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08.06.07Leser-Kommentare

Social Networks überall – ist der Markt gesättigt?

Auch wenn in Blogs und Branchenmedien regelmäßigen über eine mögliche neue Internetblase diskutiert wird, so sind sich die meisten Experten einig, dass die aktuelle Entwicklung nicht mit der Gründungs- und Investitionswelle um die Jahrtausendwende vergleichbar ist. Im Gegensatz zu damals nutzt mittlerweile ein großer Teil der Bevölkerung das Internet, die technischen Rahmenbedingungen ermöglichen qualitativ hochwertigere und vielseitigere Webangebote und das Onlinewerbevolumen steigt unaufhörlich. Damit sind die Chancen für Startups, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, weitaus größer als im Jahr 2000.

Doch auch 2007 sind neue Internetdienste keine Selbstläufer. Hautnah erleben das momentan Social Networks. Jede Woche tauchen neue Communities im Netz auf. Manche richten sich an alle an der Kommunikation und Interaktion interessierten User, andere an eine Special-Interest-Zielgruppe. Von allen Diensten, die man dem Web 2.0 zuordnen kann, ist die Angebotsvielfalt bei Social Networks mit Abstand am größten – und damit auch der Konkurrenzkampf.Dabei sind es im Grunde einige wenige Social Networks, die den Großteil der User auf sich vereinen. Weltweit dominieren MySpace, Bebo, Facebook, Friendster und Hi5. In Deutschland gehören MySpace, StudiVZ, Piczo, Lokalisten und Kwick zu den Anbietern mit den meisten registrierten Nutzern.

Auswahl führender Social Networks

International

MySpace (mehr als 100 Millionen User)

Friendster (50 Millionen User)

Hi5 (40 Millionen User)

Bebo (31 Millionen User)

Facebook (25 Millionen User)

Deutschland

MySpace (2,5 Millionen User)

StudiVZ (mehr als 2 Millionen User)

Piczo (1,3 Millionen User)

Lokalisten (0,8 Millionen User)

Kwick (0,8 Millionen User)

Die Angaben stammen von den jeweiligen Anbietern und beziehen sich auf registrierte Nutzer. Jeder, der selbst bei einigen Communities Mitglied ist, weiß aus eigener Erfahrung, dass sich die aktive Verwendung auf wenige Dienste beschränkt. Die Zahl der aktiven Nutzer ist also erheblich geringer.

Das entscheidende Kriterium für den Erfolg einer Social Community sind Netzwerkeffekte. Das heißt, dass es für nicht registrierte Anwender umso interessanter ist, Mitglied zu werden, je mehr andere (Freunde) bereits dort sind. Das beste Beispiel dafür ist MySpace. Die Seiten, Profile und Interaktionsmöglichkeiten sind weder attraktiv noch innovativ. Doch allein die Tatsache, viele aktuelle und frühere Freunde dort anzutreffen und darüber hinaus mit 100 Millionen unbekannten Menschen Kontakte knüpfen zu können, sorgt für rund 100.000 Neuanmeldungen täglich.

Ungeachtet des bereits gut belegten Marktes und der Schwierigkeit, Nutzer für ein weiteres, anfangs menschenleeres Social Network zu gewinnen, sprießen unzählige neue Anbieter aus dem momentan sehr fruchtbaren Internetboden. Dabei geht der Trend immer mehr zur Besetzung von Nischen. Soldaten.com vernetzt Militärinteressierte, Chapz Kreative aus Musik und Medien, ucinteriors.com an Inneneinrichtung interessierte, autoki Freunde fahrbarer Untersätze und Cosmonited Lifestyle- und Clubbing-Anbeter.

Das Spezialisieren auf eine bestimmte Interessengruppe ist mit Sicherheit ein sinnvoller Weg. Zum einen kann man so noch immer der Erste sein, der ein Special-Interest mit einem Social Network thematisch besetzt. Zum anderen fällt die Wahl eines wirkungsvollen Kommunikationsinstrumentes leichter: andere Medien, die sich mit dem selben Thema beschäftigen (Print-Magazine, TV-Programme, andere Onlineangebote, Internetforen). Auch die Generierung neuer Mitglieder über gezielte Werbemaßnahmen kann erfolgreicher laufen als bei der Bekanntmachung einer Mainstream-Community mit hohem Streuverlust.

