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09.02.08Leser-Kommentare

Umfrageergebnisse: So nutzen 2650 User aus Deutschland Social Networks

Wie berichtet , haben Mitglieder der «Forschungsgruppe Kooperationssysteme» der Universität der Bundeswehr München in den vergangenen zwei Monaten eine Online-Umfrage zur privaten Nutzung von Social Networks in Deutschland durchgeführt. Das Projektteam befindet sich seit einer Woche in der Auswertungsphase und hat gestern ausgewählte Ergebnisse per Mail verschickt. 2650 vollständig ausgefüllte Online-Fragebögen wurden gesammelt, was ein beachtliches Resultat ist. Damit existiert erstmalig eine nicht kommerzielle, unabhängige und umfassende Studie zur Social-Networking-Nutzung in Deutschland. Diese ist zwar nicht repräsentativ, aber ihre Teilnehmerzahl groß genug, um die gewonnen Erkenntnisse als eindeutige Tendenzen gelten lassen zu können.

Ab Freitag, 15. Februar 2008, werden die ausführlichen Resultate der Untersuchung auf der Website der Forschungsgruppe Kooperationssysteme München in mehreren Phasen veröffentlicht. Aus der vorab in Umlauf gebrachten Zusammenfassung habe ich mir die interessantesten Punkte herausgepickt, die ich im Folgenden vorstelle.

Wieviele verschiedene Social Networks werden genutzt?

In einer Befragung von 402 Social-Network-Nutzern aus der USA im vergangenen Jahr stellte sich heraus , dass 84 Prozent der Teilnehmer maximal in zwei Communities aktiv waren. In der vorliegenden Umfrage sind es knapp 69 Prozent der User, die maximal zwei Social Networks nutzen. Nur gut jeder zehnte Teilnehmer der vorliegenden Untersuchung ist bei vier oder mehr sozialen Netzwerken regelmäßig anzutreffen. Unverbindliches Fazit: Die Zahl der parallel genutzten Communities pro User ist in den letzten Monaten angestiegen. Mit durchschnittlich 2,21 Plattformen gilt jedoch weiterhin, dass mehr als zwei aktive Mitgliedschaften unüblich sind.

 

Auf welche Möglichkeiten der Social Networks wollen Nutzer nicht verzichten?

78,5 Prozent wollen nicht auf die Möglichkeit verzichten, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Gut die Hälfte möchte unbedingt Informationen austauschen können. Nur jeder/jede Zehnte findet es wichtig, dass Social Networks Funktionen einer Singlebörse anbieten oder beim Finden von Gesprächspartnern helfen. Fazit: Social Networks werden hauptsächlich dafür verwendet, die Kommunikation und den Informationsaustausch mit bestehenden Kontakten aus dem realen Leben aufrecht zu erhalten und zu verbessern, nicht, um neue Menschen kennen zu lernen. Dem Newsfeed als einfachstes und effizientestes Mittel, mehr über das zu erfahren, was gerade bei Freunden und Bekannten geschieht, ist damit eine rosige Zukunft vorauszusagen.

 

Warum würden Nutzer aus einem Social Network austreten?

Der am häufigsten genannte Grund, warum Nutzer aus einem Social Network austreten würden: wenn die Freunde nicht mehr da wären. Für knapp ein Viertel der Befragten ist dies ein plausibles Szenario. Damit bestätigt sich die Gültigkeit des Netzwerkeffekt-Konzeptes, welches besagt, dass ein sozialer Dienst für das einzelne Individuum umso relevanter wird, je mehr bestehende Kontakte bereits dort sind. Der umgedrehte Netzwerkeffekt tritt ein, wenn Freunde und Bekannte ein Social Network nicht mehr aktiv verwenden und der Service damit für den Einzelnen an Attraktivität verliert. Bisher hat der Großteil der Social Networker den umgedrehten Netzwerkeffekt noch nicht miterlebt, weshalb dieser in den Überlegungen zu möglichen Austrittsgründen eventuell noch unterrepräsentiert ist.

