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13.08.08Leser-Kommentare

Zoff bei Tanja-Anjas: Lügen haben lange Beine

Petra Sammer ist empört. Sie ist Geschäftsführerin bei einem 'weltweiten Top-Ten-PR-Netzwerk', bei der Münchner Ketchum GmbH, und sie will sich nicht nachsagen lassen, dass sie zu einer Berufsgruppe von Rosstäuschern gehöre:

"Ganz klar und vollkommen unwissenschaftlich ausgedrückt: ich sehe Täuschung nicht als Teil unseres Berufes und ich hoffe, es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Meinung teilen."

Was aber war ihr bloß über die Leber gelaufen? Ganz einfach: Der Kommunikationswissenschaftler Klaus Merten war in Münster auf einem Treffen der Branche aufgetreten, um unter anderem dies zu verkünden:

"Der Siegeszug der Fiktion setzt jetzt in großem Stil ein, denn Medien liefern ja keine „reale“ Wirklichkeit, sondern eben nur eine „fiktionale“ Wirklichkeit. Doch diese hat es in sich, denn sie wird als Stellvertreter akzeptiert und als Modell für die „reale Wirklichkeit“ übernommen. Reale Objekte werden systematisch durch Fiktionen ersetzt: Die Person durch das Image dieser Person, das Ereignis durch das Pseudo-Ereignis (event), das zu lösende Problem durch das öffentlich (z.B. in der Talkshow) zu diskutierende Thema und die Wahrheit durch die öffentliche Meinung."

(Übrigens schon im Juli, pdf zum Download hier)

Dass in allen Medienberufen eine 'Blendung des Publikums' resp. die 'Konstruktion von Wirklichkeiten' zu den unausweichlichen Folgen jedes Schreibaktes gehört, dass die mediale Abbildung eines Ereignisses nur annähernd diesem Ereignis selbst gleichen könne, das zählt intellektuell zur eisernen Ration jedes Journalistikstudenten, sofern er jemals Signifikat und Signifikant zu unterscheiden lernte. Er muss 'ethisch' nur ständig beweisen, dass er 'verantwortlich' mit der ihm verliehenen medialen Macht zur 'Fiktionalisierung' oder zur 'Narration' umgehen kann. Das publizistische Echo auf diesen angeblich so 'skandalösen' Vortrag von Prof. Merten fiel daher auch verhalten aus. Nur das Handelsblatt berichtete darüber unter dem Titel: 'Lügen in den Zeiten des Internets'.

In den Reihen der Public Relations aber tobt jetzt ein Sturm im Wasserglas - wobei sich im Wesentlichen die Fraktionen der großen Ausbildungsverbände beharken und 'Pragmatiker' sich zu Wort melden, die als 'Frontschweine' täglich die großen Versprechungen der Interessenverbände aufpolieren müssen: von der segensreichen Wirkung neuer Atomkraftwerke über die Notwendigkeit radikaler Einschnitte in den 'Sozialspeck' der Gesellschaft bis hin zur garantierten Dopingfreiheit im Bund deutscher Radfahrer. Wer dabei alles, was er schreibend zu Papier bringt, auch noch fürwahrnehmen müsste, der käme aus der Borderline-Psychose wohl gar nicht mehr heraus. Auch ist der Durchschnittsbürger längst aufgeklärt genug, um zu wissen, was er von seinen 'Tanja-Anjas' und den 'Himbeer-Tonis' zu halten hat. Unter Journalisten lautet bekanntlich ein alter Zynismus:

"Im Scheißhaus nährt's die grüne Fliege,

auf Pressestellen tut's der Duft der Lüge."

Ganz anders natürlich - und nicht nur aus Gründen der Selbstachtung - sieht die Binnensicht innerhalb der Public Relations aus. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Berufsstände immer diejenigen Werte am höchsten halten, die sie am wenigstens vertreten - man denke an den Begriff der 'Ehre' und an die 'ehrenwerten Gesellschaften'. Eine PR-Studentin aus Darmstadt dort in den Kommentaren zum Beispiel hat ihren 'Code d'Athènes' (und was ihr dort sonst noch so beigebimst wird) blauäugigst und fernab aller Kommunikationstheorie verinnerlicht:

"Dass Täuschung ... nicht zum Repertoire der PR-Menschen zählen sollte, müsste wohl bei der Mehrheit angekommen sein. Wer andere Ansichten vertritt, MUSS bei seiner Ausbildung oder seiner Erziehung etwas falsch verstanden haben."

Prompt flattert dieser Sina Lauer daraufhin ein Job-Angebot der Frau Sammer auf den Tisch:

"Liebe Frau Lauer, Ihr Beitrag lässt mich sehr hoffen. Bitte bewerben Sie sich gerne und jederzeit bei Ketchum! Solche Leute braucht die Branche. Bravo."

Ein Pragmatiker wie Peer Brockhöfer dagegen, der täglich mit beiden Füßen im Informationsgeschehen steht, der argumentiert schlicht mit seinem Alltag, auf den Frau Sammers hoher Anspruch so gar nicht passen will:

"Nun stellen wir uns mal der Realtität: Beispiel: Ich bin Pressesprecher und weiß, dass mein Unternehmen bald Mitarbeiter entlassen muss. Das hat irgendwie auch der Lokalreporter mitbekommen. Meine Aufgabe ist es, die Wogen nicht zu hoch schlagen zu lassen, dafür habe ich mir ein Konzept zurecht gelegt, Argumentationslinien und Zeitabläufe."

