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01.04.07Kommentieren

Videoportale: Sie sind unter uns!

Welche Einstellung man auch immer zu Videoportalen und all den teilweise belanglosen Clips dort hat - die meisten von uns kommen früher oder später mit ihnen in Berührung. Sei es durch eine Kollegenmail, die einen "witzigen Film" empfiehlt, durch ein in einer Website eingebettetes Video oder auch ganz freiwillig, wenn man vom Clip seiner Lieblingsband nicht genug kriegen kann.

Videoseiten sind eine der entscheidenden Erscheinungen im Web 2.0, sowohl gemessen an den Userzahlen als auch, was deren Verbreitung betrifft. Auch wenn häufig YouTube als Synonym für sämtliche Videoportale verwendet wird, so ist die Mutter aller Videopages schon lange nicht mehr allein im Web. Neben ihr haben sich viele Anbieter etabliert, die dem Original oft in ihrer Funktionsweise und im Aufbau ähneln, sich aber doch in entscheidenden Punkten von YouTube zu differenzieren versuchen.

Neben YouTube zählt Google Video sicher zu den bekanntesten Videosites. Dementsprechend umfangreich ist dort auch das angebotene Filmmaterial. Auch wenn Google seit der sensationellen Akquisition von YouTube im vergangenen Jahr über zwei Portale zum Hochladen und Streamen von Clips verfügt, wurde bisher noch nicht viel unternommen, um die Dienste einander anzugleichen.

Im Gegensatz zu YouTube, wo die maximale Cliplänge für Standard-User 10 Minuten beträgt, ist bei Google Video auch das Hochladen ganzer Filme möglich. Wie lange, dass bleibt angesichts des steigenden Drucks der Filmindustrie auf die Portale allerdings fraglich. Ein weiteres Feature von Google Video ist die Möglichkeit, Clips runterzuladen und mit der externen Software Google Video Player anzuschauen. Damit ist ein Aufrufen des Browsers nicht mehr notwendig.

Wie YouTube wurde auch das Videoportal Grouper 2006 aufgekauft. Sony verleibte sich die Plattform im August für 65 Millionen US-Dollar ein. Verglichen mit seinen größeren Vorbildern ist die Content-Vielfalt bei Grouper erheblich geringer. Grund dafür ist auch eine Klage von Universal Music gegen Grouper, die dazu geführt hat, dass verstärkt Filtertechnologien eingesetzt werden, um urheberrechtlich geschütztes Material aufzuspüren und zu entfernen - genau dieses macht bei YouTube und Google Video nach wie vor einen erheblichen Anteil aus.

Um das Urheberrecht scheint man sich bei Veoh aus San Diego (noch) weniger Gedanken zu machen. Die Nutzer können dort Videos mit beliebiger Länge und in bester Qualität hochladen. Diese werden mittels Peer-to-Peer-Technik gestreamt, entweder im Flash Player auf der Seite oder im externen Veoh Player. In Anbetracht der großen Zahl von aktuellen Filmen und Serien, die bei Veoh zu finden sind, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis zusätzliche Einschränkungen für den Upload eingeführt werden. Doch vermutlich ist dies das Kalkül der Betreiber, denn diese wissen: Filme und Serien sind beliebter als jeder 5-Minuten-Clip und damit das beste Mittel, um sich schnellstmöglich und medienwirksam als Konkurrent von YouTube zu etablieren.

Bei GUBA mit Sitz in San Francisco ist man bereits einige Schritte weiter und bietet neben den üblichen Mini-Clips "Premium Videos" zum kostenpflichtigen Streaming oder Download an, hauptsächliche aktuelle DVDs. Die Video-Sharing-Funktion dient hier wohl nur noch zur Userbindung.

Metacafe, welches mit dem Claim "Serving the world's best videos" eine Vormachtstellung beansprucht, unterscheidet sich nur wenig von der Masse. Werden die "Featured Videos" bei YouTube teilweise mehr als eine Million Mal betrachtet, so sind es bei Metacafe rund 50.000 bis 100.000 Views. Momentan fällt mir auch kein Grund ein, warum sich an diesem Verhältnis etwas ändern müsste. Auch Gofish wirkt lediglich wie eine blasse Kopie von YouTube und fällt am ehesten durch den seltsamen Namen auf.

Die zwei US-Dienste Revver und Vimeo gehen dagegen eigene Wege. Revver richtet sich besonders an Nachwuchs- oder Hobby-Filmer, die sich mit Ihren Werken etwas dazuverdienen möchten. Die Clips werden von Revver mit Werbespots versehen. Die Erlöse teilen sich Revver und der Uploader. Bei Vimeo setzt man auf die Vorteiler einer lebendigen Community und weniger auf den Gelegenheitsnutzer, der sich in der Mittagspause ein bisschen berieseln lassen möchte. Anders als bei allen anderen Diensten bietet Vimeo auf der Hauptseite keine Möglichkeit, nach Videos zu suchen, sondern nur versteckt auf den Unterseiten. Besucher sollen sich möglichst direkt registrieren und beteiligen. Jeder User darf 250 MB Filmmaterial pro Woche hochladen.

Videoportale müssen allerdings nicht zwangsweise aus den USA kommen. Mit Dailymotion hat sich eine europäische Alternative etabliert. Das in Frankreich gegründete Unternehmen mit Sitz in Paris expandiert zurzeit in verschiedene Länder und hat lokale Sites unter anderem in Deutschland, Italien, Portugal, Schweden und Rumänien gelauncht. In Anbetracht der zumeist altbekannten Funktionen und Usability ist das Differenzierungsmerkmal von Dailymotion zu YouTube & Co damit hauptsächlich die europäische Herkunft.

Das gilt natürlich auch für die drei bedeutenden Videoportale in Deutschland: MyVideo, Clipfish (was hat nur der Fisch mit den Videos zu tun?) und Sevenload. Siehe dazu mein Beitrag Videoportale weiterhin beliebt bei Investoren weiter unten. Spannend wird es, zu sehen, inwieweit die drei deutschen Anbieter auch in anderen Ländern Erfolge erzielen können. Leicht wird das nicht, betrachtet man die große Zahl an sich teilweise sehr ähnlichen, internationalen Video-Communities. Und natürlich haben viele Länder der Welt eigene, nationale Videoportale, die vielleicht auch eines Tages aus den eigenen Grenzen ausbrechen wollen. Allein in Schweden gibt es mit Bubblare, Fejm TV, Video-Klipp und Miloop mindestens vier Videoportale.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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