<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

16.10.08

Zoff in den Wahrheitsschmieden: Wen der PR-Dackel verbellt ...

In Deutschlands Wahrheitsindustrie kläffen die Wachhunde immer noch aus Leibeskräften. Zur Vorgeschichte: Vor einiger Zeit hatte der Münsteraner Kommunikationsprofessor und Konstruktivist Klaus Merten auf einer Fachtagung des Weißwäscher-Gewerbes verkündet, dass alle Kommunikation der Erzeugung von Wirklichkeiten diene und dass sie insofern auch niemals wahrheitsdienlich sein könne, weil die Wahrheit notwendigerweise immer eine Kategorie des Lügners sei - womit er bloß den Systemtheoretiker Heinz von Foerster paraphrasierte. Merten vertrat damit gewissermaßen die forschungstheoretisch avancierte Position in der Kommunikationstheorie, die von ihren Anhängern schon ein wenig mehr Gehirnschmalz verlangt. Jetzt hat dieser Professor Merten dafür nachträglich von den lernunwilligen Verbandsfürsten eine kräftige Watschen erhalten:

 

"Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat sich auf seiner routinemäßigen Sitzung Anfang Oktober mit den Äußerungen von Professor Dr. Klaus Merten anlässlich des "PR-Careers Day 2008" im Juni befasst und den folgenden Beschluss gefasst: "Der DRPR missbilligt scharf und einstimmig Aussagen von Professor Dr. Klaus Merten, Münster, in denen er behauptet, die Profession Public Relations habe insgesamt eine Lizenz zur Täuschung".

Deshalb noch einmal, meine Damen und Herren von der Fraktion der Realitätsresistenten, auch wenn's vermutlich zu Ihren harten Schädeln nicht durchdringt: Es lässt sich nie und unter gar keinen Umständen 'wahrheitsgemäß' kommunizieren. Punkt. Auch wenn ihnen damit die beliebte 'Quadratur des Kreises' abhanden kommt, die Sie Ihren Kunden so gern als schillernden Stein der Weisen verhökern - dass Sie kraft kommunikativer Magie nämlich in seinem Auftrag 'interessiert' und zugleich 'wahrheitsgemäß' dahereuphemisieren könnten.

Denken Sie aktuell doch einfach mal an die Großveranstaltung 'Neoliberalismus' oder 'Globalisierung', die wir in den letzten 20 Jahren durchlitten haben. Das imposante Lügengebäude stand doch - natürlich unter maximalen Einsatz von Experten, Profiteuren und eigens gegründeten Vereinen (z. B. INSM) - wie eine Eins, ein ideologischer Bronzefelsen, der 'unbezweifelbar' geworden war, auch deshalb, weil die gesamte Publizistik auf dieses Modell eingeschworen war. Und trotzdem - das merken wir jetzt, wo wir aus diesem bösen Traum erwachen - trotzdem war es nur ein heißer Furz, dessen kommunikative 'Wahrheit' nichts als 'eine Erfindung des Lügners' war (v. Foerster).

Also, meine Damen und Herren im DRPR, bitte halblang in Ihrer Polemik, und vor allem bitte nur halb so laut - auch deshalb, weil Ihre honorige Erklärung mir wiederum selbst nur am steilen Ufer einer höchst fragil konstruierten Wahrheit erbaut scheint. Wie leicht könnten Sie da ins Rutschen kommen! Denn 'in Wirklichkeit' - unter uns Weißwäschern können Sie's ja ruhig mal zugeben - in Wirklichkeit geht es doch eher um die Aufteilung der Pfründen in der lukrativen PR-Weiterbildung ... oder etwa nicht?

 

"Im vorliegenden Fall kommt erschwerend hinzu, dass Professor Dr. Merten als Mehrheitsgesellschafter und alleiniger Geschäftsführer eines zertifizierten Weiterbildungsinstituts aufgetreten ist. Seine Äußerungen wirken daher in die Ausbildungsinhalte des eigenen Unternehmens hinein und haben dadurch auch besondere Bedeutung für die Weiterbildung der gesamten Branche."

Ah, ja ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer