Phone" die Zusatzoption "Handy Surf Flat". In der Pressemeldung heißt es: "Für 9,99 Euro pro Monat können Kabel-Internet-Kunden deutschlandweit unbegrenzt mit dem Handy im Internet surfen."

Klingt gut, oder? Ist es aber nicht. Denn das neue Angebot beinhaltet das niedrigste Trafficlimit, das ich persönlich jemals bei einem als "Flatrate" beworbenen Produkt gesehen habe: Bescheidene 200 Megabyte dürfen Kunden monatlich versurfen, bevor ihnen die UMTS-Geschwindigkeit gedrosselt wird. Ab dann geht es im ISDN-Schneckentempo (64 Kbit/s) durch's Netz. Fühlt sich außer mir noch jemand an die späten 90er Jahre erinnert?

Dass Provider ihre mobilen Flatrates ab dem Erreichen einer bestimmten Datenmenge (oft 1, 2 oder 5 Gigabyte) in der Geschwindigkeit beschränken, ist üblich, und sicherlich besser, als von Nutzern anschließend Zusatzgebühren zu verlangen. Das Limit jedoch bei 200 Megabyte anzusetzen und als "Handy Surf Flat" zu vermarkten, die "unbegrenztes" Surfen mit dem Handy ermöglicht, erscheint kaum nachvollziehbar.

Übrigens, die eigentliche (oder zumindest zweite) Pointe kommt erst noch: Denn natürlich untersagt es der Telekommunikationskonzern, die Flatrate für Videotelefonie oder VoIP zu nutzen! Was aber ohnehin nur innerhalb der 200 Megabyte ginge, danach dürfte die Geschwindigkeit dafür nicht nicht ausreichen.

Am Ende meines Artikels zur Zukunft mobiler Flatrates schrieb ich Folgendes:

Es sind die Mobilfunker, die eine Balance finden müssen, mit der sie auch angesichts einbrechender Einnahmen bei der Festnetztelefonie und der ehemaligen Cash-Cow SMS ihre Wirtschaftlichkeit sicherstellen, aber gleichzeitig mit ihrer Preis- und Tarifpolitik nicht den Eindruck erwecken, primär das eigene Geschäftsmodell schützen und zukünftige, womöglich zur Bedrohung werdende Innovationen ausbremsen zu wollen.

Zwar ist Kabel Deutschland im Kern kein Mobilfunker, aber zeigt an einem sehr ansehnlichen Beispiel, wie man die Balance zwischen Unternehmens- und Kundeninteressen NICHT findet. Danke dafür!

Update: Kommentatoren weisen darauf hin, dass derartig niedrige Trafficbegrenzungen auch bei anderen Mobilfunkern unter der Bezeichnung "Flatrate" vorkommen. Was nicht das Angebot von Kabel Deutschland relativiert, sondern das noch deutlich größere Ausmaß der Problematik darstellt.

Erwähnenswert ist, wie iPhone-Tarife und Prepaid-Angebote von z.B. simyo oder blau.de deutlich großzügiger sind, was das Inklusiv-Trafficvolumen betrifft. Von diesen bin ich in meiner ursprünglichen Bewertung ausgegangen.

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