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07.12.07

Wird Facebook (irgendwann) Konkurrenz für Google Mail?

Facebook MailFast könnte man meinen, Facebook möchte sich nach der misslungenen Einführung des Werbesystems Beacon bei seinen Mitgliedern mit einem neuen Feature entschuldigen. Nur einen Tag nach dem Eingeständnis von Facebook-CEO Mark Zuckerberg, bei Beacon viele Fehler gemacht zu haben, hat das Social Network eine überraschende Änderung am Benachrichtungsystems vorgenommen. Während bei eingehenden Mitteilungen oder Wall-Postings von Facebook-Freunden bisher lediglich eine Benachrichtigungsmail von Facebook an die E-Mail-Adresse des Nutzers gesendet wurde, enthalten solche Mails seit gestern auch die eigentliche Nachricht. Damit ist es nicht mehr notwendig, Facebook aufzurufen, um Mitteilungen von Freunden zu lesen. Facebook Mail

Aus Sicht einer Community ist dieser Schritt höchst bedeutsam. Immerhin gibt man damit sämtliche Seitenaufrufe verloren, die von Usern generiert werden, welche sich bei einem sozialen Netzwerk anmelden, um Nachrichten abzurufen. Mir ist kein anderes Social Network bekannt, das Mitteilungen aus dem internen Nachrichtensystem an die private E-Mail-Adresse der Nutzer schickt. Ich rechne auch nicht damit, dass sich dies groß ändern wird. Facebook kann sich sicher sein, dass die User auch weiterhin die Seite besuchen – schließlich gibt es dort viele andere Dinge, für die sich das Einloggen lohnt. Die meisten Networks, deren Funktionsvielfalt weit geringer ist als die von Facebook, werden kein so großes Selbstbewusstsein besitzen.

Die Neuerung lässt Raum für Gedankenspiele: Wieviel Potential und welche Möglichkeiten stecken eigentlich im Nachrichtensystem eines Social Networks? Bisher beschränken sich alle mir bekannten Anbieter auf extrem simple und abgespeckte Lösungen, bei denen im Prinzip lediglich das Versenden und Empfangen von Nachrichten (ohne Anhänge) möglich ist. Dabei läge es gerade im Falle von Facebook – für viele Millionen Menschen ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der täglichen Kommunikation – sehr nahe, die Mailfunktionalität auszubauen.

Es ist kein Geheimnis, dass Google seinen populären E-Mail-Dienst Google Mail nach und nach mit Social-Networking-Tools und anderen hauseigenen Diensten aufrüstet und verbindet. Bevor dies zu einer Gefahr für Facebook wird, könnte man in Palo Alto ganz einfach dafür sorgen, dass Facebook-Nutzer gar keinen Bedarf mehr an Google Mail oder anderen E-Mail-Anbietern haben. Bereits im August hatte man einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht , als man das Versenden von Mails aus Facebook an herkömmliche E-Mail-Adressen ermöglichte.

Natürlich ist der Weg dahin noch lang. Facebook-Nutzer müssten eine eigene E-Mail-Adresse erhalten, die auch über POP3 und IMAP abrufbar wäre. Aus dem Bereich "Inbox/Messaging" würde eine durchdachte, clevere und featurereiche Mailoberfläche werden, die in Komfort und Handhabung den etablierten Services in Nichts nachsteht. Ob es jemals so kommt, ist unklar. Ob es aus Facebook-Sicht klug oder dumm wäre, sollen Mark Zuckerberg & Co entscheiden. Ob es aus Usersicht nützlich und praktisch wäre? Definitiv!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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