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14.04.08

Sind Micropayments der Segen für das Web 2.0?

micropaymentsMein Beitrag zum Problem mit der Gratiskultur im Web hat eine interessante Diskussion nach sich gezogen. Eine Schlussfolgerung, bei der sich die Kommentatoren weitgehend einig waren: Die Existenz einer tauglichen und wirtschaftlich tragfähigen Micropayment-Lösung könnte dem Internetgeschäft dabei helfen, sich von der Festklammerung an der mit Risiken behafteten Werbefinanzierung zu verabschieden. Diesen Aspekt möchte ich noch ein wenig näher beleuchten. Als Micropayment bezeichnet man die Bezahlung von Kleinstbeträgen. Bis heute besteht das Problem, dass sich für Onlineanbieter die einzelne Abrechnung einer Summe im Centbereich wirtschaftlich nicht lohnt. Egal ob man Nutzer über die Kreditkarte, Handyrechnung oder über alternative Zahlungsanbieter wie PayPal bezahlen lässt: In der Regel übersteigen die vom jeweiligen Dienstleister geforderten Gebühren für die Transaktion die vom User zu zahlende Summe.

 

Das ist schade, denn die Einsatzgebiete des Micropayments für Internetanbieter sind vielseitig. Für qualitativ hochwertige Angebote, die dem User einen Mehrwert liefern, wären folgende Anwendungen vorstellbar:

- Ein Blogbetreiber bietet einen kostenlosen RSS-Feed mit Artikelanriss und für monatlich 30 Cent einen, der die kompletten Beiträge enthält.

- Ein Social Network lässt seine Mitglieder (personalisierte) Werbung für 50 Cent pro Monat deaktivieren.

- Ein Musiker bietet sein neues Album für 20 Cent pro Song zum Download an.

- Ein Videoportal ermöglicht den Upload von besonders langen Videos für jeweils 5 Cent.

- Auf der Website eines TV-Senders können Nutzer Programme streamen: mit Werbung kostenlos, ohne Werbung für jeweils 5 Cent.

 

Comic von 2001: Micropayments

und die Auswirkungen

auf Musiker und Künstler. Sieben Jahre alt aber

aktueller denn je.

Unabhängig davon, ob diese Beispiele und Beträge realistisch anmuten oder nicht, bietet der Einsatz einer Micropayment-Lösung für Startups und etablierte Webdienste die Möglichkeit, weiterhin ihre Angebote gratis zu vertreiben und zusätzliche Premium-Funktionen zu integrieren, die Anwender bei Bedarf "on Demand" und ohne weitere Verpflichtungen in Anspruch nehmen können. Der Wikipedia-Artikel zum Micropayment gibt diesbezüglich zu bedenken, dass sich aus Konsumentensicht der geistige Aufwand des Abwägens, ob sich die jeweilige Investition wirklich lohnt, in Anbetracht des niedrigpreisigen Gutes als zu kostspielig herausstellen kann. Umso wichtiger ist es, dem Nutzer die Entscheidung durch eine überzeugende Anpreisung der Leistung, das Anbieten eines wirklichen Zusatznutzens und durch einen kinderleichten, schnellen Zahlungsprozess einfach zu machen.

Welche Kriterien müsste eine Micropayment-Lösung erfüllen, um sowohl aus Anwender- als auch aus Unternehmersicht attraktiv und potenziell erfolgreich zu sein?

Aus Unternehmersicht:

- Keine Einrichtungspauschale und keine fixen Gebühren

- Kostenlos bis zu einem bestimmten monatlichen Umsatz, darüber geringe prozentuale Gebühren

- Schnelle und unkomplizierte Auszahlung

Aus Nutzersicht:

- Einfach, einfach, einfach! Maximal zwei Klicks (1. Kaufen 2. Bestätigen)

- Sicher: Minimierung des Betrugsrisikos

- Datenschutz: höchstmögliche Anonymität und Schutz der Userdaten

Es ist reine Ironie, dass ein Dienst, der werbefinanzierten Webservices eine Alternative zum Kostenlosfokus eröffnen soll, selbst gratis sein und auf eine Vermarktung seiner Plattform setzen müsste. Eine weitere Hürde, die es zu bewältigen gilt, ist die für User wichtige Kombination von Einfachheit, Sicherheit und Datenschutz. Dies zu Realisieren, erfordert viel Kreativität und Know-how über das komplexe, globale und doch von nationalen Gesetzen und Reglementierungen geprägte Banken- und Zahlungssystem.

Die primäre Frage ist also, ob ein solcher alle Ansprüche erfüllender Micropaymentservice überhaupt technisch und organisatorisch durchführbar ist. Die zweite Frage: Wie locker säßen bei euch die Cents, wäre die kostenpflichtige Inanspruchnahme von oben beschriebenen Zusatzleistungen tatsächlich einfach, schnell und sicher durchführbar?

Foto von Charlie Brewer via Flickr

Update: Passend zum Thema: Allen Stern stellt bei CenterNetworks die berechtigte Frage, welche Ansprüche User an einen kostenlosen Dienst im Alpha- oder Beta-Stadium eigentlich stellen können.

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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