Gleichzeitig begrenzt man mit einem Nischenangebot allerdings die Zielgruppe und damit die potentielle Zahl der Nutzer. Zudem gilt auch hier: Mehr als in einer Handvoll Social Networks sind die Wenigsten aktiv dabei. Ob ein deutscher Student mit Party-, Musik- und weiteren Interessen sich dann neben StudiVZ, MySpace und Last.fm auch noch bei mehreren Special-Interest-Communities registriert, ist fraglich.

Fast unmöglich erscheint es mittlerweile, ein weiteres auf die Masse ausgerichtetes Social Network zu starten und damit erfolgreich zu sein. Die Zahl und Stärke der populären Konkurrenten ist übermächtig. Daher wird selbst das Erreichen der ersten 1.000 bis 10.000 aktiven Mitglieder eine schwierige Aufgabe. Ausnahmen machen hier entweder sehr innovative, neuartige Ansätze, die Anwendern einen bisher nicht da gewesenen Mehrwert bieten, oder eine ausgeklügelte Marketingkampagne.

Die Stichworte «virales Marketing« und «Guerilla Marketing« lassen mittlerweile den meisten Internetunternehmern die Augen leuchten. Dabei reicht das Hochladen eines «lustigen« Videos bei YouTube nicht aus, um eine virale, sich selbst verbreitende Kampagne loszutreten. Hier sind kreative, neue, auch Tabu brechende Ideen gefragt. Ein gutes Beispiel ist SchülerVZ. Mit nicht genehmigten Graffiti-, Flyer- und Aufkleberaktionen an vielen Schulen in ganz Deutschland machte das Schwesterchen vom StudiVZ auf sich aufmerksam. Zeitungen, Blogs und Fernsehen berichteten darüber. So etwas funktioniert aber nur einmal und nicht jedes Social Network möchte seinen Ruf für steigende Nutzerzahlen gleich so ramponieren. SchülerVZ konnte damit umgehen und hatte bereits zwei Monate nach seinem Start im Februar 300.000 registrierte User!

Guerilla-Marketing à la SchülerVZ:

Auch heute ist es noch möglich, mit einem neuen Social Network erfolgreich zu sein. Aber es ist schwieriger als je zuvor. Der Markt ist nahezu gesättigt. Neue Angebote lassen sich zwar leicht in der Blogosphäre bekannt machen. Die Chance, dort viele Neunutzer zu gewinnen, ist jedoch minimal. Die Kunst liegt darin, sich bei der Masse der Internetnutzer ins Gespräch zu bringen, die keine Blogs lesen und am ehesten auf Empfehlungen und Einladungen von Freunden reagieren. Sicher werden wir die ein oder andere Überraschung erleben. Möglicherweise etablieren sich Networks, an deren Erfolg man nie geglaubt hätte. Doch viele andere Anbieter werden die kritische Masse an Nutzern, die es benötigt, um wirtschaftlich zu sein, nicht erreichen. Diese Dienste werden über kurz oder lang verschwinden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Norman N

    08.06.07 (16:57:35)

    SchülerVZ hat aber auch nicht zu unterschätzende Konkurrenz (rund 5 Seiten) Hier http://brandkraft.wordpress.com/2007/04/28/die- am-meisten-unterschatzte-deutsche-social-networking-seite/ der Artikel dazu. Bei Social Networks kann man nicht einfach sagen, dass sie sich gegenseitig die Akteure "wegnehmen", da die meisten Internetnutzer zwischen 1-5, heavy User zwischen 5 und 10 Social Networks angehören (wie übrigens im realen Leben).

  • Martin Weigert

    08.06.07 (17:44:58)

    Hallo Norman. Danke für den Link. In Anbetracht dieser Konkurrenz ist der schnelle Erfolg von SchülerVZ besonders beachtlich. Ich würde auch nicht sagen, dass sich Social Networks die Nutzer wegnehmen. Aber ich behaupte, dass der durchschnittliche Internetnutzer in nicht mehr als drei Communities AKTIV ist. Und selbst, wenn es bei manchen mehr sind - bei je mehr Netzwerken er oder sie Mitglied ist, desto geringer fallen die Nutzungsdauer, die Zahl der Seitenaufrufe und die damit generierten Werbeeinnahmen pro Social Network aus. Heavy User sind also gar nicht so attraktiv für Social Networks, da zudem sehr wechselbereit.

