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08.04.08Leser-Kommentare

Das Problem mit der Gratiskultur im Web

itsfree.gifIn den letzten Tagen hat die Diskussion um die Nachteile des Kostenlostrends im Netz an Schärfe zugenommen. Das Thema ist zwar fast so alt wie das Internet selbst, mittlerweile jedoch aktueller als jemals zuvor. Hank Williams, New Yorker Unternehmer und Betreiber des unmissverständlich benannten Blogs Why does everything suck, machte kürzlich in zwei Gastbeiträgen bei Silicon Alley Insider auf die Ursachen, Auswirkungen und Gefahren der bei Web-Startups verbreiteten Überzeugung aufmerksam, man müsse seine Services möglichst kostenlos anbieten. Die Hauptschuld tragen laut Williams Kapitalgeber, die besonders in den USA Abermillionen Dollar in Neugründungen stecken und auf diese Weise einen Mentalität fördern, bei der Anbieter aufgrund eines anfänglich bequemen Finanzpolsters lediglich auf Nutzerwachstum aus sind, nicht auf Kundenwachstum (= zahlende Nutzer). Neben den auf der Suche nach dem großen Deal mit Geld um sich werfenden Investoren wurde der aktuelle Zustand des auf Gratisdienste fokussierten Internetgeschäfts nach Ansicht von Williams sehr stark von Google geprägt. Dank der Milliardengewinne aus dem Werbegeschäft, Googles bisher unerschöpflicher Cash Cow, kann sich der Such-, Werbe- und Webriese etwas leisten, was die meisten anderen Unternehmen mit Onlineaktivitäten nicht können: innovative Dienste entwickeln und diese unter Inkaufnahme von finanziellem Verlust kostenlos anbieten. Aktuellstes Beispiel dafür ist Google App Engine, das Entwicklern in der Basisversion eine Gratis-Infrastruktur zum Hosten ihrer Web-Applikationen bereitstellt und sich damit vor allem in Konkurrenz zu Amazons kostenpflichtigem Erfolgsprodukt Amazon Web Services (AWS) begibt.

 

googleappengine.gif

Google App Engine: Entwickler-Infrastruktur gratis.

Ungeachtet davon, ob Google App Engine wirklich eine Bedrohung für AWS darstellen wird oder nicht, ist Google App Engine sinnbildlich für die bisherige Vorgehensweise des Internetkonzerns aus Mountain View: Mit Querfinanzierung aus dem Werbegeschäft andere Dienste starten (oder kaufen), ohne sich um deren Wirtschaftlichkeit kümmern zu müssen. Auch Andreas Göldi greift die Problematik gewohnt umfangreich und wissenschaftlich bei Medienkonvergenz auf und kommt zum selben Schluss wie Hank Williams bei Silicon Alley Insider: die Internetbranche hat ein psychologisches Problem.

Dieses psychologische Problem existiert nicht nur auf Seiten der angloamerikanischen Kapitalgeber (in Deutschland sind die Investments vergleichsweise gering) und Internetstartups, die mit Blick auf Konkurrenten und Nutzerzahlen immer mehr Leistung gratis abgegeben. Betroffen davon sind auch viele Internetnutzer, die dazu erzogen wurden, im Web kostenlose Services zu erwarten. Als ich in meinem Beitrag Zehn Thesen zur digitalen Zukunft eine Renaissance bezahlter Inhalte prognostizierte, reagierte dieser Herr in einer Art und Weise (siehe These 7), die symptomatischer nicht hätte sein können. Da ist es dann nicht nur schwierig, mit sachlichen Argumenten zu antworten, sondern für Webunternehmen auch fast unmöglich, jemanden mit dieser Einstellung vom Gegenteil zu überzeugen und bei ihm die Bereitschaft zu fördern, für ausgewählte, qualitative Inhalte und Dienste im Web zu bezahlen.

