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12.03.13Leser-Kommentare

Zombie-Startup: Das seltsame Festhalten der Samwers am Pinterest-Klon Pinspire

Der Pinterest-Klon Pinspire gehört zu den unrühmlichen und wenig erfolgreichen Episoden samwerscher Gründungstätigkeit. Dennoch wird das dahinvegetierende Startup partout nicht aufgegeben.

PinspireEigentlich ist uns ja Pinspire, der erfolglose Pinterest-Klon von Rocket Internet, keine Zeile mehr wert. Und dass der Samwer-Inkubator mit Diensten, die nicht die internen Maßgaben erfüllen, kurzen Prozess macht, ist hinlänglich bekannt. Insofern verwundert es eigentlich, dass der Service, der eine nahezu exakte Nachahmung von Pinterest darstellt und vor allem mit fragwürdigem Geschäftsgebaren auffiel, überhaupt noch mehr als ein Jahr vor sich hindümpeln durfte. Als deutsche-startups.de am Montagabend vom Ende des Angebots berichtete, war diese Meldung also maximal deshalb eine Überraschung, weil die meisten Beobachter wohl gar nicht mehr damit rechneten, überhaupt noch einmal etwas von Pinspire zu hören. Doch am Dienstagfrüh war der Artikel dann plötzlich verschwunden. Obwohl unter pinspire.de noch immer eine Fehlermeldung erschien. Auf Anfrage informierte die Redaktion von deutsche-startups.de per Twitter darüber, dass Pinspire angeblich doch wiederkommen würde, weshalb der Artikel offline genommen wurde. Nun kann es durchaus mal passieren, dass ein Techblog einen Webservice verfrüht für tot erklärt. Ein Komplettausfall über mehr als zehn Stunden ist unüblich, und sofern dies bei einem Anbieter geschieht, dem ohnehin keine Überlebenschancen zugerechnet werden, dann liegt die Vermutung nahe, dass die Betreiber einfach still und leise den Stecker gezogen haben.

Im aktuellen Fall scheint dies jedoch nicht so gewesen zu sein. Denn tatsächlich ist Pinspire seit etwa 9:00 Uhr wieder erreichbar. Wieso Rocket Internet den sterbenden Patienten noch immer nicht endgültig ins digitale Nirvana schicken will, bleibt ein Rätsel. "Bereits vor einem Jahr wurde das Projekt massiv eingestampft, Mitarbeiter entlassen bzw. intern auf andere Projekte verteilt", so deutsche-startups.de-Chefredakteur Alexander Hüsing in dem nun gelöschten Artikel. Das letzte Update im Pinspire Blog gab es vor neun Monaten. Es ist mehr als merkwürdig, dass der für seine schnelle Exekution und die ebenso rasante Schließung von Flop-Projekten bekannte Berliner Inkubator den einfallslosen Klon noch so lange wie einen Zombie mitschleift.

Beachtlich ist außerdem, wie hart der Text von deutsche-startups.de - ebenfalls eine Beteiligung der Samwers - mit dem Rocket-Projekt ins Gericht ging. Redakteur Hüsing bezeichnete das Projekt als "äußerst peinlichen und komplett erfolglosen Klon"und als "dreiste Kopie des US-Vorbilds". Der Launch sei ein "Fiasko" gewesen, das Rocket Internet weltweit "massive Kritik" einbrachte. Gleichzeitig betonte er, dass Pinspire wie ein Relikt aus einer anderen Rocket Internet-Zeit wirkt, da die Firmenschmiede "zuletzt eher mit stark umgesetzten E-Commerce-Konzepten" glänzte anstatt mit "platten, billigen Kopien von US-Vorbildern.".

Der Text war damit ein interessanter Beleg der redaktionellen Unabhängigkeit von deutsche-startups.de, das sich im Prinzip seit seinem Debüt immer wieder Vorwürfen ausgesetzt sieht, lediglich ein Vehikel der Samwer-PR-Maschine zu sein. Dass es ein deutlicher Beitrag wie der zum vermeintlichen Pinspire-Ende durch einen eventuellen Samwer-internen Freigabeprozess schaffen würde, erscheint unwahrscheinlich. Dumm also, dass ausgerechnet dieser Artikel nun wieder vom Netz genommen wurde. Der Gedanke, dass die unerwartete Rückkehr von Pinspire lediglich eine interne Auseinandersetzung über die Tonalität des Beitrag kaschieren soll, wirkt einerseits weit hergeholt, andererseits aber zu reizvoll und Klischees bestätigend, um ihn ganz zu ignorieren. Gleichzeitig fällt es schwer, eine plausibler klingende Erklärung dafür zu finden, dass Rocket Pinspire auch im März 2013 noch immer nicht aufgeben will.

Wir werden in den nächsten Wochen im Auge behalten, was sich bei Pinspire tut. Und sollte es dann demnächst doch offiziell abgeschaltet werden, genauer auf die Sprache achten, mit der diese Neuigkeit bei deutsche-startups.de verkündet wird.

Wir haben sowohl Rocket Internet als auch die deutsche-startups.de um einen Kommentar gebeten und ergänzen den Beitrag gegebenenfalls. /mw

Kommentare

  • Matze

    12.03.13 (11:35:48)

    der erste link der zu pispire führen sollte verlinkt auf pinterest..

  • Toni

    12.03.13 (11:38:41)

    Da ist Pinspire schon nicht mehr erreichbar! :)

  • Guenny

    13.03.13 (10:16:12)

    Die scheinen schon größere Probleme zu haben, sind schon wieder down. Auch egal braucht eh keiner :)

  • geheim

    13.03.13 (14:09:31)

    Ich weiß ja nicht, ob diese Lobhudelei auf "das neue Rocket Internet" jetzt wirklich ein Beweis von journalistischer Unabhängigkeit ist... ansonsten stellt sich halt die Frage, was das im Betrieb kostet. Wenn man die Software nicht mehr entwickelt und kaum noch User da sind, die man moderieren muss, kann man wohl recht billig den per Google kommenden Traffic mit Anzeigen monetarisieren und es gibt wenig Gründe, den Stecker zu ziehen.

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