  • Philipp

    08.06.07 (18:40:16)

    Kleine Korrektur :) Bebo hat 31 Millionen User, Piczo hat 1,3 Millionen User weltweit und den deutschen Markt erst vor wenigen Monaten erschlossen, d.h. der Anteil in DE ist noch relativ klein. Bezüglich der angesprochenen Konkurrenz: Von den 5 Seiten haben bereits 3 aufgegeben, die restlichen 2 haben sehr, sehr schwer zu kämpfen. SchuelerVZ hat 300k Mitglieder, wachsen überaus stark und mit einer reinen Schülercommunity mit gleichen Features wird man dagegen nicht ankommen. Den Tipping Point haben die SchuelerVZ Leute innerhalb kürzester Zeit geknackt. Userverhalten: Stimme ich vollkommen zu. Die meisten Jugendlichen sind in mind. 3 Netzwerken aktiv und besuchen weitere 2 in unregelmäßigen Abständen. Lieben Gruß, Philipp

  • Martin Weigert

    09.06.07 (10:08:37)

    Hallo Philipp. Danke für die aktualisierte Bebo-Zahl. Betreffend Piczo: Laut dieser Pressemitteilung hatte Piczo im April 25 Millionen User weltweit und 1,2 Millionen in Deutschland: http://www.prnewswire.co.uk/cgi/news/release?id=195512 Man muss es Holtzbrinck bzw StudiVZ/SchülerVZ einfach lassen: Marketing können sie besser als alle anderen - wenn oder gerade wegen der häufig fragwürdigen Mittel und Wege.

  • Pascal

    11.06.07 (12:53:50)

    Hallo, es wird sicher schwieriger, ein Social Network aufzubauen. Aber dass der Markt gesättigt wäre für Networks, die auf die breite Masse zielen, glaube ich nicht. Wir haben in Deutschland ungefähr 12 Millionen Jugendliche von denen an die 90% Zugang zum Internet haben - wenn nicht zuhause, dann im Cafe oder in der Schule. Die Jugendlichen nutzen 2, vielleicht auch 3 Netzwerke: also haben wir bestimmt Platz für mehr als 25 Millionen Profile. Da sind wir ja noch lange nicht, glücklicherweise... Also würde ich sagen - bloomstreet, joinr und co haben doch noch ne Chance. Und die Nischen, in denen zur Zeit separate Netzwerke entstehen, müssen in den breiten Netzwerken stattfinden können. Da müssen wir alle noch ein bisschen konzipieren, wie das klappen kann. Liebe Grüße Pascal

  • Martin Weigert

    11.06.07 (14:01:47)

    Hallo Pascal. Danke für Deinen Kommentar. Ich denke auch, dass es noch Chancen gibt. Und Ihr von Bloomstreet habt ja nun gerade eine (Online)kampagne gestartet. Mal sehen, wie sich die Zahlen entwickeln.

  • Norman N

    17.06.07 (21:43:43)

    An Martin, Heavy User haben zwischen 5-10 Social Networks in denen sie aktiv sind. Die Studie dazu werde ich noch in einem Post verarbeiten. 10 scheint mir auch ein wenig viel. Das solche erfahrenen Leute werberesistent sind sehe ich auch so. Aber als Meinungsführer sollte man sie doch nicht ganz vernachlässigen, wenn auch ihre Ansprache weit schwieriger ist.

  • nikon2k

    15.12.09 (10:18:50)

    Also ich sehe das ähnlich. Wir versuchen auch nun mit einem social network zu starten allerdings in kombination mit einem 3D Chat. http://www.whoareu.de - obs erfolg hat weiß ich nicht, allerdings kostet ein versuch nix, ausser die eigene arbeitskraft + hosting kosten und ggf. paar euro in werbung. Ich denke daß man aktuell versuchen sollte, da anzuknüpfen wo es bei den social networks gerade aufhört : entertainment, abwechslung etc. Wir haben zum beispiel zwar auch ein gruppen system, allerdings heißt es clubs und du kannst da halt mehrere foren haben, den stil des clubs (ähnlich wie eine webseite) etwas anpassen etc. Ich habe mich eigentlich immer gefragt was an einem social network alleine so interessant sein soll , daher kam ich auf die idee.

  • Elfi

    06.06.10 (15:12:10)

    Der Markt ist meiner Meinung nach gesättigt. Welches Super-Feature sollte es noch geben, das die wenigen großen Communities nicht auch schnell "einbauen" können? Es wird sicher immer wieder kleine Communities geben, die aber klein bleiben werden. Da fällt mir z.B. blaabla.de ein. Eine Kombination von Fantasienamen + Bildpflicht. Nett, aber das reicht nicht fürs Big-Sein. Die Frage ist auch immer, was wollen die Betreiber erreichen?

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