geldscheine.jpg

Während die derzeitige Entwicklung kurzfristig für User sehr erfreulich ist, kann sie zukünftig womöglich für lange Gesichter sorgen: dann nämlich, wenn junge Internetfirmen mit vielen aktiven Mitgliedern ihre Tore schließen müssen, weil Google, Yahoo und Microsoft sie nicht übernommen haben und ihnen nun das Geld ausgegangen ist. Hank Williams sieht eine Marktbereinigung und eine daraus resultierende Verknappung der Gratisangebote als Lösung für das Kostenlos-Problem, und Andreas Göldi hofft, dass irgendwann auch im Internet die Konsumenten wieder die alte Regel wiederentdecken "You get what you pay for...". Ich schließe mich an und verweise auf einen früheren Artikel von mir, in dem ich beschrieb, in welchen Fällen ich ein kostenpflichtiges einem kostenfreien Angebot vorziehe.

Es ist gut, dass die Risiken der Gratismentalität im Internet durch die derzeitige Diskussion ins Rampenlicht gerückt werden. Wirklich etwas ändern wird sich aber wohl erst, nachdem es zu der von Williams herbeigewünschten Marktbereinigung gekommen ist.

Foto via Flickr/Refracted Moments

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Hugo E. Martin

    08.04.08 (20:41:56)

    von "diesem Herr": Ich dachte es geht um Ihre Thesen!? "Dieser Herr" hat wahrscheinlich schon deutlich mehr "Inhalte" verpackt und dann verkauft ... vielleicht lesen Sie meine Entgegnung noch einmal und erklären dann von welcher Renaissance Sie sprechen / träumen ...

  • Mike

    08.04.08 (20:43:19)

    Ich bin ehrlich gesagt auch der meinung das nicht alles im web gratis sein sollte und muss. doch ist es in der heutigen zeit auch nicht sehr schwer, manche dienste schnell zu ersetzten (sollte er etwas kosten), weil der programmieraufwand "nicht sehr hoch" ist. ich glaube man kann dieses nur über premium dienste lösen, die zusätzliche dienste gegen entgeld bereitsellen. gruß mike

  • Martin Weigert

    08.04.08 (20:48:16)

    Klar ging es um die Thesen. Da war ihre Antwort, dass "kein Schwanz" für Inhalte bezahlt. An der Äußerung gibt es nichts misszuverstehen. Mike, klar, Qualität und eine besondere Premiumleistung sind natürlich Voraussetzung. Ein Dienst, der in vier Stunden programmiert ist und kaum Betriebskosten verursacht, für den sollte man natürlich nicht bezahlen.

  • argh

    08.04.08 (21:37:29)

    "Der Herr" ist halt ein "Coach". Das sagt ja wohl alles. Solche Leute trifft man gerne auf Bussinesplan-Wettbewerben.

  • Eugen

    08.04.08 (22:36:50)

    Dazu passend verweise ich mal auf "Alles gratis — Das psychologische Problem der Internetbranche" von Andreas Göldi: http://medienkonvergenz.com/2008/04/08/alles-gratis-das-psychologische-problem-der-internetbranche/#anchor_comments

  • Martin Weigert

    08.04.08 (22:45:18)

    Hättest du meinen Artikel gelesen, wäre dir aufgefallen, dass ich dort Göldi zitiert habe ;) Dank dennoch.