Einstellung zu personalisierter Werbung in Social Networks

Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer steht personalisierter Werbung in Social Networks entweder neutral gegenüber oder begrüßt diese. 37 Prozent fühlen sich dagegen vom sogenannten Targeting "eher gestört", weitere 18,2 Prozent stört dieses sehr. Die Interpretation fällt hier schwer, da die mutmaßlich hohe Zahl an Umfrageteilnehmern mit einer starken, ausgeprägten Meinung zum Thema (Blogger und Blogleser) gerade bei dieser Frage für ein verzerrtes Bild sorgen könnte. Eine Tendenz lässt sich aber zweifellos erkennen, und diese bestätigt, was Facebook und studiVZ in den vergangenen Monaten hautnah miterleben mussten : Personalisierte Werbung ist einem nennenswerten Teil der Nutzerschaft nicht geheuer. Da das Thema in den Medien häufig fälschlicherweise mit dem Verkauf persönlicher Daten gleichgestellt wurde, braucht die verbreitete Skepsis gegenüber Targeting-Maßnahmen allerdings nicht verwundern.

Update 18. Februar 2008: Nun ist eine erste, umfangreiche Auswertung online.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Stefan von MyAlikes

    09.02.08 (11:33:27)

    Sehr interessante und nützliche Einsichten! Bin schon mal gespannt, was ab Freitag noch veröffentlicht wird! Beim Targeting bin ich der gleichen Meinung: Diese Form der Werbung ist den Usern schlechtgeredet worden und die Ablehnung wird nach und nach abnehmen.

  • Chris

    09.02.08 (11:42:17)

    Werbung muss so lange und so genau auf den Nutzer abgestimmt werden, bis er es nicht mehr als Werbung wahrnimmt, sondern als Information. Dann stört es auch nicht.

  • Hannes

    09.02.08 (12:05:11)

    Diese Umfrage ist wirklich beeindruckend. Ich hätte nicht erwartet, dass eine solche Vielzahl an Teilnehmern dafür gewonnen werden kann. Auch ich habe aufgrund des vorherigen Artikels über diese Aktion an der Umfrage teilgenommen. Diese negative Einstellung gegenüber personalisierter Werbung vieler Internetnutzer ist, hier schließe ich mich meinen Vorrednern an, nicht verwunderlich. Facebook, StudiVZ usw. ließen den Nutzer ja gar keine andere Wahl, als sich gegen diese Maßnahmen zur Wehr zu setzen, da gleichzeitig auch, am Beispiel von StudiVZ, auch Instant-Messenger- und SMS-Werbung eingeführt werden sollten. Aufgrund der Wichtigkeit im Geschäftsmodell von den sozialen Netzwerken hätte diesen bewusst sein müssen, dass insbesondere personalisierte Werbung von den Nutzern so positiv wie nur irgend möglich aufgenommen werden muss. Und gerade weil Facebook es vorgemacht hat bin ich vom Marketing von StudiVZ enttäuscht, da man diese Thematik mit Samthandschuhen hätte antasten müssen. Ich freue mich auf weitere Beiträge.

  • Alex

    09.02.08 (13:15:36)

    Danke für die Auswertung!

  • squareboot

    09.02.08 (16:45:32)

    Interessant ist, dass die Berichterstattung in den Medien offenbar tatsächlich völlig an der Realität vorbei geht. Haben nicht alle Zeitungen uns lang und breit prophezeit, dass personalisierte Werbung den Untergang für jede Community bedeutet, die es wagt auch nur daran zu denken? studiVZ muss jetzt dichtmachen, hieß es, denn niemand lässt sich personalisierte Werbung gefallen. Und? Jetzt stellt sich heraus, dass die Hälfte der Nutzer personalisierte Werbung sogar gut findet und es einem weiteren Viertel egal ist. Ganze 3% sind entschieden dagegen. Auch war doch überall von Massenabmeldungen bei studiVZ die Rede. Alle werden austreten, stand bei Welt, Spiegel und Co. Und was ist wirklich passiert? studiVZ ist im Januar schon wieder gewachsen (nicht geschrumpft), und das um satte 19% (sagt die IVW). Da muss man sich doch fragen, warum erfahrene Journalisten ständig zu solchen Fehleinschätzungen kommen. Glauben die das wirklich? Sind sie nicht in der Lage, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden? Oder verkaufen sich Artikel einfach besser, wenn man auf studiVZ herumhackt weil es gerade Mode ist? Oder steht vielleicht noch ein ganz anderer Grund dahinter: haben die etablierten Verleger vielleicht schlichtweg Angst vor diesem neuen Medium Web 2.0? Weil immer mehr Konsumentenaufmerksamkeit von anderen Medien ins Web abwandert? Wo Angebote wie studiVZ zweistellige monatliche Wachstumsraten verzeichnen, während die Auflagen der Print-Verleger seit Jahren stagnieren? Haben die Angst und versuchen deshalb auf Kosten der Neutralität, dieser Entwicklung entgegen zu wirken? Wenn dem so ist, dann wäre das erst recht ein Grund, die Revolverblätter in die Tonne zu treten und nur noch Blogs zu lesen :)

