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18.02.08Leser-Kommentare

Warum MySpace als Social Network versagt hat

MySpaceStellt euch Folgendes vor: Ihr erhaltet auf der Pinnwand eures frei zugänglichen studiVZ- oder Facebooks-Profils einen Eintrag von einem Freund, den ihr seit langer Zeit als Kontakt habt. Dessen Kommentar enthält neben einem die Neugier weckenden Text eine Adresse, die scheinbar zu einem anderen Nutzerprofil führt. Ihr kopiert die URL in die Adresszeile des Browsers und landet anschließend auf der Startseite von studiVZ/Facebok. Dort werdet ihr erneut zur Eingabe eures Passworts aufgefordert. Spätestens da erkennt ihr, dass etwas nicht stimmt. Ihr überprüft die Adresse, die euch euer Freund geschickt hat, und stellt fest, dass diese auf einen Server in China verweist. Euch wird klar, dass es sich um eine klassische Phishing-Seite handelt, die es darauf anlegt, an eure Zugangsdaten zu gelangen. Ihr schreibt eurem Freund eine Mail und stellt ihn zur Rede. Seine Antwort: Er hat diesen Eintrag gar nicht auf eurer Pinnwand hinterlassen. Wäre euch dies bei studiVZ oder Facebook passiert – würdet ihr der Plattform anschließend noch vertrauen? Hättet ihr nicht bei jeder Nachricht, bei jedem neuen Kommentar und bei jedem Klick Bedenken, dass ihr, ohne es zu merken, die Seite verlasst und plötzlich Daten auf einer nachgemachten Oberfläche eingebt? Weder studiVZ noch Facebook hätten langfristigen Erfolg, müssten Mitglieder dort mit Betrugsversuchen dieser Art rechnen. Nutzer würden das Vertrauen verlieren und sich nach anderen, besser gegen derartige Betrügereien geschützten Social Networks umsehen.

Das ist der Grund, warum die Zukunft von MySpace (als Social Network) mehr als unsicher ist. Genau dort, bei MySpace, erhielt ich den beschriebenen Kommentar. Nun nutze ich MySpace sowieso kaum und weiß, dass der Dienst als größtes soziales Netzwerk der Welt und aufgrund bekannter Defizite hinsichtlich Datenschutz und Einstellungen zur Privatsphäre anfällig für Spamattacken ist. Dass Mitglieder mittlerweile aber sogar angebliche Nachrichten von bestehenden Kontakten erhalten, die in Wirklichkeit von Betrügern verfasst wurden, verdeutlicht, welche enormen Mängel MySpace im Vergleich zu anderen Social Networks aufweist.

Auch darf man sich nicht von MySpaces anhaltendem Wachstum täuschen lassen. Die Seite verfolgt seit Monaten eine Strategie der Internationalisierung, bei der sprachliche und regional angepasste Versionen gestartet werden. Auf diese Weise gewinnt man konstant Mitglieder in Märkten, die bisher weder von MySpace noch von anderen, in den Industrieländern bekannten Networks erschlossen wurden. Wieviele User MySpace in den früheren, einst wichtigen Kernmärkten den Rücken kehren und zur Konkurrenz abwandern, darüber lässt sich nur mutmaßen. Während Wettbewerber wie Facebook und Bebo erfolgreich Innovationen mit Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit verbinden, wirkt MySpace trotz zahlreicher, von der Konkurrenz abgekupferter Funktionen unaufgeräumt, unsicher und unfähig, den Social-Network-Trends im Jahr 2008 noch folgen zu können.

Was meint ihr? Wird MySpace als Social Network noch Akzente setzen können oder sollte sich Rupert Murdoch lieber verstärkt auf den Aufbau einer Plattform für verschiedenste Formen der Web-Unterhaltung (Musik, Video, Spiele) konzentrieren?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • marcel weiß

    18.02.08 (19:29:11)

    Ich sag immer, myspace wirkt, als würde es nur mit Panzertape zusammengehalten.

  • DuDu

    18.02.08 (19:35:22)

    Das Myspace ein Problem mit dem Phishing hat ist bekannt. siehe hier. Und da stimme ich dir zu eigentlich ein Unding. siehe auch dazu hier http://www.digitalnext.de/myspace-im-kampf-gegen-phishing-seiten/ Deinen Schlußfolgerungen wegen der Datenschutzeinstellungen und des Erfolgs stimmen meiner Meinung nach nicht. Das Fotoproblem war auch nicht toll, aber in Sachen Datenschutz und Privatsphäre gibt es bei Myspace anonsten jede Menge Einstellungen mit denen man sein Profil anpassen kann. Hier übrigens mal ein aktuelles Interview mit dem Myspace-Geschäftsführer. http://www.internetworld.de/home/news-single/article/wir-wollen-die-nummer-eins-werden//1234.html Ich bin übrigens überzeugt von Myspace und glaube an den Erfolg, der sich ja auch schon bestätigt hat.

  • Martin Weigert

    18.02.08 (19:36:47)

    Jo das trifft's sehr gut ;)

  • Christoph Wagner

    18.02.08 (20:10:44)

    MySpace... Wenn ich mir anschaue wen ich so kenne die da dabei sind und dann alle abziehe die keine Ahnung vom Internet haben, dann bleibt leider niemand über. Ist ne super Sache um von Bands mal ein paar Songs zu hören, aber ich bezweifle stark, das die überhaupt Mitglieder im fachkundigen bereich haben.

  • Freetagger

    18.02.08 (21:03:38)

    Was mich an MySpace hält sind einige Freunde, aber sonst kehre ich myspace den Rücken. Einer großen Müllhalte wo nichts richtig funktioniert, wo gespammt und Profile mit 0815 Code "verschönert" werden, wo es an jeder Ecke tütet und rülpst. Sorry das brauch ich wirklich nicht. Guter Artikel!