  • HG Hinz

    08.04.08 (23:31:22)

    Hi Martin, hab schon viel Honig aus Deinem Blog gesaugt, auch, wenn ich nicht immer Deiner Meinung bin, zum Beispiel zu Deinen 10 Thesen. Bin bislang erst dazu gekommen, eine These (Tod von Print) zu kommentieren. Aber egal: Momentan, spricht nichts für Deine Vorstellung, dass es für Content künftig wieder nennenswert Kohle geben wird. Für mich ist die New York Times das beste Beispiel. Sie haben ja lange auf bezahlten Content gesetzt und damit 10 Millionen Umsatz im Jahr erzielt. Nicht schlecht, oder? Und warum gibt es jetzt die NYT umsonst? Weil sie festgestellt haben, dass der Leserzuwachs sich dann via Ad viel mehr rechnet. Wenn Du das jetzt beklagst bzw. wünschst, dass Content wieder kosten möge, dann muss ich zunächst mal sagen, dass ich als Texter und Journalist auf Deiner Seite bin. Aber ich finde: Da ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Ich kann Dich im Übrigen durchaus gut verstehen. Ich habe sehr aufmerksam Dein post zum Thema "Urlaub" wahrgenommen und wie folgt interpretiert: Man arbeitet sich dumm und dämlich, hat keine Zeit zum Relaxen und für die wichtigen offline-Dinge des Lebens - und wird dafür auch noch schlecht entlohnt. Nein, nicht in der Summe. Auch nicht in Sachen Anerkennung (Mister-Wong-Wertung). Aber im Verhältnis zum Aufwand. Ich glaube, das ist ein Problem der Größe. Und wer so groß werden will, dass er mit NYT und anderen Nachrichtenmedien konkurrieren kann, der zahlt einen verdammt hohen Preis. Om Malik postete jüngst aus Miami, von der Beach: "relax, chill und maybe blog". Er hat bekanntlich gerade einen Herzinfarkt (gott sei dank überlebt). Ich schrieb ihm, dass ich (ebenfalls herzgeschädigt) wünsche, dass er seine guten Pläne nicht vergisst. Er antwortete: "Hans, ich darf nicht das vergessen, was Du mir gerade gesagt hast". Soviel zum Bloggen und zum Geschäft. Das ganze Thema schlägt übrigens zunehmend Wellen: siehe Brand eins, aktuelle Glossen in der New York Times, Berichte in Technocrati. Genug für heute: ab an den Strand ;-))

  • Martin Weigert

    08.04.08 (23:44:15)

    Hi HG Hinz, danke für deinen Kommentare, ich sehe, du bist ein aufmerksamer Leser. Ich weißt nicht so recht, ob hier wirklich der Wunsch Vater des Gedanken ist. Es ist nicht mein Ziel, für das Bloggen auf zweinull.cc von den Lesern Geld zu bekommen. Die Mühe mache ich mir ja freiwillig und ich profitiere auch heute schon sehr gut dadurch, in Bezug auf Networking, Connections und neue Möglichkeiten, die sich einem öffnen. Eigentlich möchte ich hier die Diskussion, die sich gerade aus dem Tod zweier US-Blogger entsponnen hat (und darauf spielst du ja an), nicht mit der Gratismentalität der Nutzer und Startups in einen Topf werfen. Es geht mir darum, dass Webservices, die man in Anspruch nimmt und die für den Anbieter Kosten verursachen, etwas kosten dürfen sollen (und dies vielleicht sogar müssten). Und dass ich glaube, dass viele Startups daran zugrunde gehen werden, ihr Geschäftsmodell allein auf Werbefinanzierung aufgebaut zu haben. Es ist eine Art Teufelskreis, da momentan nur in wenigen Fällen von den Usern etwas anderes akzeptiert wird.

  • geoflags.de - deine Welt von oben!

    09.04.08 (00:02:50)

    Liebe Kollegen, wir dürfen bei der ganzen Diskussion um die mangelnde Zahlungsbereitschaft und kostenlose Angebote im Internet nicht vergessen, dass wir uns spätestens mit dem Web 2.0 einer neuen Währung gegenüberstehen sehen: Es wird mit Aufmerksamkeit bezahlt! Die Dauer und Aktivität, welche der Nutzer einem Internetangebot widmet kann 1:1 in Bargeld umgerechnet werden. (Vorausgesetzt man schafft es als Betreiber, abgestimmte Werbung und an hilfreicher Stelle zu platzieren). Ihr habt auf zweinull.cc übrigens eine anregende Plattform geschaffen - super!