  • Martin Weigert

    09.02.08 (17:10:34)

    Das sind sehr berechtigte Fragen, die du stellst. Ich bin nach wie vor am Grübeln, was nun eigentlich die Gründe für das angesprochene Verhalten zahlreicher Medien sind. Vielleicht ist es einfach so simpel, dass manche Autoren ganz einfach annehmen, die Nutzer von Social Networks würden dem Thema personalisierter Werbung kritisch gegenüber stehen (weil man in Deutschland eben schon immer kritisch war), und deshalb eine Position einnehmen, die dem Leser Honig um den Mund schmieren und ihm zeigen soll, dass man auf seiner Seite ist?! Manchmal ist es aber auch einfach nur Unwissen und Sturheit. RP Online schreibt in Artikeln noch immer, dass studiVZ Nutzerdaten verkaufen wird. Da ist dann nichts mehr zu retten. Dein letzter Satz klingt wie ein sehr guter Vorschlag. Wobei es ja nach wie vor auch gute journalistische Angebote gibt. Zu sehr verallgemeinern will ich nicht, aber bestimmte Missstände müssen angesprochen werden.

  • Philipp

    10.02.08 (00:45:13)

    Viel wichtiger ist für mich die Frage: Woher kommen die 2650 Umfragebögen? Hinweise auf Blogs? Weil dann das Ergebniss alles andere als repräsentativ ist. Leute wie wir, Technik und Web affin, haben eine völlig andere Einstellung zu Social Networks als die "normalen Leute". Wenn die Umfrage also nur von dem Typ Mensch beantwortet wurde, der Blogs wie zweinull.cc etc. liest, sind die Resultate recht uninteressant :)

  • Martin Weigert

    10.02.08 (01:04:42)

    Philipp lies dir nochmal den ersten und den letzten Absatz durch. Ich denke nicht, dass die Ergebnisse uninteressant oder ohne Relevanz sind.

  • Michael

    10.02.08 (01:48:06)

    "Und? Jetzt stellt sich heraus, dass die Hälfte der Nutzer personalisierte Werbung sogar gut findet und es einem weiteren Viertel egal ist. Ganze 3% sind entschieden dagegen." Hm, da liegt wohl ein Lesefehler vor... knapp 3% begrüßen personalisierte Werbung Mehr als die Hälfte lehnt sie ab. Insgesamt sogar fast ein Fünftel völlig... Am besten nochmal die Grafik genau ansehen ;) Ansonsten stimme ich aber zu: es war ein Hype um die Verteufelung der personalisierten Werbenaßnahmen entstanden. Und wie bei jedem Hype ist der in einer Gemeinschaft eines SN noch ausgeprägter.... In spätestens 2 Jahren ist diese Art der Werbung völlig normal.

  • Norman

    10.02.08 (12:38:03)

    Guter letzter Absatz: Man denke nur an die großen online-portale, die sicher schon länsgt personalisierte Daten benutzen und keiner interessiert sich dafür. manchmal denke ich sogar: Lieber personaliserte Werbung als irgendeine waschmittelreklame...

