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05.12.07

WEB.DE übernimmt Community ShortView – aber vergisst Unddu.de?

ShortViewMatthias Greve, Vorstand der WEB.DE GmbH, bleiben nur noch wenige Monate Zeit, um die beim Start des hauseigenen Social Networks Unddu.de im Mai 2007 angekündigten eine Million Mitglieder innerhalb eines Jahres zu erreichen. Rund um die Community, in die laut Greve schon vor dem Start ein zweistelliger Millionenbetrag investiert wurde, herrscht trotz deutlicher Verlinkungen auf WEB.DE eine fast gespenstische Stille. Angaben zu Mitgliederzahlen sind nicht bekannt, dürften aber nicht über einen vierstelligen oder niedrigen fünfstelligen Betrag hinausgehen. In den Profilen der auf der Startseite präsentierten "neuen Mitglieder" stehen Beitrittsdaten rund um Ende Juli / Anfang August. Im Forum dagegen proben die wenigen aktiven User gerade lautstark einen Aufstand gegen unvermittelte Änderungen an den Profilenseiten. Obwohl es so aussieht, als würde sich Unddu.de zu einem Debakel für das im Besitz von 1&1 befindliche Unternehmen entwickeln (was bei über zehn Millionen einzelnen Besuchern monatlich auf WEB.DE schon ein kleines Kunststück ist), hat die WEB.DE GmbH im November die kleine Community ShortView von dessen Gründer Sven Günzel für eine unbekannte Summe übernommen und will sie jetzt groß rausbringen (u.a. mit über trigami vermittelten, bezahlten Blogpostings). Laut seines Xing-Profils ist Günzel seit 2002 Leiter der Softwareentwicklung von WEB.DE Freemail. Dem Anschein nach hat er ShortView in seiner Freizeit programmiert und gestartet und dann an seinen Arbeitgeber verkauft (oder anderweitig überlassen).

ShortView sieht optisch nett aus und wirkt bereits jetzt lebhafter als Unddu.de (laut Alexa liegen beide Seiten in etwa gleichauf). Unabhängig davon, ob es der WEB.DE GmbH gelingt, mit ShortView den Community-Erfolg zu erreichen, der bei Unddu.de ausgeblieben ist, darf man sich Fragen über die Motivation des Karlsruher Unternehmens stellen. Wieso würde man einen zweistelligen Millionenbetrag und ein Jahr Arbeit (Zitat Greve) in ein soziales Netzwerk stecken, welches sieben Monate lang im Prinzip brach liegt? Und wieso entschließt man sich dann, eine andere, selbst noch junge und unbekannte Community zu übernehmen und das Spielchen von vorne zu beginnen?

Eine Mutmaßung wäre, dass man in Karlsruhe angesichts der Erfolge von studiVZ, MySpace und anderen Social-Networking-Größen in Deutschland der Meinung ist, dass Unddu.de mit der Positionierung als Netzwerk für Freunde im deutschen Markt nichts mehr erreichen kann. Möglicherweise hält man eine Umpositionierung von Unddu.de zu einer Community rund um Interessen für schwierig und hat daher lieber ein paar Tausender auf den Tisch gelegt, um mit ShortView einen Neustart zu wagen. Doch was heißt das für Unddu.de? Hat dessen letztes Stündchen vielleicht bald geschlagen?

Update 05.12. 19:00 Uhr: Gerade erreichte mich als WEB.DE-FreeMail-Nutzer (und somit vermutlich Millionen Andere auch) folgender Newsletter:

Liebe FreeMail-Nutzer,

neue und alte Freunde finden, spannende Videos, Blogs, Fotos und eine eigene Homepage in 2 Minuten: Das alles gibts bei UNDDU.DE - der Plattform für alle, die sich was zu sagen haben...

An anderer Stelle im Newsletter wird dann ganz ausführlich auf UNDDU.DE eingegangen. Völlig aufgegeben hat man die Seite also anscheinend noch nicht. Schau'n mer mal, ob sich da doch noch etwas tut.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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