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08.05.08

Social Networks sind DAS neue Massenmedium

Es ist schon fast ein Naturgesetz: Sobald über das Web 2.0 und Social Networks diskutiert wird, kommt unweigerlich der bisher eher mäßige wirtschaftliche Erfolg der bekannten Vertreter des sozialen Netzes zur Sprache. Auf der einen Seite ist dies verständlich und wahrscheinlich auch ganz nützlich, um die beteiligten Akteure vor falscher Euphorie und die Branche vor einer Überhitzung mit bösem Ende zu schützen. Andererseits wird dadurch aber das langfristige Potenzial ignoriert, das in sozialen Netzwerken steckt, und das sich nicht heute, nicht morgen aber irgendwann entfaltet. Wenn Verleger Stefan von Holtzbrinck die Frage stellt , wo die Werbewirtschaft heute 24-Jährige außer bei Social Networks noch medial erreichen kann, dann ist dies nicht nur Marketing in eigener studiVZ-Sache, sondern gleichzeitig eine Tatsache. Social Networks und Communities entwickeln sich zu DEM neuen Massenmedium für jüngere Generationen. Neun Millionen Mitglieder bei studiVZ und schülerVZ, über 70 Millionen bei Facebook und mehr als doppelt so viele bei MySpace, davon ein großer Teil in der "werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen" (zugegeben: ein Relikt aus der Mediengesellschaft des vorigen Jahrtausends) – Zahlen, vor denen man sich nicht verstecken kann. Und das ist nur der Anfang dieser medialen Revolution.

Legt man diese Perspektive zugrunde, sieht die Beurteilung der ökonomischen Seite des Social Webs etwas anders aus: Wenn studiVZ auch 2008 noch keine schwarzen Zahlen schreiben wird, dann bedeutet dies nicht, dass der Betrieb eines sozialen Netzwerkes aus wirtschaftlicher Sicht nicht attraktiv ist. Es zeigt lediglich, dass man noch keinen idealen Weg zur Monetarisierung gefunden hat. Und wenn Facebook bei 150 Millionen Dollar Umsatz in 2007 mit 15 Milliarden Dollar bewertet wird, dann wirkt dies zwar unglaublich, aber als einer der erfolgreichsten, global aktiven Vertreter des neuen Massenmediums hat das Unternehmen tatsächlich eine optimale Ausgangsposition. Kein Fernsehsender, kein Radiokanal und keine Tageszeitung kennt Zuschauer/Hörer/Leser so gut wie ein Social Network seine User.

Im Bezug auf Facebook brachte Marcel Weiss dessen mögliche Rolle bei netzwertig.com sehr gut auf den Punkt: "Was, wenn Facebook doch das nächste Google ist? Was Google für die Suche war, kann Facebook für Personen sein." Noch ist die Frage, ob Facebook das nächste Google wird, völlig offen. Es gibt diverse Indizien, die dagegensprechen, aber auch einige, die eine solche These untermauern. Daher ist es wichtig, bei der Beurteilung des Erfolgs nutzerstarker, aber wirtschaftlich bisher erfolgloser Web-2.0-Anbieter das große Ganze zu sehen: eine rasante und teilweise unkontrollierte Veränderung der Medienwelt, in der nicht die Entwicklung als solche in Frage gestellt werden darf – sie ist sowieso unaufhaltsam – sondern in der Strategien zur nachhaltigen Wertschöpfung gefunden werden müssen. Und das wird geschehen. Die Frage ist wer und wann.

Foto via Flickr/rileyroxx

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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