Im Folgenden beschreibt Peer Brockhöfer, wie er - gezwungen durch seine Position zwischen Stamm und Borke - an seinen Formulierungen solange herumschnetzeln wird, bis sie zwar nicht geradezu unwahr werden, aber trotzdem das in Rede stehende Faktum konsequent beschweigen. Wie er also schon nolens volens ständig 'Täuschung' betreibe.

Seinen Funktionären wiederum, vorneweg Herrn Richard Gaul, Vorsitzender des Ethik-Rates der vereinigten PR-Industrien, wirft er eine eher bequeme und selbstgerechte Haltung vor. Gaul hatte nämlich nach dem bewussten Vortrag von einem PR-Ausbildungsinstitut Aufklärung gefordert, weil der missliebige Klaus Merten mit seinen strittigen Ansichten dort ja auch Gesellschafter sei und am Ende sein Gift der notwendigen Lüge ungestört arglosen jungen Menschen einimpfen könne:

"Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) fordert vom PR-Ausbildungsinstitut „com+plus“ Auskunft darüber, ob und wie die national und international geltenden PR-Kodices in dessen Lehrpläne einfließen. Grund ist eine Äußerung des „com+plus“-Gesellschafters, Professor Dr. Klaus Merten, wer PR betreibe, habe eine Lizenz zum Täuschen."

Kurzum: Großes Gequake in Froschhausen. Was aber treibt Frau Sammer um, die jetzt nicht weniger als eine "Ehrenrettung (ih)res Berufsstandes" fordert? Deshalb, weil der Klaus Merten mit seinem Vortrag die Glaubwürdigkeit der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland mit einem einzigen Treffer so gekonnt versenkt habe, wie einst die Bismarck die H.M.S. Hood?

"Und wo ist meine DPRG? Wieder einmal durchforste ich die Webseite nach einem Kommentar oder einem empörten Aufruf zur Widerstand. ... Am 19.6. hatte man noch gegen Schleichwerbung was zu sagen. Das war am selben Tag, als Merten in Münster uns PR-ler endgültig in den Abrund riß."

Oha - D-Day in Honighausen! In meinen Augen ist das allzuviel Krach um ein Omelett. Für mich ist das große Ballyhoo nur dadurch zu erklären, dass Frau Sammer in ihrer Agentur eine sehr spezielle Form von Public Relations vertritt, die deshalb auf Ethik setzen muss, damit im Interesse ihrer Kunden das branchenübliche 'Schönreden im Gewande des Euphemismus' funktionieren kann. Laut Selbstauskunft ist Petra Sammer aus den Bereichen 'Food', 'Nutrition' und 'Healthcare' heraus auf ihre heutige Position gelangt. Ketchum arbeitet unter anderem im Bereich der Nahrungsmittelindustrie (Starbucks, Gerolsteiner, Unilever) oder auch der Pharmaindustrie (Takeda Pharma), auf Geschäftsfeldern also, wo jeder Vertrauensverlust durch ethische Unwahrhaftigkeiten ganz unmittelbar zu Einbrüchen beim Umsatz führen kann. Ein enttarnter PR-'Liar' rauscht hier im Handumdrehen die Leiter der Börsenkurse hinunter, 'Ehrlichkeit' ist in diesem Marktsegment also ein Prinzip der Geschäftsklugheit - mehr nicht.

Ganz anders zu betrachten wiederum wäre der Bereich der politischen oder auch unternehmenspolitischen PR, den Peer Brockhöfer oben ansatzweise schon erläuterte. Es gibt eben auch 'kommunikative Sachzwänge', die Ehrlichkeit schlicht nicht zulassen. Würde ein Herr Hubertus Heil uns heute offenbaren, dass die SPD selbstverständlich demnächst auch mit der Linken kungeln wird, nur eben nicht vor der Bayern-Wahl, dann wäre das politischer Selbstmord für ihn und für seine Partei (wobei ich über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage gar nichts gesagt haben will, ich hielte 'unter Politikern' solch einen späteren 'Schwenk' nur für möglich). Also muss der Generalsekretär der SPD diese Spekulationen mit allen Zeichen der Entrüstung weit von sich weisen. Jeder Journalist kennt das Spiel - und er spielt es mitlügend täglich mit.

Eine der ersten deutschen Journalistinnen, Margret Boveri, schrieb im Jahr 1965 ein Buch über ihren Berufsstand. Der Titel: "Wir lügen alle". Formal geht es darin zwar um eine 'Hauptstadtzeitung unter Hitler', vieles aber gilt nach wie vor. So, wenn Margret Boveri jede Form von schreibender Berichterstattung mit einer Schachtelmetapher beschreibt: Soziale Systeme gleichen gewissermaßen nebeneinander liegenden Schachteln - und es käme aus jeder jedesmal eine ganz neue Wahrheit heraus, je nachdem, von welcher Schachtel aus man schreibe, oder ob man aus dem Inneren einer Schachtel heraus berichte oder diese Schachtel von außen beschreibe.

Um einfach mal in diesem Bild zu bleiben: Public Relations berichten gewissermaßen aus dem Inneren ihrer jeweiligen Kundenschachteln heraus. Daher auch ihr Problem mit den Außenbeschreibungen ihrer selbst, sobald diese nur ein wenig nach Klaus Merten duften. Public Relations leiden gewissermaßen unter einem 'publizistischen Tunnelblick', der eine Theorie nur akzeptieren kann, wenn die ebenso euphemistisch ist wie die Public Relations selbst. Was ihnen von innen her als wahr erscheint, gleicht in den Augen eines externen Beobachters aber oft und notwendigerweise einer Lüge. Trotzdem haben beide 'recht'. Oder, um mit Heinz von Foerster zu reden: "Die Wahrheit ist eine Erfindung des Lügners" ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • köbi buenzli

    13.08.08 (11:20:14)

    gähn, langweilig! was ist eigentlich eine tanja-anja?

  • Klaus Jarchow

    13.08.08 (11:48:44)

    Das mag manchem so scheinen - für mich gewinnt es an Interesse, weil die Trüffels dort in Süßholzhausen tatsächlich noch immer die Schlachten von gestern schlagen - von jeder Medientheorie unbeleckt, gehen sie aufeinander los wie zu den seligen Zeiten der Heiligen Inquisition - mit der Bibel ihrer jeweiligen Ethik-Codes in der Hand. Weiß ich dann noch, dass die Zahl dieser Schönschreiber die Zahl der Journalisten inzwischen weit übersteigen soll, wird's nochmals interessanter: Leute, die von der Funktionsweise der Medien im Grunde steinzeitliche Vorstellungen hegen (so als seien diese Medien 'Wahrheitsmaschinen' statt der 'Diskurstriebwerke', die Systemstabilität aufrechterhalten [um mal etwas Moderneres dagegenzustellen] ), diese Leute decken mit einem inadäquaten Modell von der Wirkungsweise der Medien also einen großen Teil des Grauwertes in ebendiesen Medien ab. Das muss doch schiefgehen! Und wenn dann mal ein Medienforscher bei ihnen im kuscheligen Antediluvistan vorbeischaut, gibt's prompt Alarm - und für den armen Mann was auf den Rüssel. Lustiesch, finde ich zumindest. Tanja-Anja ist eine kurrente Bezeichung im Netz für 'die PR-Frau'; der Name stammt aus Thomas Knüwers Blogserie von der kleinen Agentur am Rande der Stadt ...

  • köbi buenzli

    13.08.08 (12:04:06)

    vielen herzlichen dank für diesen verweis zur kleinen agentur am rande der stadt. grossartig!

  • Peer Brockhöfer

    13.08.08 (15:03:25)

    Lieber Herr Jarchow, selbstverständlich dürfen Sie mich zitieren. Allerdings bin ich nicht und war nie Unternehmensprecher (ich habe mich lediglich auf meinem Berufsweg bei der einen oder andere PR-Agentur verdingt) ich bin Redakteur beim PR-Fachmagazin PR Report. Und die Zwänge, in denen sich PR-Verantwortliche befinden ... nun dafür muss man nichtmal bei einem Fachmagazin arbeiten, um diese zu erkennen – sie liegen auf der Hand.

  • Klaus Jarchow

    13.08.08 (16:36:41)

    @ Lieber Peer Brockhöfer: Danke für die Richtigstellung. Sie haben in Ihrem Beispiel nur fingiert, ein solcher Unternehmenssprecher zu sein. Ich hatte das missverstanden. Dass jungen Leuten in PR-Ausbildungen mit irgendwelchen lorbeerduftenden Codes in der Hand ein doppelter mentaler Rittberger zugemutet wird, dass sie nämlich in ihrem künftigen Beruf einerseits stets absolut 'loyal' zu ihrem Auftraggeber/Arbeitgeber handeln müssen, und zugleich andererseits individuell immer zu 100 Prozent ehrlich (vormals vermutlich 98 %) zur Öffentlichkeit sein sollen, das halte ich für das lebensfremde Kernproblem des ganzen Zwergenaufstandes. Und Sie vermutlich auch. Diesen das Ethos beschwörenden PR-Granden aus ihren realitätsenthobenen Funktionärsetagen sei folgendes gesagt: Man kann das eigene Image niemals voluntaristisch und mit Eau-de-Cologne-duftenden Ethikpapierchen aufpolieren, weil dieses Image faktisch nun mal auf Grund der unabänderlichen Auftrags- und Sachlage nicht gut sein kann. So dass ein PR-Berater niemals einen Nobelpreis in angewandter Moral nach Hause tragen wird. Wenn ich auf einen Versicherungsvertreter oder einen Makler treffe, dann erwarte ich nun mal keinen pastoralen Orgelton. Einem Friseur kauft vergleichsweise auch niemand ein Schweigegelübde ab. 'Ehrlich' ist man dann, wenn man sagt, wie's ist, und unter welchen kommunikativen Zwängen man steht - und wenn ich einem Euphemismus-Eleven dann noch beibringe, wie er sich später, umzingelt von Sachzwängen, pragmatisch so verhalten kann, dass er sich selbst noch in die Augen gucken kann, dann habe ich viel erreicht ...

  • Klaus Jarchow

    13.08.08 (16:47:52)

    Hier noch ein Nachtrag, weil es gerade zur Wahrheits-Thematik so schön passt - because that's life: "... Die Infineon-Kommunikatoren aber können nur in den Tisch beißen und immer wieder beteuern, dass sie keine Stellung nehmen. Kein schöner Job. ..."

  • Martina

    13.08.08 (18:49:01)

    Klaus, Public Relations, worunter ich das Kürzel PR verstehe, ist für mich die Manipulation der Massen bzw. Zielgruppen. Gekonnt, gefeilt, geschliffen und mit wohlgefeinen Worten werden Argumente und Fragen formuliert bzw. modeliert, die beim Rezipienten eine bestimmte, vom PR'ler gewünschte, Reaktion hervorruft, über die sich die Massen dann lenken lassen. Fragen so zu formulieren, dass sie schon die gewünschte Antwort in sich trugen, Fakten so zu bearbeiten und auf den Tisch zu legen, dass, auch wenn sie der Wahrheit entsprechen, diese ein Bild malten, das gewünscht war. Damit lügen PR'ler nicht, sondern manipulieren und modellieren. Was sie (wir) sagen, ist wahr. Aber wie die Wahrheit dargestellt wird, dass bestimmen die PR'ler, also wir. Nicht anders hätte ich es über Jahre geschafft, mir persönlich äußerst sympathische Preisträgerinnen so zu präsentieren, dass diese auch dann die Wahl gewannen. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich mich vor Jahren aus dieser Berufsbranche verabschiedet hatte und sobald auch nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Schlimm war und ist nur, dass ich viel zu lange brauchte, die eingeübten Instrumente und Mechanismen abzulegen.

  • Frank

    13.08.08 (22:26:55)

    PR war immer Lüge, ist es auch heute, und wird es wahrscheinlich immer sein.

  • Klaus Jarchow

    14.08.08 (08:37:19)

    @ martina: Das Problem der PR ist, dass die 'Massen' (wer gehört denn dazu: du? ich?) dass diese Massen also gar nicht so leicht zu manipulieren sind. Es gibt nur ganz wenige erfolgreiche Versuche - die Oberste Heeresleitung im Ersten Weltkrieg zum Beispiel war so einer, die damals reichsweit eine lückenlos gleichgeschaltete Presse schuf. Die PR'ler dort entwickelten wirkungsmächtige Wortkreationen wie den 'Dolchstoß der Heimat in den Rücken der Front' oder das 'im Felde unbesiegt', den 'Schmachfrieden' und das 'perfide Albion', die sich, wiewohl sie äußerst erfolgreich waren, später besonders verderblich auswirkten, indem nämlich nicht zuletzt auf den Stufen dieser PR-Mythen Hitler an die Macht kam. Die Lüge schadet immer - oder sie verpufft. Segensreich wirkt sie nie. Wir können daher froh sein, dass die PR im allgemeinen wirkungslos sind, denn dann, wenn sie Erfolg haben, wird's in der Regel zur kompletten Katastrophe (s. z.B. derzeit a. der 'sichere Atomstrom' in Asse). Sogar das 'PR-Genie' Goebbels mit seinen angeblichen 'Evakuierungen' von Juden in den Osten war ja kommunikativ gescheitert, einerseits wegen des 'Buschfunks' von der Front mit seinen Realien, aber auch wegen der Feindsender (die es anders als die Deutschen mit 'Ehrlichkeit' versuchten und - z.B. die BBC - damit auch Erfolg hatten) und nicht zuletzt wussten die Massen alles auch aus den Äußerungen der Nazi-Führer selbst - jedenfalls war 95 % der Deutschen am Ende des Krieges klar, was wirklich in den KZs vor sich ging. Kurzum: Neben denen, die 'glauben machen', muss es immer welche geben, die 'glauben wollen' - sonst funktioniert es 'mit den Massen' einfach nicht. Und dass es irgendwelche Massen gäbe, die 'denen' heute noch irgendetwas glaubten, das sehe ich einfach nicht ...

  • Martina

    14.08.08 (08:55:25)

    Klaus, doch, ich bin der Meinung, dass die Massen (auch du und ich) sich nachwievor über eine wohlgefeilte PR manipulieren lassen. Keiner von uns ist gegen bestimmte Mechanismen gefeilt, auch wenn viele Blogger, die keine Juhrnalisten sind, über ihre renitenten Beiträge immer mehr dazu beitragen, dass das Gros der Hinterfrager und Zweifler zunimmt. Es wäre fatal, bestünde unsere Gesellschaft aus eigenständig denkenden Individuen, die sich weigern, vorgefertigten Trampelpfaden zu folgen. Eine der zuerst recht gut angelegten, dann aber aufgeflogenen PR-Kampagne waren die politischen Inzinierungen im Vorfeld des Irak-Krieges.Ich brauche nur beim Empfänger das Gefühl zu erzeugen, dass das Gut, das er nachfragt, immer knapper wird. Schon allein über diese Empfindung dann sollte ich die Personen in meine Richtung lenken können. PR ist nicht nur Pressetexte schreiben oder die Rechtschreibung wie Grammatik zu beherrschen. PR bedeutet auch Kenntnisse in Psychologie und Soziologie... wobei die Faktoren "Angst" bzw. "Furcht" die maßgeblichen Steuermittel sind. Eben aus diesem Grund glaube ich immer noch, dass sich die Massen leicht lenken lassen, zwar nicht mehr so leicht wie zum Zeitpunkt des ersten Weltkrieges, aber die Quote derer, die gerne andere für sich denken lassen, ist doch noch zu hoch