  • Martin Weigert

    09.04.08 (00:12:42)

    Danke. Ganz richtig, Aufmerksamkeit ist eine Art neue Währung. Nur ist diese sehr begrenzt, und gerade für Dinge, die kostenlos sind, äußerst vergänglich. Beispiel: Kaufst du dir ein teures Magazin, liest du es mehr oder weniger komplett durch, vielleicht sogar Artikel, die dich eigentlich nur am Rand interessiert. Immerhin hast du dafür gezahlt. Bekommst du irgendwo eine Zeitschrift kostenlos, nimmst du a) an, dass die Qualität der Inhalte schlechter ist, und bist b) bereit, das Heftchen eher in den Müll zu werfen, wenn es deinen Ansprüchen nicht entspricht. Nicht viel anders ist das im Web. Die Aufmerksamkeit der Nutzer mit einem Gratisangebot zu bekommen, ist ob der tausenden anderen Gratisangebote kein leichtes Unterfangen.

  • Markus

    09.04.08 (09:30:09)

    Man kann das nicht pauschalisieren. Jedes Unternehmen definiert für sich, wie Einnahmen generiert werden sollen, was das Geschäftsfeld ist. Bei Google ist es Werbung. Und deshalb versuchen sie mit aller Macht zusätzliche Werbeflächen zu schaffen sowie die Qualität zu erhöhen. Die meisten der gelaunchten Features haben dieses Ziel. Direkt oder Indirekt. Auch sollte man das Internet nicht mit Druckerzeugnissen und anderen materiellen Produkten vergleichen. Digitale Daten sind beliebig reproduzierbar und verursachen dabei keine/nur geringe Kosten. Das macht das Internet aus. Deshalb können Inhalte kostenlos angeboten werden, der Nutzer bezahlt sie mit seiner Aufmerksamkeit (Werbung, TKP ...). Wie im Privatfernsehen. Nicht zu vergessen, dass der Wettbewerbsdruck im Internet hoch und die Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer gering sind. Letzteres versucht beispielsweise Google zu erhöhen.

  • Daniel Thomaser

    09.04.08 (11:14:48)

    Schöne Diskussion. Das paid-content funktionieren kann, zeigt Xing. Wie stark google prägt, zeigt die Aussage von Studivz CEO Marcus Riecke im Turi2-Interview: "Es gab auch mal eine Zeit, da hatte Google kein AdWords. Was unser AdWords wird, werden wir noch sehen." (Wenn das eigene Gehalt sicher ist, kann man sowas ja problemlos sagen ;o)) @Martin "Und dass ich glaube, dass viele Startups daran zugrunde gehen werden, ihr Geschäftsmodell allein auf Werbefinanzierung aufgebaut zu haben. Es ist eine Art Teufelskreis, da momentan nur in wenigen Fällen von den Usern etwas anderes akzeptiert wird." Ich finde das Problem ist eher, dass der Refinanzierungsansatz im Kern auf einer falschen Fragestellung beruht: „Wie verdiene ich mit dieser Website Geld?“ Diese Frage ist deshalb falsch, da sie zu limitiert ist. Die richtige Frage muss lauten: „Wie verdiene ich mit der Marke Geld UND wie kann die Website dazu beitragen?“ Im Gegensatz zu "klassischen" Unternehmen, haben wir die Möglichkeit unser Geschäftsfeld ohne großen Aufwand vertikal und horizontal zu verlängern. Die Kunst im Web2.0 ist sicherlich den Spagat zwischen organischem Wachstum und Fremdkapital zu schaffen. Da gibt es keine pauschale Faustformel. oder?

