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29.10.07

Wird schülerVZ bald Holtzbrincks neuer Star?

studiVZ und schülerVZAuf die selbe Art und mit der selben Geschwindigkeit, wie StudiVZ zwischen Sommer 2006 und Sommer 2007 nahezu alle Studierenden Deutschlands zu Mitgliedern machte, breitet sich auch Holtzbrincks jüngerer Spross, schülerVZ, in seiner Zielgruppe aus. Im August 2007 konnte man nach nur fünf Monaten des Bestehens bereits eine Million Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vermelden, mittlerweile dürften es noch einige Hundertausend mehr sein. Während studiVZ in einer Reifephase angekommen ist, in der zwar die Mitgliederzahlen noch steigen, aber die ursprüngliche Kernzielgruppe Studierende fast komplett erschlossen wurde, hat schülerVZ noch einen großen, unbearbeiteten Markt vor sich.

Rund zwei Millionen Studenten stehen rund zwölf Millionen Schüler gegenüber, davon mindestens die Hälfte im Social-Networking-fähigen Alter. Und wo studiVZ vor der immer akuter werdenden Frage steht, wie man mit dem zu erwartenden Facebook-Boom in Deutschland umgehen wird, hat das jüngere schülerVZ keine ernstzunehmende Konkurrenz. Ob Schueler.CC, SchuelerCommunity.com, SchülerProfile, SchülerRegister oder spickmich.de – keine andere auf Schüler ausgerichtete Community in Deutschland verzeichnet einen nur annähernd vergleichbaren Mitgliederzuwachs. Dabei hat das exponentielle, durch den Netzwerk-Effekt begünstigte Wachstum bei schülerVZ gerade erst begonnen. Zwei Millionen Mitglieder zum Jahresende und das Erreichen der Viermillionen-Marke im Sommer 2008 sind durchaus möglich. Während für studiVZ graue bis leicht dunkle Wolken am Horizont aufziehen, sieht die Zukunft für schülerVZ mehr als rosig aus.

(Competes Statistik für Seiten aus Deutschland ist ungenau, als Trendmesser aber nützlich)

Könnte die Folge sein, dass in naher bis mittlerer Zukunft schülerVZ der neue Star des Holtzbrinck-Konzerns wird? Es spräche einiges dafür. Während Studierende und Young Professionals (junge Berufstätige nach dem Studium) durch Auslandssemester, Karrierevorbereitungen und Reisen vermehrt internationale Kontakte sammeln sowie generell globaler orientiert sind und damit mehr Nutzen von einem weltumspannenden Social Network wie Facebook haben, denkt der Großteil der Schüler in lokalen Mustern und hat nur in seltenen Fällen Freundschaften in anderen Ländern, die es zu pflegen gilt.

Das weitere Wachstum von schülerVZ bleibt daher höchstwahrscheinlich von einem baldigen Deutschland-Start Facebooks unberührt. Die Gefahr einer größeren Mitgliederwanderung von schülerVZ zu Facebook besteht nicht. Weil auch keine ernstzunehmenden Konkurrenten in Sicht sind, hat Holtzbrinck in schülerVZ eine sehr sichere, vorhersehbare Planungsgrundlage. Das öffnet zum einen die Tür für Investitionen in die Plattform (weil genug Zeit zur Refinanzierung besteht), zum anderen sind Schüler auch als Werbezielgruppe sehr interessant. Über sie erreicht man, wenn clever ausgeführt, auch die Eltern. Und selbst wenn heutige Studierende nicht mehr generell konsumfeindlich eingestellt sind, so gehören sie nach wie vor zum kritischsten Teil der Gesellschaft, der gerne beworbene Produkte und Dienstleistungen hinterfragt. Mit schülerVZ hat man solch ein Problem nicht.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Fokus im Hause Holtzbrinck in Zukunft stärker auf schülerVZ liegen wird. Doch was heißt das für studiVZ? Je nachdem, wie stark man sich dort durch Facebook bedroht fühlt, gibt es verschiedene Szenarien: a) Man relauncht studiVZ, erweitert die Zielgruppe offiziell um Alumni/Young Professionals, bringt neue technische Features und lässt sich auf den Wettbewerb mit Facebook ein. b) Man investiert nichts mehr in studiVZ und lässt den Dienst viral wachsen, solange es geht. Gleichzeitig versucht man, durch Werbung möglichst viel einzunehmen bzw. den Traffic für die Bewerbung anderer Holtzbrinck-Produkte zu nutzen. Am Ende steht das finale Ziel, mindestens den Kaufpreis von 100 Millionen Euro (inklusive aller angefallenen Personal- und Betriebskosten) zu amortisieren. c) Man konzentriert sich auf schülerVZ und verkauft studiVZ gewinnbringend ( z.B. an Facebook ). Welche Variante ist wohl am wahrscheinlichsten? Welche gibt es noch?

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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