  • Siyani

    14.08.08 (22:44:27)

    boah, da wird schon wieder rumgetalkt- und philosophiert (was man als österreicher in deutschland nie verstehen wird) über ein thema, das ohnehin jeder weiss, aber einfach aus vorgegaukelten ethischen gründen offensichtlich niemand wahrhaben will. ich nehme nur prototypisch ein beispiel, in dem ich zu hause bin: praktisch die gesamte pharma-pr ist eine einzige lüge und dient ausschliesslich dem verkauf von medikamenten (in österreich kaufen sich unternehmen unter dem deckmantel pr, getarnt mit einem kleinen insert "promotion" ganze seiten in fachmedien - ohne dem könnten fachmedien schon gar nicht mehr überleben. deutschland-beispiele fast tagtäglich nachzulesen bei "stationäre aufnahme" (google den weblog, wer will).

  • Klaus Jarchow

    15.08.08 (07:24:57)

    @ Siyani: Es ist mir ein wenig zu einfach, die 'interessierte Kommunikation' auf die 'bewusste Lüge' zu reduzieren. Dann würde es ja genügen, unsere Goldmünder ständig nur zu 'überführen'. Das aber geht bekanntlich oft nicht so einfach. Interessant ist aber, dass jene Industriezweige, die am meisten auf 'Wahrheit' und 'Vertrauen' pochen müssen, also Pharma, Geldgewerbe, Versicherungen, Politik usw. - ausweislich der 'Stationären Aufnahme' und anderer - auch am anfälligsten für die Lüge sind. Regelmäßig geht deren Kommunikation dann nach hinten los, denn was glauben wir von einem Menschen, der uns immerfort versichert wie 'ehrlich' er sei? - - - Richtig! Wir halten unser Portemonnaie fest ... Ich bin übrigens gerade auf ein schönes Beispiel gestoßen, wo ein- und derselbe Mensch über ein- und dasselbe Ereignis nahezu gleichzeitig einen großartigen PR-Text UND einen ebenso großartigen journalistischen Bericht verfasste. Schriftsteller und PR'ler sind nämlich nicht notwendigerweise zwei Personen. Vielleicht schreibe ich morgen mal was darüber, indem ich diese Texte nebeneinander halte, weil dieser Unterschied mir vieles deutlicher gemacht hat.

  • Sascha Stoltenow

    16.08.08 (10:52:29)

    Lieber Klaus Jarchow, Sie haben die Diskussion und deren Bedeutung hervorragend zusammengefasst. Verwechseln Sie aber bitte die intellektuelle Überforderung einiger Akteure/innen nicht mit der gesamten Branche. Überhaupt machen es sich diejenigen zu einfach, die dem angeblich so mächtigen System PR die Verantwortung für alles Unbill zuschreiben. Ähnlich gut wie die Oberste Heerersleitung vermochte es nämlich vor Beginn des Krieges der NATO gegen Serbien die angeblich doch so freie Presse, sich quasi selbst gleichzuschalten. Je näher der Kriegsbeginn rückte, um so blonder wurden die Kosovo-Albaner. Ich war zu dieser Zeit selbst auf dem Balkan und meine Informationslage war davon doch sehr verschieden. Und seien Sie versichert: Das Medienbild war definitv nicht auf die überragenden intellektuellen und logistischen Fähigkeiten der militärischen Kommunikationsmanager aus Deutschland zurückzuführen.

  • Klaus Jarchow

    16.08.08 (15:13:46)

    @ Sascha Stoltenow: Richtig - es ist nur eine einzige Berufsgruppe. Einige davon betreiben PR, andere Journalismus, die meisten aber beides. Ich schreibe in den nächsten Tagen mal was dazu.

  • Sascha Stoltenow

    17.08.08 (09:42:59)

    @Klaus Jarchow: Ich bin mir nicht so sicher, ob es eine Berufsgruppe ist. In jedem Fall bedienen sich beide des redaktionellen Handwerks. Allerdings liegen Interessen und Verantwortung duch deutlich auseinander. Der Journalist hat keinerlei Verantwortung für Erfolg und Fortbestand eines Unternehmens, über das er berichtet. Wenn die Fakten und die Story stimmen, schreibt er das, was seine Leser am meisten interessiert (und was sich deshalb am besten verkauft). Die Unternehmenskommunikation ist hingegen für den Erfolg und den Fortbestand des Unternehmens mitverantwortlich und gerade deshalb manchmal daran interessiert, bestimmte Sachverhalte zu verschweigen oder aus ihrer Perspektive darzustellen. Das ist bekannt und auch legitim. Doch nur weil insbesondere einige Freie ihr redaktionelles Handwerk in den Dienst der Unternehmenskommunikation stellen, ist das normative Diktum "Journalisten machen keine PR" nicht sonderlich zielführend, denn in diesem Moment sind sie "nur" Auftragsschreiber, aber nicht Unternehmenskommunikatoren. Wenn sie diese Rolle klar markieren sollte das möglich sein.

  • Klaus Jarchow

    17.08.08 (12:51:13)

    @ Sascha Stoltenow: So weit liegt das nicht auseinander: Der Journalist ist kein verantwortungsloser Hallodri, er trägt Verantwortung für das Unternehmen, VON DEM AUS er berichtet. Und genauso ist es beim PR-Arbeiter, nur das der nicht aus einer Redaktion heraus berichtet, sondern aus einem Büro, an dessen Tür steht 'Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit' oder etwas ähnliches.