  • Klaus

    09.04.08 (11:36:33)

    Hi! In den Kommentaren vermischen sich in wenig die Diskussionspunkte A) Nutzer/Leser ist bereit, für Angebote/Dienste zu zahlen B) Nutzer/Leser ist bereit, für Inhalte (Content) zu zahlen Bei A) wird die Qualität und der Nutzwert des Dienstes und auch das Bestreben des Anbieters zum Erlösorientierten Denken beeinflussen. Anderfalls war die Mühe kurzlebig. B) hat sich nicht (durch fehlende Qualität) bzw. nur sehr rar etabliert. Der Teil der Haubentaucher aus A) erschwert diesen Anbietern auch immer wieder das Leben. Obacht, C) Interessant finde ich jedoch auch den kontraproduktiven Ansatz, als Online-Dienst-Anbieter Firmen (pot. Werbekunden) Gratisangebote in der Hoffnung auf Umsatzgenerierung mit Premiumservices zu bieten. (z.B. kostenloser Basiseintrag, Premium hervorgehoben). Unzählige, gescheitertem dümpelnde Beispiele pflastern hier das WWW Wäre hier (zumindest) mehr konsequentes Erlösorientiertes Denken der Webanbieter angesagt, gäbe es mehr rentablere und langlebigere Unternehmensgeschichten im Netz - und weniger "kostet das was?"-Fragen von "interessierten" Firmenkontakten. Das ist die schwerwiegendere Gratismentalität, wodruch sich viele Firmen auch selbst blockieren (weniger Umsatz durchs WWW, höhere Werbekosten in konv. Medienträgern) Ich finde es für unseren Teil extrem toll und mehr als befriedigend, diese Frage immer mit einem klarem "JA, selbstverständlich" beantworten zu können. Alles andere würde auch zu Lasten unserer Angebote (z.B. keine Weiterentwicklung) gehen.

  • Klaus

    09.04.08 (11:39:00)

    @Daniel XING ist meiner Meinung nach aber nicht paid content, sondern Free/Premium-Dienst/Services. Playboy CyberClub ist paid content;-)

  • Martin Weigert

    09.04.08 (11:54:24)

    Klaus, du hast Recht, was die Vermischung betrifft. Eigentlich muss man das auseinanderhalten (was auch ich nicht beachtet habe). Primär soll der obige Artikel das Zahlen oder Nicht-Zahlen für Services und Leistungen im Web adressieren, wozu ich z.B. Hosting, Synchronisation von Daten, Bildbearbeitung, Online Office, Online Kollaboration etc. zähle. Allerdings fällt für mich dort auch Video und Audio hinein, was zwar an und für sich Content ist, aber im Gegensatz zur reinen Veröffentlichung von Text mehr operative Kosten (durch Datentraffic, Installation von Schutzmaßnahmen zur Wahrung des Urheberrechts etc) verursacht. Ja Xing ist ein Hybrid. Einen anderen guten Ansatz verfolgt meiner Ansicht nach HP mit seinem neuen Online-Backup-Service Upline. Unabhängig davon, ob der Dienst gut funktioniert (was ich noch nicht beurteilen kann), so gibt es eine Basisversion mit 1 Gigabyte Onlinespeicher gratis, und verschiedene kostenpflichtige Pakete mit bis zu unbegrenztem Speicherplatz. Ich denke, das ist eine sehr kluges Modell, welches gleichzeitig ein Qualitätsversprechen und einen Anspruch der User auf die Sicherheit ihrer Daten mitbringt, da sie bezahlen. Dieser Anspruch ist bei Gratisdiensten nur schwer zu rechtfertigen und durchzusetzen.

