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10.12.07Leser-Kommentare

Social Network Badoo: nie gehört, aber über 12 Millionen Mitglieder

BadooEs gibt Seiten, deren Userzahlen man dank permanenter Präsenz in Blogs und anderen Medien höher einschätzen würde, als sie es eigentlich sind. Und dann gibt es Seiten, deren Namen man kaum oder nie hört, denen es aber trotzdem gelungen ist, eine beachtliche Nutzerschaft aufzubauen. Badoo ist so eine. Mir war dieses mehrsprachige Social Network mit Sitz in London bis vor wenigen Tagen völlig unbekannt. Nachdem Badoo aber in Googles Liste der weltweiten Suchbegriffe mit den größten Zuwachsraten im Jahr 2007 nach dem iPhone und noch vor Facebook auf dem zweiten Platz landete, war mein Bedürfnis groß, mehr über diesen Service zu erfahren. Schon auf der Startseite wird stolz auf die aktuelle Mitgliederzahl von mehr als 12,4 Millionen Menschen hingewiesen. Damit gehört der Dienst mutmaßlich zu den zehn größten sozialen Netzwerken weltweit. Ein Blick auf die Alexa-Statistik gibt die Antwort auf die Frage, warum Badoo in der deutsch- und englischsprachigen Onlinewelt bis heute ein unbeschriebenes Blatt ist und trotzdem eine derartige Google-Karriere machen konnte: Mit Ausnahme von Tunesien, woher laut Alexa rund 8,2 Prozent der Badoo-Nutzer kommen, gehören die anderen neun der Badoo-Top-10-Länder zum romanischen Sprachraum: 14,4 Prozent der Nutzer sind Italiener, es folgen User aus Venezuela, Frankreich, Chile, Spanien, Dominikanische Republik, Kolumbien, Argentinien und Mexiko. Nur 0,8 Prozent der Seitenaufrufe kommen aus den USA. User aus Deutschland und Großbritannien – wo Badoo gegründet wurde bzw. zumindest registriert ist – haben einen noch geringeren Anteil.

Einmal mehr wird deutlich, dass sich das Web 2.0 schon lange nicht mehr nur auf den englischen (und für uns deutschen) Sprachraum beschränkt. Die Top-Position von Badoo im Google-Ranking lässt einen starken Mitgliederzuwachs für 2008 erwarten. Auch bei der Beurteilung von Facebooks Wachstumspotential in Europa muss Badoos Erfolg berücksichtigt werden. Besonders in Italien, wo Badoo laut Alexa auf Platz 11 der am häufigsten aufgerufenen Seiten rangiert (zum Vergleich: studiVZ liegt in Deutschland auf Platz 6), sollten Netzwerkeffekte den Markteinstieg für andere Social Networks erschweren (wobei Badoo als Social Network recht wenig zu bieten hat und damit die Bindung der User an die Seite hinterfragt werden kann). Alexas Statistiken müssen zwar grundsätzlich mit Vorsicht genossen werden, zeichnen aber in diesem Fall zusammen mit dem Google-Ranking und Google Trends ein eindeutiges und verlässliches Bild.

Abgesehen vom ansprechenden, aufgeräumten Flash- und AJAX-Design und typischen Social-Networking-Funktionen mit einem klaren Schwerpunkt auf Flirten fällt auf, dass Badoo komplett auf das Einblenden von Werbung verzichtet. Bei meiner Badoo-Recherche bin ich im Netz auf Vorwürfe von Nutzern gestoßen, nach denen Badoo Spam-Mails von Werbepartnern verschickt. Angeblich soll sogar versucht werden, ohne Authorisierung an die E-Mail-Adressbücher von Mitgliedern zu gelangen, um Einladungen an deren Kontakte zu senden. Was dran ist, kann ich nicht beurteilen. Allerdings lässt der folgende AGB-Punkt erahnen, dass es Badoo mit der Weitergabe von Nutzerdaten eher locker nimmt und die moralische Grenze recht niedrig ist: "We do not sell or rent out any personal information about you to any third party (excluding affiliates, parent company, subsidiaries or members of Partner programs) without your permission." Wer also angesichts der leicht bekleideten Italienerinnen und Spanierinnen auf der Startseite das Bedürfnis verspürt, sich anmelden zu müssen, sollte dafür sicherheitshalber eine Wegwerf-E-Mail-Adresse nutzen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Heiko