  • Andreas Viebke

    17.08.08 (23:41:45)

    Ich will eine Talkshow! Ich will Klaus Jarchow, Wallraff, Lidl-Schwarz, Bild-Diekmann und einige mehr reden hören über "Macht und Ohnmacht: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing'", "Darwin und das Helsinki-Syndrom in der PR", "Pressefreiheit in China", "Der Gammelfleischskandal in der Presse", "Das Rumpelstilzchen-Syndrom oder 'There is no such thing as society'", "Google, Twitter, Mr. Wong, Xing und Co.: Wem nützen soziale Netzwerke?". Ich meine es ernst: ich will wirklich eine Talkshow! Und nur eine(r) soll sie überleben!

  • Sascha Stoltenow

    18.08.08 (07:54:50)

    @ Klaus Jarchow: nur zur Richtigstellung. Ich sage keineswegs, dass Journalisten verantwortungslos sind. Sie haben - wie Sie richtig schreiben, aber im Unterschied zu den Unternehmenskommunikatoren - nur eine andere Verantwortung. Genau deshalb kann eine Diskussion um diese tätigkeitsspezifische Ethik nur nutzen.

  • Sascha Stoltenow

    18.08.08 (08:19:39)

    Was wir in der PR so machen, beschreiben - etwas abschätzig, aber dennoch ganz zutreffend - Rainer Hank und Georg Meck in der Sonntags FAZ (http://tinyurl.com/63odw8). Die Frage, die offen bleibt: Gibt es eine Alternative?

  • Aktium

    19.08.08 (09:51:34)

    Naja. Eigentlich konnte man das ja schon immer wissen. Was sagt doch Burson Marsteller was sie anbieten? Richtig, Perception Management. Mit allen Konsequenzen des spin doctoring die das hat. Man muss nur "Toxic Sludge is Good For You: Lies, Damn Lies and the Public Relations Industry", (ein Buch von John Stauber und Sheldon Rampton) lesen. Dann weiss man, dass PR-Fuzzis allesamt Rosstäuscher sind. Ohne Ausnahme. Link: http://www.prwatch.org/books/tsigfy.html

  • Sascha Stoltenow

    19.08.08 (13:23:27)

    Yawn. (Außerdem ist es selbst PR, nur gegen die PR). Aber nochmals die Frage: was ist die Alternative?

  • Radan R. Danier

    20.08.08 (19:28:54)

    1. Pfeffers newsletter gelesen - link - gute Unterhaltung gefunden - danke Gerhard. 2. Titeländerungsvorschlag aus der Sicht meiner Kölner Schachtel : "Lügen haben keine schönen Beine". Oder? 3. Effekt: Alle männlichen Schachteln öffnen google und suchen das Gesicht zum Zitronenkommentar. Gefunden :-) 4. Dortiger webmaster zählt erfreut die Klicks. Neukunden? 5. Eine herabgefallene Briefmarke verhindert die Ankunft keines Briefes des DPRG? 6. Wie werde ich der neue Kollege von Frau Lauer? 7. Warum hat jeder der Milliarden Menschen eine eigene Meinung ... aus den Medien? 8. Was mach ich hier eigentlich .. .. .. ? Kann wohl nicht abschalten.. .. .. um diese späte Stunde .. .. .. immer noch PR PR PR .. .. .. Presenting Reality .. .. .. Priming Reactions .. .. .. Pralle Rudimente .. .. .. Pittoreske Ruinen .. .. .. Der Vater von Maria`s Sohn soll mal gesagt haben: "Wer des Löschens nicht mächtig ist - der solle keine großen Feuer entzünden!" Sein Sohn wiederum hat - zu Lebzeiten - so viele Feuer entzündet, das sie nach 2000 Jahren immer noch brennen. Dank seiner 12 PR-Manager. Die hat er sich sehr gut ausgesucht. Die Besten die die christliche Welt je gelesen hat. Wie gut das Mensch sich darauf verlassen kann, das "Täuschung" nie und nimmer Teil der sonntäglichen PR-Konferenzen war und ist. Denn nur der Glaube versetzt wahre Berge, wenn er Menschen dazu bringt, mehr an das zu glauben, was andere Menschen ihnen in Form von Portable Reality darbieten - als das, was in der eigenen Schachtel vor sich geht. Leben ist immer nur jetzt und hier und in mir. Alles Andere .. .. .. ist PR von anderen Menschen .. .. .. aus anderen Schachtel-Blickwinkeln. PR = Primaten Reality So, jetzt ein Bier und eine graue Rauchwolke auf meinem Balkon. Mag jemand mitfeiern? Erzähl mir was aus Deiner Schachtel .. .. .. ist sicher spannender als bei mir .. .. .. meine Reality kenne ich ja schon :-)

  • Klaus Jarchow

    21.08.08 (06:09:24)

    Toller Beitrag, Radan. Auch auf die Gefahr hin, jetzt unangemessen ernsthaft zu wirken: Die 'langen Beine' habe ich für die Lüge deshalb gewählt, weil man der gewöhnlichen Täuschung eben nicht so schnell auf die Spur kommt, wie es das Sprichwort in seiner unverfremdeten Form suggeriert.