  • Martin Weigert

    18.02.08 (21:11:19)

    Lustig, "Müllhalde" lag mir beim Schreiben des Artikels auch auf den Lippen... Christoph, eben, die Präsenz von ungefähr JEDER Band der Welt ist es wohl, was MySpace über die Jahre am Leben gehalten hat.

  • Martin Weigert

    18.02.08 (21:52:08)

    Jo MySpace ist das nutzerstärkste Social Network weltweit. Das ist zweifellos ein Erfolg. Meiner Ansicht nach ist die Hoch-Zeit von MySpace als SN nun jedoch vorüber, die Seite wird durch andere Plattformen abgelöst, die aus SN-Sicht einfach viel mehr zu bieten haben. Als Destination wird MySpace sicher auch weiterhin zu den größten Seiten im Web gehören, sein Standing als relevantes Social Network jedoch nach und nach verlieren.

  • DuDu

    18.02.08 (22:22:05)

    >Das ist zweifellos ein Erfolg. Meiner Ansicht nach ist die >Hoch-Zeit von MySpace als SN nun jedoch vorüber, die Seite >wird durch andere Plattformen abgelöst, die aus SN-Sicht >einfach viel mehr zu bieten haben. Denke ich nicht, hast du die Profile und die Funktionen mal angeschaut. Da hat sich in letzter Zeit einiges getan. Mein Eindruck ist das die Myspaceleute gut dran arbeiten. Zudem ist die neue Api im kommen. Die Attraktivität wird meins Erachtens allein schon durch die ganzen Profile der Musiker und Bands quer durch alle Genre erhalten bleiben und steigen. Dazu kommt noch neuerdings Myspacetv, die Bloggingfunktionen und und und ... Hinzu kommt auch noch, dass yahoo momentan gespräche mit myspace bzw. murdoch führt. Das könnte ne nette Verzahnung verschiedener Applikationen ergeben.

  • Martin Weigert

    18.02.08 (22:30:29)

    "und und und" wird meist von Leuten genutzt, die eine Sache, in die sie involviert sind, in ein positives Licht stellen wollen... Würde ich dich jetzt fragen, ob du einer dieser "Myspaceleute" bist, würdest du es vermutlich verneinen. Darum lass ich es. Der Eindruck entsteht aber trotzdem ;)

  • DuDu

    18.02.08 (22:34:06)

    Zumal die Myspaceprofile im Musikbereich mittlerweile oftmals schon anstatt richtiger Webpräsenzen auf Flyern und von Künstlern und so weiter angegeben werden und die Profile durch die freien Gestaltungsmöglichkeiten mit HTML eine sehr vielgrößere Anpassbarkeit bieten. Gerade in der heutigen Gesellschaft wo Individualität und Selbstverwirklichung doch 'ne sehr große Rolle spielen.

  • DuDu

    18.02.08 (22:37:29)

    Ich würd mal sagen, da machst du es dir sehr einfach. Wenn du in diese Richtung gehst scheinst du nicht sehr viele Argumente dagegen halten können. Arbeite nicht bei myspace aber hab dort ein Profil und muss sagen kenne auch die anderen Social Networks. Ein Profil bei StudiVZ und Facebook habe ich auch. Aber myspace gefällt mir persönlich am besten und da du myspace hier ja sehr persönlich gefärbt negativ darstellt möchte ich mal ein bißchen dagegen halten ;)

  • Christoph Wagner

    19.02.08 (09:09:23)

    Auch die Künstler Seiten bei MySpace haben das Problem, das sie spontane Kotzanfälle bei mir auslösen. Private Profile sind noch schlimmer (und werden daher auch nicht von mir besucht). Nichts für ungut, aber wer sich auf MySpace rumtreibt ist entweder abgehärtet oder findet beepworld v2 Style Seiten schön. Das dann auch noch jede Seite von selbst anfängt mit Musik um sich zu schmeißen ohne das ich Play gedrückt habe und der Player verbuggt ist (d.h. Seite laden, Player laden, Stop/Pause drücken => Kein Effekt) macht alles nicht wirklich besser. PS: Seit Facebook Applications hat, hat es sich imo auch in Richtung MySpace bewegt. Ich hoffe einfach mal ich habe die Möglichkeit FB Seiten komplett ohne die Applikationen der Nutzer zu betrachten noch nicht gefunden.

  • Martin Weigert

    19.02.08 (09:14:18)

    Check die Clean Profile App: http://www.facebook.com/apps/application.php?id=6276325875

  • Andreas

    19.02.08 (14:57:15)

    Ist mySpace jetzt also so tot wie studiVZ es nach den "Datenschutz-Pannen" war? ;-)

  • Martin Weigert

    19.02.08 (15:06:39)

    Noch toter ;)

  • J. Schmidt

    19.02.08 (16:28:30)

    Was in der Betrachtung der Pannen bei den genannten Networks deutlich wird, ist, dass die "stickiness" der Social Networks im wesentlichen dadurch zu Stande kommt, wer und wieviele User auf der Plattform sind und welche Inhalte diese Nutzer generieren und zusammentragen.

  • Sheriff Limbo

    22.02.08 (15:03:17)

    Für mich ich die im Artikel beschriebene Problematik bekannt. Da mir dies selber schon 2-3 x passiert ist, bin ich sozusagen geübt und habe unter dem Strich überhaupt kein Problem mit dieser Situation. Ich halte My-Sapce für die beste Kontakt-Möglichkeit, die ich als DJ und Gleichgesinnten im Netz finden kann. Es habe sich daraus für mich schon wirklich tolle Dinge ergeben!!! In diesem Sinne

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