    10.12.07 (18:39:29)

    Wahrscheinlich kennst du badoo noch nicht, weil die Seite selbst auch eher unbekannt ist und wie du ja auch selber gesehen hast, vor allem in Italien, Spanien etc. aktiv ist ;-) Bislang war es eigentlich ein sehr schlichtes, normales Community-Design mit herkömlichen Community-Funktionen. Die neue Software und das neue web2.0-Outfit hat badoo erst seit, öhm, August oder September diesen Jahres. Über die Umstellung sollen die Mitglieder wohl anfangs auch überhaupt nicht glücklich gewesen sein *g* Gestartet ist badoo übrigens Anfang 2006 und das schnelle Wachstum liegt sicherlich an dem schönen Partnerprogramm ;-) badoo bietet ein White-Label Partnerprogramm an, womit es möglich ist, die Seite zu 100% auf einer eigenen Domain einzubinden. Über Links wie badoo.irgendeine-seite.de stolpert man im Internet sehr oft ;-) Leider habe ich jetzt im neuen Design keine Infos mehr zum Partnerprogramm finden können, bis auf den Hinweis "...oder Mitglieder unseres Partnerprogramms" bzw. "or members of Partner programs" unter "Datenschutz", wie du ja auch selbst gesehen hast. ;-) Und falls dir noch mehr Social-Networks entgangen sind, vor 1 1/2 Monaten wurde auf mashable.com eine sehr umfangreiche Liste von eben solchen veröffentlicht. Da es nicht meine Seite ist, hoffe ich, ist es erlaubt, das ich den Link hier mal poste...? http://mashable.com/2007/10/23/social-networking-god/ Grüße, Heiko

  • Martin Weigert

    10.12.07 (19:43:39)

    Klar ist es erlaubt. Danke für diese Details.

  • Philipp

    13.12.07 (04:48:56)

    Bin auch die Tage drpber gestolpert und dachte mir "Wer bitte ist das??" :D

  • crashover

    03.03.11 (06:02:13)

    Ja und heute morgen bekam ich eine Mail von einer Kathrin. Merkwürdigerweise war meine E-Mail Adresse bei "Passwort vergessen?" nicht hinterlegt, somit kann ich sicher sein mich nie registriert zu haben. Habe es dann aber mal gemacht um zu sehen was angeblich die Kathrin schreibt, die mir Tipps für Badoo gegeben hat. Sehr interessant fand ich : daß dort Leute aufgelistet waren (könntest du kennen Feature), die wiederum aus der Liste meines Live Messengers Accounts gekommen sein muss (das gleiche hat Facebook ja auch schon gemacht). Sehr unseriös meiner Meinung nach.

  • Frank

    09.02.12 (10:52:09)

    Bei Badoo sind, meinen über mehrere Monate andauernden Recherchen zufolge, mind. 85% der Mitglieder Fakes. Stößt man sich daran ober beschwert sich gar, wird man aus der Community (wobei das Wort im Sinne der Bedeutung hier sicherlich höchst unpassend ist) verbannt. Das lässt mich zu dem Schluss kommen das die Fakeprofile geduldet, oder aus rein Statistischen Gründen gewollt sind. Mir drängte sich, nach Auswertung meiner gesammelten Daten, der Verdacht auf das die Fakeprofile gezielt von den Inhabern als Lockvögel eingestellt werden. Mein Fazit: Bei Badoo gibts fiese Fallen statt flotte Flirts. Wenn es den Begriff Asocial Network gäbe...wäre das die absolut treffende Bezeichnung für Badoo!

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