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17.11.07

Wird kaioo das soziale und offene Social Network, auf das alle warten?

kaiooEines der im Zusammenhang mit dem Web 2.0 am häufigsten auftretenden Adjektive ist "sozial". Das Web 2.0 ist sozial, weil es Leute miteinander kommunizieren und interagieren lässt. Mit Fürsorglichkeit und dem Wohl der Anderen allerdings hat das nicht viel zu tun. Soziale Netzwerke sind genauso gewinnorientiert wie der Fleischer um die Ecke, wie Einzelhandelsketten, Banken und Industriebetriebe. Mit kaioo steht nun ein Social Network in den Startlöchern, das den "sozial"-Begriff wortwörtlich nimmt und als gemeinnützige Plattform auftritt, deren Gewinne komplett für gute Zwecke gespendet werden. Angesichts der Masse existierender Communities und des sehr visionären Vorhabens war ich zuerst skeptisch, als ich heute bei internet.com von kaioo las. Doch mittlerweile scheint es mir so, als handelt es sich um ein durchdachtes, ernsthaftes Projekt mit echtem Potential. Welche Fakten gibt es bisher zu kaioo? Vater der Idee und verantwortlich für die Umsetzung ist Dr. Thomas Kreye, ehemaliger Leiter Business Development beim Bertelsmann-Konzern. Die Anschubfinanzierung in Höhe von rund einer halben Million Euro kommt aus dem Privatvermögen von Rolf Schmidt-Holtz, Vorstandschef von SonyBMG. Kreye und Schmidt-Holtz gründeten für kaioo eine gemeinnützige Stiftungs-GmbH und sind zu jeweils 50 Prozent geschäftsführende Gesellschafter.

kaioo möchte Geld sowohl über Werbung als auch Spenden einnehmen. Am Ende eines Jahres werden sämtliche Einnahmen lediglich unter Abzug der Betriebskosten gespendet. Jeder Nutzer kann ein gemeinnütziges Projekt vorschlagen, das Geld erhalten soll. Dazu muss in einem speziellen Bereich der Plattform eine Gruppe dafür angelegt werden, die dann um Mitglieder wirbt. Am Jahresende erhalten die zehn Projekte mit den meisten Gruppenmitgliedern anteilig nach ihren Stimmen eine Spende von kaioo. Es wird darauf hingewiesen, dass lediglich an Organisationen und Projekte gespendet wird, die staatlich anerkannt gemeinnützig sind.

Investor Schmidt-Holtz verweist darauf, dass kaioo definitiv eine Plattform für alle werden soll, nicht nur für "spendenwillige Gutmenschen". Der erste, äußere Eindruck: kaioo setzt auf eine sehr schlanke, aufgeräumte und übersichtliche Oberfläche, die Ähnlichkeiten zu Facebook/studiVZ und auch Google nicht von der Hand weisen kann, die allerdings versucht, eine eigene Marke zu setzen. Vorhanden sind alle gängigen Social-Network-Elemente inklusive eines Newsfeeds auf der Startseite, der über Aktivitäten seiner Kontakte informiert.

kaioo Screenshot 1 kaioo Screenshot 2

(zum Vergrößern anklicken)

Interessant ist der FAQ-Punkt "Wie kann ich als Nutzer eine Applikation für kaioo programmieren?" und die Antwort "Derzeit ist dies noch nicht möglich, da wir noch über kein Applikation Interface (API) verfügen. Wir arbeiten jedoch bereits daran, eine API bereitzustellen". Dem Anschein nach möchte man nicht nur sozial sondern auch offen sein, was definitiv für Sympathien sorgen wird. Derzeit gibt es kaioo, das sich ausdrücklich an Internetnutzer weltweit richtet, auf Deutsch und Englisch.

Aktuell lässt sich noch nicht sagen, wie groß die Erfolgschancen bzw. die Gefahr eines Misserfolgs für kaioo ist. Argumente gegen einen Erfolg sind die harte Konkurrenz auf dem umkämpften Social-Networking-Markt sowie die Tatsache, dass schon ganz andere, ambitionierte und von erfahrenen Managern gegründete Projekte gegen die Wand gefahren wurden. Dafür, dass aus kaioo etwas Großes werden könnte, sprechen das Konzept der Gemeinnützigkeit und die daraus resultierende positive Grundeinstellung gegenüber dem Dienst, die Erfahrung und Kontakte der beiden Medienmanager sowie der Fakt, dass man sich offensichtlich bewusst ist, was ein Social Network heutzutage bieten muss (Übersichtlichkeit, Features wie der Newsfeed, API).

Auch verweist man auf strenge Datenschutzrichtlinien und versichert, Daten nicht an Dritte weiterzugeben. Die angegebene Erklärung dafür leuchtet ein: "Herkömmliche Social Communities müssen ihren Gewinn maximieren, um für ihre Investoren/Eigentümer eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Die Verwertung von Nutzerdaten liegt also auf der Hand. Dagegen muss kaioo als gemeinnützige Organisation seine Gewinne nicht maximieren, so dass kein Interessenkonflikt zwischen Gesellschaftszweck und Datenschutz besteht." Gerade dieser Aspekt könnte angesichts der Tendenz zum gläsernen Nutzer bei großen, gewinnorientierten Social Networks wie Facebook oder MySpace zu DEM entscheidenden Wettbewebsvorteil von kaioo werden.

Warten wir ab, wie sich das Vorhaben entwickelt. Ich muss zugeben, ich bin sehr gespannt!

Update: Mittlerweile berichtet Spiegel Online über kaioo und verweist auf die Matchfunktion, die sich kaioo bei Googles Social Network orkut abgeguckt hat. Nutzer, die einem gefallen, kann man "heimlich" auf die Matchliste setzen. Sobald sich zwei User gegenseitig zur Matchliste hinzufügen, erfahren es beide – eine Funktion, die sicher viele Freunde finden wird.

Weitere Gedanken und Stimmen zu kaioo bei Henning Schürig, ohrenfilmmern, blognation Germany und AKA.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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