  • Klaus

    09.04.08 (12:30:10)

    @Martin 1 Gig ist aber schon gut viel - oder zum richtigen Alltagstest zu wenig. Viele könnten da auch sagen "hey reicht mir. habe eh noch x andere Free-Gig-Anbieter" Von denen habe ich als Anbieter nichts, die bekomme ich nicht als zahlende Kunden und fressen auch zudem meine personellen Ressourcen. HP kanns aber wahrsch. noch ganz gut quer kompensieren. Insbesondere war bei Online-backup/Storage-Angeboten in der Vergangenheit immer wieder die Entwicklung "wir haben mehr Volumen in unserem Gratis Space-Testangebot" zu erleben. "Unzufrieden, Geld zurück-Versprechen" tät`s vielleicht auch. Oder die jeweilige Version ohne Einschränkungen für 90 Tage limitiert - ohne Abfrage von Zahlungsmodalitäten, einfach easy register, danach Ende und Wiedersehen, wenn man nicht kaufen möchte. Dann kann ich mich ausschliesslich nur um die kümmern, da tatsächlich bereit wären, das Angebot samt den Konditionen anzunehmen. So könnte man auch (und vielleicht sogar noch besser) seine Qualität und Leistungsbereiutschaft darstellen.

  • Mirko Riedel

    09.04.08 (14:27:34)

    Was derzeit passiert hast Du Martin richtig erkannt. Kapitalgeber werfen mit Geld um sich, in der Hoffnung auf den großen Deal; oder in der Wette auf ein weiteres Anziehen des Werbemarktes. Für viele wird sich diese Gratisstrategie nicht erfüllen. Es wird demnächst eine Zeit kommen, in der VC´s nach dem Business Modell fragen, ohne damit den Tradesale oder Werberefinanzierung zu meinen. Eines ist doch klar, viele der derzeitigen neuen Angebote werden auch zum großen Teil von Firmen entwickelt, die daneben ein bereits laufendes Geschäft, nicht werbefinanziert, betreiben.

  • Hansjoerg

    09.04.08 (15:49:01)

    Interessanter Artikel und Diskussion; einen Punkt den man sicher nie vergessen darf beim Ruf nach bezahlten Inhalten sind die Transaktionskosten, die oft leider in keinem Verhältnis zum Betrag stehen. Ohne eine wirklich einfache Lösung für Micro-Payment (Ohne 10-30% Gebühren) ist es nicht weiter verwunderlich, dass werbefinanzierte Modelle deutlich sexier sind.

  • Martin Weigert

    09.04.08 (16:15:00)

    @ Mirko, klar, und gerade in diesem Bereich ist ja Google eine treibende Kraft. @ Hansjörg, absolut korrekt. Eine für Anbieter kostengünstige und für den User extrem einfache Micropaymentlösung wäre der Türöffner. Wann werden wir wohl damit rechnen können?! Welche Rolle könnte PayPal spielen?

  • Hansjoerg

    09.04.08 (16:38:08)

    Sehr komfortabel wäre die Abrechnung über den Provider; dort sind meine Daten ja bereits hinterlegt. Natürlich ein ziemlicher Aufwand weil ja keine genormten Schnittstellen existieren und jeder Provider das erst implementieren müsste aber hier zB in Österreich würde man mit den 3, 4 größten glaube ich 90% der Breitbandkunden versorgen können. Ist in den meisten Ländern ja ähnlich. Andererseits ist es natürlich ein ungutes Gefühl, vor allem zB bei Betrugsfällen würde einem wohl ziemlich schnell die DSL Leitung gekappt werden wenn man sich ein paar EUR bei der Rechnung abzieht; insofern spricht das wieder sehr für Paypal.

  • Oliver Springer

    09.04.08 (17:30:48)

