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02.11.07

OpenSocial offiziell gestartet – mit MySpace! Aber worum geht es Google eigentlich?

AKTUALISIERT

OpenSocial , Googles Initiative zur Bereitstellung verschiedener Schnittstellen, die die Entwicklung externer Applikationen für eine große Zahl sozialer Netzwerke und Web-2.0-Dienste ermöglicht, ist jetzt offiziell gestartet. Überraschenderweise gehören auch das weltweit nutzerstärkste Social Network MySpace sowie das besonders in Großbritannien angesagte Bebo zum Kreis der OpenSocial-Partner. Damit erscheint das Vorhaben, welches am Mittwoch ohne die Teilnahme von MySpace und Bebo bekannt wurde , noch bedeutsamer, als dies vor zwei Tagen der Fall war. Laut Google hat man ein Jahr lang hinter verschlossenen Türen an OpenSocial gearbeitet. Auch die Partizipation von Xing steht mittlerweile fest. Xings CEO Lars Hinrichs meldete sich bereits gestern im openBLOG mit der Bestätigung zu Wort. Die Liste der bisher bekannten Partnerseiten, bei denen entwickelte Applikationen funktionieren werden, sieht damit so aus:

orkut

Salesforce

LinkedIn

Ning

Hi5

Plaxo

Friendster

Viadeo

Oracle

Bebo

Xing

Six Apart

Tianji

Hyves

imeem

 

Angblich hat Plaxo seinen Nutzern als erster OpenSocial-Teilnehmer die Möglichkeit eingeräumt, Applikationen einzubinden. Auch für Googles eigenes Social Network orkut soll dies bereits möglih sein. Ning soll in Kürze folgen. Eine Liste aller Partner (inklusive aller Dienste, die bereits jetzt Applikationen entwickeln werden bzw. wollen) gibt es hier. Eine Sammlung von Beispiel-Applikationen ist hier zu finden.

Hatte man noch vor einer Woche mit der Ankündigung von Facebooks Werbevermarktungsplattform vermutet, dass auch das kommende halbe Jahr ganz im Zeichen des Dienstes aus Palo Alto stehen würde, stellt sich die Situation auf dem globalen Social-Networking-Markt schlagartig völlig anders da: alle, angeführt von Google, gegen Facebook. Google hat es geschafft, Facebooks vor einem halben Jahr gestartete und allgemein als DIE Innovation 2007 betrachtete Entwicklerplattform, für die es mittlerweile mehr als 5.000 externe Applikationen gibt, zumindest für einige Tage in den Schatten zu stellen. Facebook selbst bleiben nicht viele Alternativen: entweder so weitermachen wie bisher und darauf hoffen, dass auch OpenSocial den weltweiten Internetnutzern nicht mehr Vorteile bietet als Facebooks eigenes Netzwerk, oder sich Google anschließen. Inwieweit dies möglich ist, weiß ich nicht – immerhin besitzt man seine eigene, extrem erfolgreiche Entwicklerplattform, die sich möglicherweise (technisch) nicht mit OpenSocial vertragen würde (Erick Schonfeld bei TechCrunch sieht darin kein Problem). Außerdem hat gerade erst Googles größter Konkurrent Microsoft in Facebook investiert und würde es sicher nicht begrüßen, wenn Facebook sich nun dem Erzfeind unterwerfen würde.

Aus Nutzersicht sollte man ruhig abwarten, was OpenSocial mit sich bringt. Facebook hat mit seiner Plattform einen sechsmonatigen Vorsprung sowie eine starke und aktive Nutzerschaft. Die mehr als 5.000 Applikationen bieten eine Vielfalt, die OpenSocial so schnell nicht erreichen wird, zumal auch dort die allgemein als nervig empfundenen "Spam-Applikationen" (Vampire, virtuelle Biere, Oktoberfest etc.) auftauchen werden.

In der allgemeinen Euphorie über das offene Netz geht ein Punkt völlig unter: Auf einen Schlag erhält Google Zugriff auf ausgewählte Profildaten der Nutzer aller beteiligten Social Networks (bzw. zumindest auf die, die externe, über die Google-Schnittstellen abgewickelte Applikationen in ihr Profil integrieren). Ist das wirklich eine gute Entwicklung? Zum einen verstärkt es meine Bedenken über eine zu große Konzentration von Informationen bei einem einzigen Anbieter, zum anderen besteht die Gefahr, dass sich Nutzer dessen nicht einmal bewusst sind, wenn sie eine beliebige Applikation im Social Network ihrer Wahl verwenden.

Auch darf man nicht vergessen, dass Google OpenSocial nicht aus ideellen Gründen an den Start gebracht hat. Kurzfristig war es ein (kluger) Schritt, um der um sich greifenden Facebook-Dominanz etwas entgegenzusetzen. Mittel- bis langfristig wird Google jedoch bestrebt sein, monetär von OpenSocial zu profitieren. Und welche Möglichkeit bietet sich da mehr an, als es so zu machen, wie Facebook mit seiner eigenen Werbeplattform auch plant: Der Plattform-Initiator setzt auf der Festplatte des Benutzers ein Cookie mit Angaben aus dessen Profil (Alter, Geschlecht, Wohnort, Interessen etc.). Mit diesen Informationen werden die auf nahezu jeder kommerziellen (und manch einer privaten) Website platzierten Google-AdSense-Textanzeigen auf den jeweiligen Seitenbesucher maßgeschneidert. Die selbe Verfahrensweise ist auch bei allen Webangeboten zu erwarten, die von Doubleclick mit Bannern und anderen Werbemitteln versorgt werden. Google hatte Doubleclick im April für 3,1 Milliarden Doller übernommen .

Ich sage nicht, dass dieses individuelle Anpassen von Anzeigen an den jeweiligen Rezipient schlecht ist. Aus Marketingsicht birgt es enormes Potential, und ein männlicher Internetnutzer sollte sich freuen, wenn er keine Werbung für ein klassisches Frauenprodukt zu Gesicht bekommt, obwohl er sich auf einer Frauenwebsite herumtreibt und vice versa. Auch muss sich erst noch zeigen, welche Informationen Google tatsächlich aus den beteiligten Social Networks gewinnen kann. Selbst wenn dies in der aktuellen Phase von OpenSocial noch komplett unterbunden würde, so ist es aber zweifellos Googles Ziel, früher oder später an die Nutzerdaten der Networker zu gelangen und damit seine primäre und einzige nennenswerte Erlösquelle langfristig abzusichern: Onlinewerbung. Verwerflich ist das nicht, aber man sollte es sich ins Gedächtnis rufen, wenn man dabei ist, Google wegen seiner Initiative zum offenen Netz zu loben.

Eine Übersicht über die Berichterstattung deutscher Blogs und Onlinemedien zum Thema OpenSocial gibt es bei Brandkraft .

Google hat ein einstündiges Video bereitgestellt, das OpenSocial im Detail erklärt:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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