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12.12.07Leser-Kommentare

Startup des Jahres 2007 – E-Commerce schlägt Web 2.0

mymueslimymuesli hat die von deutsche-startups organisierte Wahl zum Startup des Jahres gewonnen. Die aus 24 Web- und Startup-Experten bestehende Jury hat Konzepte, Geschäftsmodelle und die bisherige Entwicklung von zehn durch die Leser nominierte Web-Startups aus Deutschland unter die Lupe genommen. Neben mymuesli gehörten Bab.la, Brands4Friends, Guut.de, hiClip, Luupo, Netmoms, Platinnetz, Smava und Verwandt.de zu den Nominierten. Die Idee und Umsetzung von mymuesli überzeugte 11 der 24 Jurymitglieder, die für das von Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock gegründete Unternehmen stimmten. mymuesli ist ein Onlineshop, in dem man aus einer Vielzahl von Zutaten ein individuelles Müsli mischen und bestellen kann. Der Jury gefiel bei mymuesli vor allem das innovative Geschäftsmodell, die Tatsache, dass die Seite nicht von Werbung abhängig ist sowie die guten Möglichkeiten zur Internationalisierung. Auch dass es wirtschaftlich bereits recht gut für mymuesli läuft, beeinflusste die Entscheidung der Jurymitglieder positiv. Aus reiner Günderperspektive scheint es sich bei mymuesli um ein wirklich gelungenes und zukunftsträchtiges Projekt zu handeln, welches den Titel "Startup des Jahres" verdient hat. Glückwunsch.

Während das Ergebnis für mymuesli den gelungenen Abschluss eines erfolgreichen Jahres darstellt, gibt es gleichzeitig Anlass zur Beunruhigung für das im Jahr 2007 allgemein beschworene Mitmach-Internet aka Web 2.0. Selbst wenn in Artikeln zu mymuesli häufig von "User Generated Müsli" die Rede ist und das Angebot nicht selten im Web-2.0-Kontext erwähnt wird, so ist es doch eigentlich nichts anderes als ein E-Commerce-Anbieter, der eine Marktlücke erkannt und besetzt hat. Vom Prinzip her stellt mymuesli einen Nischen-Versandservice dar, der schon vor 20 Jahren als Papierkatalog oder durch TV-Verkäufer Horst Fuchs hatte realisiert werden können. Aber der mag vielleicht kein Müsli.

Dies schmälert in keiner Weise den Erfolg von mymuesli. Es zeigt aber die Problematik, mit der sich Internetunternehmer in Deutschland konfrontiert sehen. Wenn bei hunderten in diesem Jahr gegründeten, echten Web-2.0-Startups aus Deutschland vom Zentralorgan der hiesigen Startups ein Online-Versandhändler zum Startup des Jahres gekürt wird, dann setzt das ein Zeichen: Nicht nur die Investorengelder wandern häufig zu den Unternehmen, die bereits erprobte Konzepte übernehmen oder modifizieren, sondern auch der Ruhm. Wenn es schon so schwierig ist, die kleine Gruppe proaktiver User (Gründer, Blogger, Investoren, Journalisten, Interessierte) von neuen Ideen und Diensten (und deren langfristigen Erfolgsaussichten) zu überzeugen, wie groß (oder klein) sind dann die Chancen, die träge Masse der 40 Millionen deutschen Internetnutzer für sich gewinnen? Die Folge: Da sowohl Geld als auch die Aufmerksamkeit tendenziell zu denen gehen, die auf Bewährtes setzen, werden wohl auch weiterhin die meisten Neugründungen in Deutschland diesem Beispiel folgen.

Für das Startup des Jahres 2007 halte ich fest: E-Commerce schlägt Web 2.0.

P.S. Da zweinull.cc ein Blog rund um das Web 2.0 und innovative Web-Anwendungen ist, betrachte ich das Ergebnis der Wahl zum Startup des Jahres aus einer entsprechenden Perspektive. Die Bewertung des mymuesli-Sieges aus Sicht einer an E-Commerce interessierten oder dem Web 2.0 gegenüber völlig neutralen Person mag komplett anders ausfallen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Markus

    12.12.07 (17:01:40)

    Ich stimme dir fast völlig zu bis auf die These der *systhembedingten* Homöostase auf niedrigerem Niveau. Die Aufmerksamkeiten wenden sich dem Interessanten zu und das Geld dem vermeintlich Lukrativen. Es fehlen ganz einfach die guten grossen Ideen, die gibt es einfach nicht - und die Pragmatiker und Kaufleute füllen halt die Lücke. (gute kleinere Ideen gibt's natürlich en masse, man kann auch mit ein paar Tausend Usern erfolgreich sein).