    Es wird oft behauptet, die Finanzierung der Onlineangebote über Werbung wäre das von der Usern akzeptierte Modell. Mit Blick auf Klickraten könnte das Gegenteil behauptet werden. (Auch wenn Klickraten als Maßstab des Werbeerfolgs problematisch sind.) Ich behaupte, die User wollen nicht so viel Werbung, wie sie bekommen. Über ein akzeptiertes Maß von Werbung in Medien sind wir längst hinaus. Es fehlt in erster Linie an dem angesprochenen einfachen, sicheren Bezahlmodell. Die Beträge sind nicht das Problem. Niemand möchte für etwas bezahlen, was er auch kostenlos bekommen kann. Deshalb müsste zur Einführung schon etwas "mehr" geboten werden. Auf Seiten der Contentanbieter könnten die großen Verlage mit ihren zahlreichen Fachzeitschriften solchen Premium-Content liefern. Vor allem müsste es aber einen gemeinsamen Standard geben, über den viele verschiedene Bezahldienste jeweils Zugang zum gesamten Angebot ermöglichen. Wenn man "draußen" in einen Laden geht und mit EC-Karte zahlt, macht es für mich ja auch keinen Unterschied, von welcher Bank mir diese Karte ausgestellt wurde.

  • Klaus

    09.04.08 (18:17:19)

    @Hansjoerg Absolut ein noch mit wichtiger Asopekt bei den bezahlten Inhalten. Und auch bei den "Geringkosten-Einmal-Diensten". Danke!

  • Klaus

    10.04.08 (11:16:12)

    Ich denke, je nach Qualität nicht unbedingt, dass der Nutzer ein werbefinanzierte Angebot auch tatsächlich haben möchte. Und für andere Nutzerkreise spielt das auch eine Rolle. Als Beispiel: Wir betreiben seit jetzt fast 3 Jahren ein regionales Veranstaltungsportal http://www.Frankentipps.de . In der Regel laufen Online-Veranstaltungskalender so, dass Termine (Inhalte) mit redaktionellem Aufwand des Online-Dienstes erfasst und publiziert werden. Angebote finanzieren sich meist durch Ticketing/Affiliating und Werbung. Wir haben das Konzept einmal anders realisiert: Der Veranstalter zahlt für das Einstellen seiner Inhalte (Termine) und hat eine professionelle Marketinglösung samt Support. Der Nutzer hat ein komplett Werbefreies Angebot. Nicht nur der Nutzer ist erfreut über nicht noch mehr Werbung (der ganze Content ist ja bereits an sich Werbung), sondern auch den Veranstalter selbst. Die CTR-Raten liegen durch die wesentlich bessere Wahrnehmung in der Regel bei erstaunlichen Werten. Durch den kostenpflichtigen Input können wir uns desweiteren auch damit befassen, die Daten auch an weitere Medien zu distributieren (Digatilisierung der Daten). Kurz: Der Veranstalter hat ein wesentlich besseres Zeit-Nutzenverhältnis und wesentlich besseren Erfolg samt Reichweite, der Nutzer hat eine hohe Zufriedenheit und wesentlich bessere Qualität -usw.usw. Es gibt natürlich (noch) eine Reihe von interessierten Veranstaltern, die rund eine Viertel Million Nutzer pro Monat durch unser Portal NICHT erreichen können, weil "es ja was kostet und wenn es was kostet dann nutzen wir es nicht" schlicht nicht nutzen wollen. Am Preis liegt es übrigens nicht (wir berechnen derzeit 0,20 EUR/Veranstaltung). Es liegt schlicht bei manchem an der noch vorhandenen Gratismentalität, alles kostenlos haben zu wollen, weil es zudem überall gratis offeriert wird. Es ist sekundär, welche Leistung geboten wird, es ist einzig "dass es was kostet" ausschlaggebend. Das finde ich sehr beeindruckend.

  • Christoph Wagner

    10.04.08 (21:45:38)

    Interessant finde ich in dem Zusammenhang, das Spieledienste wie Duels.com scheinbar deutlich weniger Probleme haben zahlende Kunden zu finden. Das ganze basiert auf dem Prinzip der Trading Card games. Hier kann man via PayPal bzw. für Kleinstzahlungen auch via Telefon/SMS bezahlen um mehr "Packs" zu bekommen (die man sich sonst erspielen müsste), da drin ist ein In-Game Gegenstand, der einen bestimmten Seltenheitswert hat. In dem Endbereich des Spiels haben erstaunlich viele Spieler einen Premium Account (9,90$/Monat bzw. die kleinere Version für 24,99$/Jahr) und zusätzlich zu dem Premium Account wir auch Geld ausgegeben. Wie bei TC steht hatten einige Spieler wenige Monate nach dem Launch schon ber 1000$ ausgegeben.