  • Sina Lauer

    15.10.08 (17:44:32)

    Lieber Herr Jarchow, leider entdecke ich Ihren Beitrag erst jetzt, gerne äußere ich mich aber noch etwas verspätet dazu. "Eine PR-Studentin aus Darmstadt dort in den Kommentaren zum Beispiel hat ihren ‘Code d’Athènes’ (und was ihr dort sonst noch so beigebimst wird) blauäugigst und fernab aller Kommunikationstheorie verinnerlicht". Es ist schade, dass es nicht möglich ist, seine eigene Meinung zu vertreten (die nun wirklich keinem weh getan haben dürfte) und dabei respektiert zu werden oder zumindest nicht "beschimpft" zu werden - vor allem in der Blogosphäre, die für einen offenen Austausch da sein sollte. Weder ich noch meine Kommilitonen werden in unserem Studiengang zur Blauäugikeit erzogen. Unser Studiengang lebt von der Praxisnähe, die Studenten kennen aber auch durchaus die theoretischen Aspekte. Gewiss beschönigen und verbiegen einige Unternehmen die Wahrheit so, dass es passt. Das erwähnte ich in meinem Kommentar bei Frau Sammer bereits. Mir wurde nicht "beigebimst", dass ich nicht auch einmal in diese unangenehme Situation kommen werde. Heißt das deshalb, dass man keine Ideale haben darf? Und dass es nicht auch anders laufen kann? Nennen Sie es meinetwegen "Code d’Athènes", ich nenne es Prinzipien. Nennen Sie es blauäugig, ich nenne es hoffnungsvoll. Als nachträgliche Ergänzung zum Auslöser der Diskussion: Der PR-Rat hat übrigens die Aussage von Professor Merten missbilligt ("PR hat eine Lizenz zum Täuschen").

  • Klaus Jarchow

    15.10.08 (18:28:11)

    Liebe Frau Lauer - mein Punkt ist doch gar nicht 'Ihre Meinung', die Sie gern weiterhin haben sollen, auch nicht das 'Blauäugige', für das ich mich hier in aller Form entschuldige, weil ich Ihre Augenfarbe nun wirklich nicht kenne. Ich wunderte mich vielmehr nur, dass man Ihnen als 'angehenden Kommunikationsexperten' an Ihrer Darmstädter Akademie, als die Sie sich mit Ihrem Abschluss in der Hand ja später dann bezeichnen dürfen, dass man künftigen Experten wie Ihnen also ein Bild von Kommunikation beibiegt, das mit dem Stand der Wissenschaft so gut wie nichts mehr zu tun zu haben scheint. Grundsätzlich ist es mit sprachlichen Mitteln nämlich gar nicht möglich, auf das 'Wahre' oder das 'Wirkliche' zu referieren, immer hat man es bestenfalls nur mit 'seiner' Wahrheit und mit 'seiner' Wirklichkeit zu tun, die dann immer im jeweiligen Kopf existiert, aber nicht 'draußen vor der Tür'. Sprache kann nicht abbilden, nur konstruieren - und damit 'Sinn geben'. Das alles sollte seit Watzlawick nun sattsam bekannt sein - und der ist noch der Unbedeutendste von denen, die so etwas behaupteten und nachwiesen. Luhmann, Glasersfeld, Flusser usw. kommen noch ganz anders daher, von den Franzosen ganz zu schweigen. Wenn Sie also mit einem falschen Bild menschlicher Kommunikation Ihre Akademie verlassen, wenn Sie denken, in der Welt der Kommunikation ginge es so zu, wie noch 'Anno Oeckl' oder im Code d'Athènes, dann können Sie später auch keine gute Arbeit für Ihre Kunden leisten, weil Ihr Ansatz 'unterkomplex' oder - anders ausgedrückt - 'allzu schlicht' und damit dem Problem nicht angemessen ist. Der verschwundene Wahrheitsanspruch in der Kommunikation trifft übrigens keineswegs nur für die Public Relations zu, er trifft ausnahmslos alle, die mit den Mitteln der Schrift und Rede arbeiten - Journalisten, Politiker, Autoren usw. Wenn ich also den Public Relations etwas vorwerfe, dann ist es nicht 'Lüge', sondern das 'Steinzeit-Bild' von der Sinngebung unter Menschen - die PR'ler sind über Zedtwitz-Arnim ganz offensichtlich noch nicht hinausgewachsen. Ein Beispiel: Die 'große Erzählung' - von mir aus auch das 'Märchen' - vom Neoliberalismus und seinem naturnotwendigen Fortschrittswirken dank unregulierter Märkte, die geht als kommunikative Glanzleistung ja gerade wie eine tote Katze den Bach hinab. Kein Happy End in Sicht. Da können Sie es 'live' erleben, was für ein brüchiges Ding die 'wahrheitsgemäße' Kommunikation doch ist, und wie das, was gestern 'Wahrheit' die Wahrheit der Erzähler namens Sinn, Ackermann, Merz usw. war, heute schon 'Lüge' ist. Und erzählen Sie mir nicht, dass an dieser 'großen Erzählung' die PR - via INSM etc. - nicht beteiligt gewesen seien ...