  • Heiko

    12.12.07 (17:35:32)

    Aus Web2.0 sicht, da hast du sicherlich recht, ist der Sieg von myMuesli enttäuschend, aus reiner Gründersicht finde ich dieses Ergebnis mehr als gerechtfertigt. myMuesli hat eben das, was den typischen 2.0-Anwendungen fehlt: Ein gewinnbringendes Konzept. Und so schön die große, neue, tolle Web2.0-Welle auch sein mag, letzten Endes kommt es darauf an sich zu vermarkten und Geld zu verdienen. Und diese Wahl zeigt das das auch die Jury, die ja nun nicht gerade aus einem Haufen Unbekannter bestand, dies so sieht ;-)

  • Martin Weigert

    12.12.07 (18:45:35)

    @ Markus "Die Aufmerksamkeiten wenden sich dem Interessanten zu und das Geld dem vermeintlich Lukrativen." Meine persönlich Ansicht ist, dass gerade im Netz häufig ohne Ausprobieren eines Dienstes nicht beurteilt werden kann, ob er interessant ist oder nicht. Aufgrund des Mangels an Neugier (bzw. Zeit/Lust zum Ausprobieren) wendet sich die allgemein Aufmerksamkeit daher häufig den Dingen zu, mit denen man schon vertraut ist (z.T. auch in abgewandelter Form) oder die durch cleveres Marketing promotet werden. @ Heiko Das wirft die substanzielle Frage auf, ob wir im Jahr 2007 eigentlich bereit für das Web 2.0 sind. Facebook, YouTube, Twitter, studiVZ und viele viele andere Anbieter, die sich durch Werbung finanzieren, machen noch keine nennenswerten Umsätze bzw. Gewinne. Und das, obwohl Onlinewerbung boomt und Internet ein Massenmedium geworden ist. Da fällt es jedem wirtschaftlich erfolgreichen E-Commerce-Unternehmen leicht, sein Geschäftsmodell in ein positives Licht zu stellen.

  • Heiko

    12.12.07 (18:55:47)

    @Martin: Ich denke das wir bereit sind für das Web2.0, das "Mitmach-Web", das zeigen die Wachstumsraten vieler Plattformen sehr deutlich. Die Nutzerzahlen sind gut. Einzig fehlt es noch an den Finanzierungsstrategien. Wir haben mittlerweile herausgefunden, das bei den Nutzern das generelle Interesse an User-Generated-Content existiert, der "normale" Internetnutzer ist bereit mitzumachen, für 2008 gilt nun herauszufinden, wie wir dieses Interesse auch gewinnbringend vermarkten können. Und da fehlen leider derzeit noch die wirklich guten, allgemein umsetzbaren, Ideen. Ich vermute, das es letztendlich darauf hinauslaufen wird, das viele Web2.0 entweder schließen oder wieder "back to the roots" auf Premium-Mitgliedschaften für ZUSÄTZLICHEN Mehrwert setzen werden.

  • Tim

    13.12.07 (13:41:06)

    Ich sehe es genauso wie Martin. Wahrscheinlich auch der Grund, daß ich diese Seite so liebe. Hier wird nicht wiedergekäut, sondern kritisch betrachtet und mitgedacht. Dickes Lob an Martin :-) P.S. Wenn das so weiter geht gründe ich einen Fanclub :-D

  • Martin Weigert

    13.12.07 (16:01:49)

    Danke Tim. Du kannst ja als ersten Schritt dem zweinull.cc-Fanclub bei Facebook beitreten (sofern du dort einen Account hast). ;)

  • Joerg

    14.12.07 (12:15:51)

