<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

22.10.07

Wuala: Datei-Hosting auf den Festplatten anderer User

WualaMehr als einmal stieß ich in den vergangenen Tagen in internationalen Blogs auf Artikel über Wuala (zuerst bei blognation USA ). Wuala ist ein neuartiger Dienst zum online Speichern und Teilen von (vorrangig großen) Dateien. Nachdem ich am Samstag bei CenterNetworks ein Interview mit Dominik Grolimund las, einem der beiden Gründer von Wuala, war mir klar: Wuala ist anders und aus drei Gründen ein Posting bei zweinull.cc wert: 1. Die Idee von Wuala ist verrückt (im positiven Sinne) und ziemlich smart. 2. Der Dienst kommt aus dem deutschsprachigen Raum (Zürich), zielt aber von Beginn an auf eine internationale Nutzerschaft 3. Wuala ist eigenfinanziert und möchte das auch bleiben. Wuala ist primär ein Service zum Speichern von Daten im Netz. Jeder, der sich bei Wuala anmeldet, erhält kostenlos ein Gigabyte Speicherplatz auf Wualas eigenen Servern. Bei allem, was über dieses Volumen hinaus geht, verabschiedet sich Wuala von der zentralen Serverstruktur und setzt stattdessen auf das Peer-to-Peer-Verfahren. Es nutzt also den Festplattenplatz anderer User. Die im Interview bei CenterNetworks erklärte Funktionsweise ist kompliziert und für einen Nicht-Informatiker (wie mich) schwer nachzuvollziehen. Vereinfacht kann man festhalten, dass mittels Drag & Drop über die Wuala-Software online zu speichernde Dateien verschlüsselt und in kleinen Einzelteilen auf den Rechnern anderer Wuala-Nutzer abgelegt werden und fortan immer verfügbar sind. Klingt abgefahren, oder?

Im Interview erklärt Dominik Grolimund von Wuala detailliert, wieso dies möglich ist und warum kein Risiko besteht, dass Teile einer Datei nicht mehr abgerufen werden können, wenn ein anderer Benutzer offline geht. Je mehr eigenen Speicherplatz ein User auf der eigenen Festplatte freigibt, desto mehr Speicherplatzerhält er von Wuala (= auf anderen Rechnern). Um eine schnelle und stabile Performance zu gewährleisten, kann sich an diesem Tauschsystem nur beteiligen, wer mehr als 17 Prozent (rund vier Stunden pro Tag) online ist. Auch werden einige Teile jeder hochgeladenen Datei zentral bei Wuala gespeichert, um gerade im Anfangsstadium mit weniger Nutzern eine hundertprozentige Verfügbarkeit sicherzustellen. Dennoch sind die Betriebskosten für Wuala gering, da der Großteil des Traffics von den Nutzern selbst gehandhabt wird. Auch kann man auf eine teure und Energie fressende Serverfarm verzichten.

Wuala ist hauptsächlich für das Speichern von Dateien gedacht, die für viele kostenlose Hosting-Anbieter zu groß sind. Durch die Verschlüsselung und Zerlegung der Daten in Einzelteile bezeichnet sich Wuala als äußerst sicher, da im Gegensatz zu anderen Webhosting-Lösungen nicht einmal die Betreiber des Dienstes sehen können, welche Daten ein Benutzer abgelegt hat. Neben dem reinen Online-Backup haben User auch die Möglichkeit, ihre gespeicherten Dateien mit anderen Benutzern zu teilen. Innerhalb der Software gibt es zudem eine Übersicht der populärsten, für den öffentlichen Zugriff zugelassenen Dateien.

Der Dienst befindet sich derzeit in der geschlossenen Alpha-Phase. Es muss sich also erst noch zeigen, ob und wie das komplizierte System des P2P-Hostings bei steigender Nutzerzahl und zunehmender Datenmenge funktioniert, wie es von der Internet-Community angenommen wird und auf welchen Wegen sich mit Wuala eines Tages Geld verdienen lässt. Laut Dominik Grolimund hat man zwar unterschiedliche Finanzierungsmodelle im Auge, aber in Eile ist man nicht. Vor Wuala war er Gründer und Geschäftsführer eines anderen Unternehmens, das noch immer gut läuft und dessen Erlöse bei der Finanzierung von Wuala helfen. Investoren sind nicht mit an Bord, und das soll sich vorerst auch nicht ändern.

Ich habe vier Einladungen zur Alpha-Version von Wuala. Wer den Dienst ausprobieren möchte, hinterlässt bitte einen Kommentar.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer