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09.07.08Leser-Kommentare

Zoomer fragt die User: Darf's noch etwas hässlicher sein?

Zoomer will eine neue Startseite und fragt die User, wie sie aussehen soll. Nur: Die vorgeschlagenen zwei Entwürfe sind noch um Einiges verstörender als das aktuelle Design.

Designkritik ist manchmal etwas elitär – da regen sich die Profis mit dem empfindlichen Auge auf, die Nutzer aber stören sich gar nicht an den beanstandeten Verfehlungen, sondern klicken und blättern eifrig. Das Paradebeispiel: Das überaus hässliche MySpace. Beim ebenfalls heftig kritisierten Nachrichtenportal Zoomer aus dem Hause Holtzbrinck aber muss was dran gewesen sein: Die Startseite nämlich soll nun nachgebessert werden. Man ist mit dem Verhältnis von Besuchern zu Seitenaufrufen nicht zufrieden, erzählte Zoomer-Chefredakteur Frank Syré im Video bei Turi2. Das liegt nach den aktuellen IVW-Zahlen bei rund zwei Seiten pro Visit und damit eher auf dem Niveau eines durchschnittlichen Weblogs als auf dem großer Nachrichtenseiten (Spiegel Online etwa kommt auf ein Verhältnis von sechs Page-Impressions pro Visit).

 

Das kann man zwar zum Teil mit dem bewussten Verzicht auf allzu viele Bildstrecken und ähnliche Bauernfängerei erklären, die Verlagsoberen waren's aber wohl dennoch nicht zufrieden. Fürs Redesign holt man sich Rat beim Publikum. Heute erhielten registrierte Zoomer-Nutzer eine E-Mail, in der sie gebeten wurden, an einer kurzen Umfrage teilzunehmen. Wer dem Link folgte, bekam zwei Entwürfe für eine neue Zoomer-Startseite zu sehen und konnte sein Feedback dazu in freien Worten und per Skala-Abfrage abgeben. Soweit, so lobenswert. Allein: Es scheint, als wolle man sich vom User die Legitimation holen, beim jetzigen Design zu bleiben. Die beiden gezeigten Alternativen nämlich sind, und ich musste zehnmal ums Haus rennen, um das so dezent zu formulieren: Ein Desaster.

Erster Zoomer-Neuentwurf

Über den ersten Vorschlag könnte man zumindest noch streiten. Das dunkle Braun des aktuellen Designs ist dort verschwunden, ebenso die Tapete mit den schrägen Linien hinter den Bildern - gute Ideen. Der untere Bereich wirkt aufgeräumter, die Bilder des Tages sind aufgereiht statt übereinandergelegt, die Typographie ist schlichter und weniger hektisch (und damit, klar, auch weniger originell). Durch diese Schritte in Richtung "Normalität" wirken allerdings die Reste des alten Zoomer-Designs noch mehr wie Fremdkörper. Das übriggebliebene Ockergelb drängt sich an mehreren Stellen vom Hintergrund in den Inhaltsbereich, so, als sei gerade das Layout im Browser zerschossen. Die Bilder im oberen Bereich sind dunkle Flecken, Text steht weiß auf schwarz im Bild und schwarz auf weiß darunter, das Auge wieselt umher und wird schließlich durch die armaturenbrettartige Darstellung der Skalen von "Aktualität" und "Interesse" und winzigen Icons vollends verwirrt.

Dieser erste Entwurf ist außerdem die Kapitulationserklärung des ursprünglichen Konzeptes von Zoomer: Ganz oben nämlich findet sich eine vertikale Navigationsleiste mit Ressorts. Politik, Wirtschaft, Netzoom, Panorama, Sport, Kultur, Wissenschaft. Genau darauf wollte man beim "jungen Nachrichtenportal" eigentlich verzichten, um einen neuen Zugang zu Nachrichten zu bieten.

Variante 2 geht in der Abkehr des jetzigen Aufbaus noch weiter: Auch hier gibt es eine Ressort-Navigation, es fehlt aber außerdem sogar der Einstieg über Bilder. Der Fokus liegt stattdessen ganz klassisch auf den Überschriften, die in hohen Schriftgrößen gesetzt sind. Die Anordnung der weiteren Elemente auch nur zu beschreiben fällt schwer, so konzeptlos wirkt sie. Gibt es hier überhaupt irgendein Raster? Ist die Lesbarkeit einer Überschrift überhaupt ein Kriterium gewesen?

Detail aus dem zweiten Entwurf

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, hier hätten die Webdesigner einen Countdown von 30 Minuten und eine große Spielkiste mit Seitenelementen bekommen, die sie fix auf einer vorgegebenen Fläche verteilen mussten. "Hier könnten wir doch noch den neuesten Kommentar anreißen", "Die Top-Themen-Features müssen noch irgendwo hin", "Setz sie doch einfach noch links unters Bild", "Ich fänd's stylish, wenn es überall noch runder würde".

Ich hätte beim Start von Zoomer nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: Bitte bleibt einfach beim aktuellen Design.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Stephan

    09.07.08 (16:40:13)

    Absolut - würde ich sofort so unterschreiben! Ich habe mich an der alten Seite allerdings nicht wirklich gestört (vielleicht habe ich mich auch schon zu sehr daran gewöhnt?), aber die beiden neuen Vorschläge sind definitiv Mist. Besonders die Version, in der das Ranking auch über die größes des Bildes stattfindet, sorgt für das totale Chaos. Es scheint wirklich so, als wollte man sich die Bestätigung abholen, dass die alte Seite garnicht so schlecht ist. Und wie gesagt: Ich finde Sie auch nicht schlecht!

  • Ugugu

    09.07.08 (17:34:07)

    Zoomer? Einmal gesehn und zu den Internetleichen Akten gelegt.

  • ix

    10.07.08 (06:35:25)

    das muss so ne art psychotrick sein. nachdem ix die neuen entwürfe gesehen habe, erschien mir das aktuelle aussehen von zoomer tatsächlich auch aufgeräumt und übersichtlich. trotzdem: so viel gelacht hab ich bei ner befragung schon lange nicht mehr.

  • Robert

    10.07.08 (07:21:53)

    Mann, mann, mann - und das am frühen Morgen. Allerdings steckt da vielleicht Methode dahinter, damit der MySpace-Nutzer sich nicht umgewöhnen muss.

  • Peter Neumann

    10.07.08 (07:50:56)

    Vielen Dank für die Meinungen hier. Genau deshalb fragen wir ja nach, was den Usern gefällt, was sie verstehen und wie sie eine Seite gerne nutzen würden. Was wir zeigen, sind auch keine endgültigen und fertigen Layouts, sondern eher Grundideen für Designs. Das sieht man u. a. daran, dass wichtige Teile des Angebots gar nicht fertig ausgestaltet sind. So wie Autohersteller Concept Cars haben, um die Reaktion des Publikums und des Marktes zu testen. Deshalb sind wir für Kritik, jede Meinung und jeden Verbesserungsvorschlag dankbar. "Desaster" ist da vielleicht ein bisschen starker Tobak, aber Meinung lebt ja auch von der Zuspitzung. ;-) Wir freuen uns jedenfalls über die Diskussion und die Aufmerksamkeit, die uns geschenkt wird. Peter Neumann Geschäftsführer zoomer.e

  • Mark S

    10.07.08 (08:48:41)

    Zoomer ist paradox. Eine Nachrichtenseite von und für Leute, die offenbar Nachrichten hassen. Anders kann ich mir die Optik nicht erklären.

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