  • Alex

    10.02.08 (15:00:33)

    @Martin: Danke für den gelungenen Post! Finde ich super geschrieben! Nur wegen dem "nicht repräsentativ" müssen wir nochmal reden. Da weisst Du schon mehr als ich. ;-) @Philipp: Die Teilnehmer verteilen sich sehr schön: Mehrere 100 kamen durch zweinull und andere Blogs, ca. 1000 kamen durch Hinweise in den beiden Netzwerken, mehrere 100 kamen durch eine Mail an alle Mitglieder der Universität der Bundeswehr, einige 100 kamen durch Werbung im privaten Umfeld der 7 Projektmitglieder. Selbst wenn alle über die Blogs gekommen wären : Woher weisst Du, dass nur "Leute wie wir, Technik und Web affin" zweinull.cc lesen? Selbst wenn nur "Leute wie wir...." zweinull.cc lesen (was ich nicht glaube) und den Fragebogen gemacht hätten - würde das die Resultate wirklich uninteressant machen? Glaubst Du, dass "Leute wie wir...." die SNS alle gleich nutzen? Bin mir ziemlich sicher, dass nicht. @all bzgl. Targeting: Danke für die obige Diskussion, die mich auf eine Idee gebracht hat. Ob und inwieweit die Meinung der Nutzer wirklich durch die Medien verzerrt wurde, können wir glaube ich sehr schön nachprüfen. Als StudiVZ die ABG am 13.12. änderte lief die Umfrage ja bereits knapp 2 Wochen und hatte bereits mehrere 100 Teilnehmer. Vielleicht lohnt sich da eine vorher-nachher-Analyse. Mal sehen....

  • Martin Weigert

    10.02.08 (15:53:43)

    Alex, danke. In den Statistiken-Vorlesungen, die ich mir zwangsweise antun musste, wurde mir vermittelt, dass eine Umfrage nur dann repräsentativ ist, wenn die Chance, Teil der Stichprobe zu werden, für alle in der Grundgesamtheit (also alle Nutzer von Social Networks) vertretenen Individuen gleich groß ist. Und das ist in eurem Fall nicht so. Wer keine Blogs liest, aber z.B studiVZ oder Xing nutzt, hatte im Prinzip keine Möglichkeit, auf die Umfrage aufmerksam zu werden. Eine repräsentative Umfrage zur Social-Network-Nutzung in Deutschland wäre eigentlich (realistisch betrachtet) nur telefonisch möglich, bei zufälliger Nummernwahl mit Zielgebiet Gesamtdeutschland. Oder? Was Targeting betrifft: Eine Vorher-Nachher-Analyse wäre toll. Gerne exklusiv vorab an zweinull.cc ;)

  • Philipp

    10.02.08 (19:00:29)

    Hey hey, versteht mich doch nicht direkt falsch :D Das war nicht gegen die Umfrage gemeint oder so!! Ich finde sie super interessant, trotzdem ist es halt wichtig zu wissen, woher die Daten kommen oder meint ihr nicht, dass ein 14jähriges Mitglied im SchuelerVZ eine andere Meinung hat als ein 25jähriger BWL Student im StudiVZ?! Oder das Martin bei einem Social Network die gleichen Dinge wichtig findet wie ein 13jähriger? Daher rührte die Frage ;) @Alex: Danke für die Aufklärung :) Ergo ist die Umfrage gut gemixt und nicht nur "Geeks" :) Das wollte ich wissen. Bin gespannt auf die komplette Veröffentlichung! LG, Philipp

  • Philipp

    10.02.08 (19:02:24)

    P.S.: "Uninteressant" bzw "irrelevant" waren im ersten Posting wohl die falschen Worte. Sorry, wenn es missverständlich rüber kam :)

  • Alex

    10.02.08 (20:01:53)

    @Philipp: kein Problem. Ich bin froh über jeden Kommentar (Feedback), oft sind gute Denkanstößte dabei (wie man auch oben sieht). Und allgemein finde ich es gut, wenn jemand kritisch "draufschaut". @Martin: Wg. Targeting: Ich melde mich. ;-) Weiss aber nicht, ob es bis Freitag schon was wird. Glaube nicht. Wg. "Repräsentativität": Hoffe da können wir Freitag ein wenig Aufschluss darüber liefern...

  • Johannes

    04.03.08 (23:29:54)

    Wer bei einer Umfrage zum Thema "Datenschutz in Social Communities" teilnehmen möchte, ist hierzu natürlich gerne eingeladen. Die Ergebnisse der Umfrage werden gemeinsam mit denen der SNS in einer Diplomarbeit zum selbigen Thema zusammengefasst. http://datenschutz.ownz-the.eu/

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