  • Sascha Stoltenow

    16.10.08 (08:41:48)

    Liebe Frau Lauer, was beweist die Mißbilligung der Aussagen Mertens durch den DRPR, oder warum ziehen Sie diese in Ihrer Äußerung heran? Im Übrigen würde ich mich sehr freuen, wenn mir jemand mal in den Dokumenten von Merten die Fundstelle für die Behauptung, die PR habe eine Lizenz zur Täuschung zeigt. Womöglich ist es der Satz "Es ist richtig, dass Public Relations bzw. das Kommunikationsmanagement in bestimmten Situationen täuschen können müssen." aus dem Text "Der gesellschaftliche Bedarf für Täuschung." Das setzt Merten aber nicht, sondern fordert im Gegenteil, diesen Sachverhalt öffentlich zu machen. Im Kern fordert er also die Aufklärung der Öffentlichkeit darüber das PR, ebenso wie alle anderen Medienberufe, unter bestimmten Umständen täuschen können, die Rezipienten also nicht alle "für wahr" nehmen sollen. Das ist eine Aufforderung zu einer tiefergehenden, grundlegenden Diskussion. Dass einige beruftsständische Akteure nicht bereit sind, sich darauf einzulassen, sondern stattdessen mit einer Mißbilligung die Diskussion beenden wollen, wirft Fragen auf. Sind sie dazu intellektuell nicht in der Lage?, Verfolgen sie mit den Angriffen gegen Merten andere Ziele?, oder sind sie tatsächlich überzeugt, die bestehenden Codizes reichten aus, um unter den gegebenen Bedingungen professionell zu kommunizieren? Gerade letzteres ist mehr als fraglich, und es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass sich bislang niemand, der in aktiver Verantwortung für die Kommunikation eines Unternehmens oder einer Organisation steht, hier exponiert hat. In der Praxis ist nämlich sehr häufig ein Differenzmanagement im Sinne Mertens erforderlich, und man kann es niemandem in verantwortlicher Position raten, sich hierzu anders zu äußern als mit Verweis auf die bestehenden Codizes. Und vielleicht ist genau das der Schlüssel: Weil jeder weiß, dass die Praxis anders ist, sind diese Codizes die eigentliche Lizenz der PR zur Täuschung. Und genau an dieser rüttelt Merten mit aufklärerischem Idealismus.

  • Radan R. Danier

    25.10.08 (22:50:21)

    Hallo - bin von meinem Balkon zurück und stelle überrascht fest, das es hier doch weitergeht ;-) Hier ein Bsp., wie "lang die Beine von Lügen" sein können: Ihr kennt alle "Milli Vanilli" ? - 2 PlayBack-Tänzer ohne Stimme - Grammy für "Girl You Know Its True" (21.000.000 verkaufte Platten und so) - Skandal - Grammy Retour ... etc pp. Ok - kennt Ihr. Das ist fast 20 Jahre her. Alle wissen es. Wer hat das damals gesungen? Wie? Wisst Ihr nicht??? Kein Problem: fragt doch einfach mal Oliver Geissen. Der kennt sich aus. Letztens also wieder mal Ultimative Chartshow - Thema Skandale und eben dieses Grammy-Lied - und RTL lässt dem belesenen Herrn Geissen endlich die 20-Jahre schlummernde Wahrheit veröffentlichen - leider wird auf den letzten Sekunden vor dem Auftritt der Titel des Grammy-Liedes gegen ein anderes Lied ausgetauscht - und der andere Sänger tritt dann auch auf sagt sogar er hätte sein Geld bekommen ... worauf man denken mag das Frank Farian ein fairer Produzent sei ... ... Ihr fragt Euch jetzt woher Oliver seinen "lange Beine" Text hat? Günther Jauch - ja der von Stern TV und der mit dem wohl höchsten Seriösitätslevel im Fernsehdschungel - der hat das mit seiner Firma I & U produziert. Auf die simple Frage, warum man bei I & U nicht mal den Frank Farian gefragt habe, wer es denn nun gesungen habe - antwortet der Assistent der Geschäftsleitung von I & U ...... das Herr Farian leider schlecht zu erreichen sei (der im Filmbeitrag aber gleich 2x Kommentare beisteuert ;-) .... und das man sich stattdessen auf eine 19 Jahre alte Zeitung verlassen habe als Recherchequelle .... Wem bei diesem Berufsverständnis gerade schlecht wird - ich habe vollstes Verständnis. Oliver Geissen wusste sicher nur was auf seinen Lernkarten stand. Und die Redaktion von I & U ?? Entweder, die haben alles ignoriert, was aus 20-Jahre nachzulesen ist - also nur die alten Lügengeschichten nachgeplappert - oder sie wussten genau das es eine Lüge ist. In beiden Fällen sollte sich Herr Jauch Gedanken um seinen guten Ruf machen. Falls nun keiner den echten Namen kennt - den Grammy-Hit hat "Charles Shaw" gesungen - der Name wird allerdings seit 20 Jahren von allen Medien unter Verschluss gehalten (Spiegel online seit kurzem nicht mehr). So was nennt man dann vielleicht "gute PR". Wenn ich an die 21.000.000 Platten denke ... denke ich noch ganz anders. Was ist der PREIS von langen Beinen???????? Was kann der, der das ganze Geld für sich alleine einbehalten hat, damit an Strümpfen kaufen, um die langen Beine auch nach 20 Jahren in seinem Sinne stricken zu lassen ... Sorry- ich muss mal wieder auf meinen Balkon - Frischluft schnappen. Gruß an Herrn Merten - dem gebe ich gerne eine CD von Charles :-)

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