    So potentiell erfolgreich die Idee von mymuesli auch sein mag, wirkliche Originalität kann ich beim besten Willen nicht entdecken. Es ist zwar neu sich custom muesli über das Internet herzustellen, aber es ändert nichts Grundlegendes am Umgang mit Technologie, deren massenhafte Verbreitung dies eigentlich begünstigen sollte. Ein Müsli Shop ließe sich auch mit Katalogen realisieren, YouTube nicht. Insofern finde ich es etwas bedauerlich, dass ein konzeptionell eher biederes StartUp den Titel abräumt anstatt es jemandem zu verleihen, der ein finanziell vielleicht noch nicht tragfähiges, aber für die Zukunft wegweisendes Konzept vorstellt. Die Welt wird leider von zu vielen BWLern kontrolliert, die Innovation findet aber woanders statt, in der Kunst oder in den Natur- und Geisteswissenschaften. Wir sollten mal wieder mehr Konzepte haben, die einen wirklichen Bruch mit dem Herkömmlichen pflegen, statt immer nur darauf zu schauen, wie sich etwas am schnellsten rechnet. Diesen Enthusiasmus haben uns meiner Meinung nach die Amerikaner voraus, wenn sie manchmal blind und ohne das Ziel zu kennen vorauspreschen. Machen und ausprobieren führt zu Neuem, nicht die Frage wie es sich sofort rechnet. Grüße J

  • Joerg

    14.12.07 (12:28:35)

    Nachtrag: Dass mit Web2.0 Anwendungen momentan nur Wenige finanziell wirklich sehr erfolgreich sind, liegt wohl daran dass im Gegensatz zu einem Müsliversender, die Webdienstleistung nicht als Produkt wahrgenommen wird, für das ich ja auch bezahlen könnte. Stattdessen wird immer versucht mit Werbung alles zu erschlagen, anstatt dass der User sich bereit erklärt, für eine in Anspruch genommene Dienstleistung auch zu bezahlen, wie es bei Müsli wohl selbstverständlich ist. Solange sich hieran nichts ändert, kann weiterhin von Blasen gesprochen werden, sobald sich aber ein Social Network nicht mehr mit Werbung, sondern mit den Beiträgen der Nutzer vollständig tragen könnte, würde auch richtig Kohle fließen. Nur gibt es halt doch noch den kostenlosen Dienst zu dem dann alle wandern, also think again. @ Martin: Könntest Du mal eine Umfrage starten, wie Deine Leser Werbebanner, personalisierte Werbemails, etc. wahrnehmen und ob sie nicht auch bereit wären für einen werbefreien Dienst ein paar Tacken springen zu lassen? Ich bekomme langsam das Gefühl, die ganze Werbefinanzierung über kurz oder lang in Richtung Sackgasse zeigt.

  • Heiko

    14.12.07 (19:19:29)

    Hey, und was ist mit mir? Ich will auch... ;-) Immerhin rangiert zweinull.cc in meinem News-Reader schon an erster Stelle, direkt oben links, gefolgt von den anderen, üblichen, monoton berichtenden Blogs ;-)

  • Heiko

    15.12.07 (02:06:22)

    Es geht schon los: Eben kam von meinnachbar.net die eMail das der Dienst ab ende Dezember kostenpflichtig wird. Pro Monat fallen dann 9 Euro Monatsbeitrag an, welche halbjährlich im voraus zu entrichten sind. 9 Euro pro Monat finde ich sehr happig. Und ich denke da werden jetzt noch so einige Seiten nachziehen ;-)

  • Martin Weigert

    15.12.07 (11:57:04)

    @ Heiko Wie bitte? Das klingt äußerst dubios. Besonders, da im Impressum der Seite plötzlich folgendes steht netsolution FZE Twin Towers Rm 217 Baniyas Road, Deira P.O. Box: 4404, Dubai United Arab Emirates Ich bin mir nicht sicher, dass dies schon immer so war. Möglicherweise wurde meinNachbar an dieses potentiel dubiose Unternehmen verkauft, und nun soll abgezockt werden? Könntest du mir diese Mail vielleicht weiterleiten? martin at zweinull.cc @ Jörg Mit Umfragen haben wir uns bisher zurückgehalten. Ich bin der Meinung, eine Umfrage ist nur sinnvoll, wenn man richtig viele Teilnehmer hat. Im Moment bin ich mir noch nicht sicher, ob der Blog bereits eine geeignete Größe erreicht hat, um Umfragen mit einer signifikanten Teilnehmerzahl zu starten. Übrigens hatte ich im Juli einen Beitrag zum Thema Kostenloskultur geschrieben. Falls er dich interessiert: http://www.zweinull.cc/das-web-20-und-die-ruckkehr-der-kostenloskultur/

  • Tobias

    17.12.07 (16:49:03)

    @Martin & Heiko: Bei 9 EUR und Dubai muss ich auch sofort an http://www.nachbarschaft24.net/ und deren E-Mail die hier zur Genüge ankommen, denken, und dann denke ich über beide Angebote das gleiche :)

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