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11.11.07

simfy startet Social Network zum legalen Hosting und Sharing der eigenen Musiksammlung

Für Einladungen zur simfy-Beta siehe Ende des Artikels

simfy2007 ist das Jahr der Musikhosting- und -sharingdienste. Ob Deezer, Ezmo, Anywhere.FM, MediaMaster oder Spool.fm – überall im Netz entstanden in den vergangenen Monaten kostenlose Services, die den Upload der eigenen Musiksammlung sowie das Stöbern in den MP3-Archiven von Freunden ermöglichen. Das Problem: Nur in seltenen Fällen ist die Rechtslage wirklich geklärt. Manch ein Anbieter bezeichnet sich selbst als legal, vergisst dabei aber, dass seine Abmachung mit einer nationalen Rechteverwertungsgesellschaft in anderen Ländern möglicherweise ungültig ist. Die Gesetzgebung hinkt der rasanten technischen Entwicklung stark hinterher. Aus Mangel an einer deutschen Alternative mussten hiesige User, die gerne ihre Musik im Netz ablegen wollten, bisher dennoch auf einen ausländischen Anbieter ausweichen und sich damit in eine rechtliche Grauzone begeben. Ab Montag ändert sich das. Dann startet mit simfy ein Startup aus Berlin seinen kostenlosen Dienst zum Speichern und Teilen der eigenen Musiksammlung im Netz. Die beiden Geschäftsführer Christoph Lange und Steffen Wicker sowie ein Team von mittlerweile acht Leuten haben mit Unterstützung einiger Business Angels und Universitäts-Lehrstühle seit Anfang 2007 an simfy geschraubt und finden, dass die Zeit nun reif ist, ihre Entwicklung den Musikliebhabern in Deutschland zu präsentieren. Christoph Lange beschreibt den Dienst so: "simfy ist deine Musik an einem Ort und trotzdem von überall abrufbar. simfy lässt dich deine Musik mit Freunden teilen, legal und ohne schlechtes Gewissen. simfy heißt neue Musik entdecken, ganz einfach – automatisch und mit wenigen Klicks."

User können bei simfy also ihre Musiksammlung hochladen. Im Moment steht jedem unbegrenzter Speicherplatz und unbegrenztes Datenvolumen beim Upload und Streaming zur Verfügung. Hochgeladene Titel dürfen nicht größer sein als 20 MB. Zu Beginn ist ausschließlich der Upload von ungeschützten Songs (DRM-frei) möglich. Diese können sowohl bei Online-Musikshops erworben als auch selbst von CD erstellt worden sein. Alle bei simfy abgelegten Titel dürfen beliebig oft gestreamt werden, ein Download ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich. simfy-Benutzer können andere User als Freunde hinzufügen und haben dann ebenfalls Zugriff auf deren Musikarchiv. Sozusagen als Sahnehäubchen hat jeder Neunutzer nach der Registrierung automatisch einen Freund mit Namen "simfy Blog Tracks" und durch ihn Zugriff auf Titel aus 1.300 Musikblogs.

(Zum Vergrößern klicken)

Alle verfügbaren Interpreten, Titel und Alben – egal ob selbst hochgeladen oder von Freunden – können über die Suchefunktion gefunden und in Playlists organisiert werden. Zu vielen Musikstücken lassen sich Songtexte, Bilder und Fotos des Interpreten sowie Videoclips anzeigen. Wer einen speziellen Track unbedingt besitzen möchte und sich nicht mit dem Streaming zufrieden gibt, für den hat simfy eine praktische Funktion, mit der die Verfügbarkeit des Songs in 22 Online-Musikshops inklusive Preisvergleich angezeigt wird. Per Direktlink gelangt man dann zum Shop seiner Wahl.

Ähnlich wie Ezmo beruft sich simfy bei der Legalitätsfrage auf das Recht auf Privatkopie gemäß § 53 UrhG. Laut Christoph Lange ist demnach die Vervielfältigung von Musikstücken zum privaten Gebraucht gestattet und auch eine Weitergabe an Dritte erlaubt, solange die Kopien im privaten Bereich verbleiben und nicht an flüchtig Bekannte weitergegeben werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, befindet sich simfy auch in Verhandlungen mit der GEMA und GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) und erfüllt deren Auflagen zum Internetstreaming. "Nutzer brauchen keine Bedenken bezüglich einer Illegalität von simfy haben", so Christoph Lange. Er gibt aber zu bedenken, dass durch die Nutzung von simfy illegal bezogene Musiktitel (z.B. aus Tauschbörsen) nicht nachträglich legalisiert werden: "Wir erwarten von unseren Nutzern, dass sie sich fair verhalten und nur legal erworbene Musik aufsimfy nutzen."

Die am Montag startende Beta von simfy wird vorerst nur mit einer Einladung zugänglich sein. Zum einen sind noch nicht alle geplanten Funktionen komplett fertig und an der ein oder anderen Stelle innerhalb der Plattform wird noch gebaut, zum anderen möchte man vermutlich auch eine gute Performance für alle simfy-Nutzer sicherstellen und schauen, wie sich das anfallende Datenvolumen entwickelt. Für das Hosting und Streaming nutzt man Amazons bei Web-2.0-Diensten immer beliebter werdenden Simple Storage Service (Amazon S3).

Dass simfy bei deutschen Usern ein Erfolg werden wird, daran zweifle ich nicht. Für einen Musikfan wie mich, der gerne und viel Musik am Computer hört und verschiedene Rechner nutzt, hat ein ernstzunehmender Service dieser Art in Deutschland bisher gefehlt. Einen einzigen Verbesserungsvorschlag habe ich aber: im aktuellen Beta-Zustand ist die Angabe seines Vor- und Nachnamens Pflicht. Während das bei Facebook und studiVZ kein Problem darstellt und Teil des Erfolgsrezeptes ist, halte ich dies bei simfy für völlig unnötig und sogar kontraproduktiv. Online-Musik ist ein Bereich, in dem User mit einer ständigen Kriminalisierung ihres Handelns konfrontiert sind. Auf manch einen könnte der Zwang zur Angabe des Vor- und Nachnamens (selbst wenn dieser nicht validiert wird) abschreckend wirken.

Für die nächsten Monate steht für das simfy-Team der Ausbau der Plattform sowie die Entwicklung eines mobilen Players, dessen Launch für März 2008 geplant ist, auf dem Programm. Auch plant man Partnerschaften und Kooperationen mit Social Networks mit dem Ziel einer Integration von simfy in einzelne Communities und einer Vermarktung des Dienstes. Finanzieren möchte sich simfy durch Affiliate Partner (Online-Musikshops, Ticketanbieter), klassische Banner- und Audio-Ads sowie kostenpflichtige Premium Services. Im Moment ist simfy noch werbefrei.

Für alle, die neugierig geworden sind, habe ich nun zehn Einladungen zur Beta von simfy. Wer interessiert ist, meldet sich wie üblich in den Kommentaren.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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