  • Martin Weigert

    11.04.08 (09:58:59)

    Christoph, wissenschaftlich kann ich das zwar nicht erklären, aber wer kennt nicht das Gefühl, wenn man von einem Spiel richtig in seinen Bann gezogen wurde. Die Macht von guten Entertainment, in dem man völlig versinken kann, scheint stärker zu sein als der Drang, Geld zu sparen.

  • Konrad

    14.04.08 (11:52:19)

    Hallo, es gibt meiner Meinung nach schon ein richtig gutes Konzept zur Realisierung von Micropayment: Das Prepaid System von paysafecard. Leider ist die Verbreitung noch nicht so groß. Ansonsten wäre das eine potentielle zenrale Stelle für Payments. Die Kunden bräuchten nur ein Guthabenkonto und könnten dann mit den Prepaidkarten die man im Supermarkt kaufen kann ihr Konto aufladen. Den Betrag kann man dann wie bei Paypal auf das Konto des Dienstleisters überweisen. Allerdings müsste man sich Gedanken dazu machen, wo die Gebühren anfallen. Ich denke ein Festpreismodell, welches sich nach dem Umsatz richtet wäre möglich. Z.B.: bis 100 €/Monat -> 0€ 100-500 €/Monat -> 5€ usw.

  • Martin Weigert

    14.04.08 (12:51:23)

    Sicher ein Ansatz, aber imo noch immer zuviel Aufwand, um sich tatsächlich allgemein durchsetzen zu können.

  • Konrad

    14.04.08 (12:55:01)

    Nun, wer es nicht zu aufwendig findet, sich andauernd Prepaidkarten fürs Handy zu kaufen, wird das System auch nicht aufwendig finden. Denkbar wäre ja auch eine Aufladung per Überweisung bei größeren Beträgen. Der Shop müsste nur auf die Seite umleiten, dort loggt sich der User ein, bestätigt und wird dann zum Shop weitergeleitet. Kürzer gehts denke ich mal nicht.

  • Matt

    16.04.08 (16:36:01)

    Ich denke solange man eine Seite durch Werbung finanzieren kann sollte die Seite auch kostenlos bleiben. Das private Fernsehen läuft ja mit dem gleichen Konzept und das funktioniert doch bisher auch sehr gut. Wenn sich aber das Internet in ein Bezahlinternet wandelt sollte man evtl. ernsthaft an eine Institution ähnlich der GEMA denken, die alle Einnahmen über einen gewissen Schlüssel an Ihre Mitglieder ausschüttet. Mikropayments werde sich meiner Meinung nach nicht durchsetzen.

  • Martin Weigert

    16.04.08 (19:07:01)

    Das wäre ungefähr so, wie wenn alle Supermärkte ihre Einnahmen an eine externe Organisation abführen würden, die diese dann nach einem Schlüssel an die jeweiligen Inhaber bzw. Ketten ausschüttet. Ich glaube (und hoffe) nicht, dass wir jemals zu so einem zentralisierten (und wenig marktwirschaftlichen) System gelangen.

  • Totti

    01.10.08 (03:48:10)

    Als Webseitenbetreiber ist mir auch aufgefallen, dass kostenlose Angebote gar nicht besser laufen müssen als kostenpflichtige - kommt immer auf den Bereich an. In manchen Bereichen verkaufen sich gerade teure und sündhaft teure Produkte besser als günstige. Und kostenpflichtiges wird eher genutzt als kostenloses. Nach dem Motto "was nichts kostet oder günstig ist, kann ja nichts taugen".

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