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26.06.07Leser-Kommentare

Nach dem großen Coup - wie geht es weiter mit Facebook?

Facebook hat sich für externe Applikationen geöffnet und damit alles richtig gemacht. Bereits jetzt ist Facebook DAS Social Network 2007. Doch der Erfolg wirft Fragen auf: Wann wird die bisher von verschiedenen Investoren getragene Plattform aufgekauft? Wird Facebook auch in Europa aktiv? Wie entwickelt sich dann das Verhältnis von Facebook und StudiVZ?

facebook_logo.gifVor einem Monat öffnete das Social Network Facebook seine Plattform für externe Entwickler. Bereits jetzt steht fest, dass dies ein unglaublich cleverer Zug des 24-jährigen Facebook-Chefs Mark Zuckerberg und seines Teams war. Mittlerweile stehen hunderte externe Applikationen bekannter Webanbieter zur Verfügung, die von Facebook-Nutzern komfortabel in das eigene Profil integriert werden können. Die Öffnung des Netzwerkes sorgte für ein enormes Medienecho, was die in letzter Zeit ohnehin schon stark steigenden Userzahlen explodieren lies. Die Statistiken von Alexa und Compete belegen dies. Laut Competes Schätzung wurde Facebook im Mai 2007 von 20 Millionen einzelnen Internetnutzern besucht. Zum Vergleich: Bei Big Player MySpace waren es 67 Millionen, bei YouTube 43 Millionen. Nach den gestern von Comscore veröffentlichten Zahlen lag Facebook im Mai sogar bei 47 Millionen (Dezember 2006: 22 Millionen) Besuchern. Die Tendenz ist eindeutig.Bereits jetzt kann man Facebook ruhigen Gewissens als DAS Social Network 2007 bezeichnen. Unabhängig vom Ausgang des eingeleiteten Konkurrenzkampfes zwischen Facebook und MySpace kreisen mir Facebook betreffend seit einiger Zeit zwei Fragen im Kopf herum:

1) Wann wird Facebook aufgekauft?

2) Wird Facebook auch in Europa aktiv? Wenn ja, was geschieht mit StudiVZ?

Die erste Frage wurde bereits häufig diskutiert und war Gegenstand wilder Gerüchte. Schon im Dezember vergangenen Jahres munkelte man, Yahoo hätte Interesse an Facebook. Doch daraus wurde nichts. Nach dem aktuellem Coup und der nicht unrealistischen Möglichkeit, in mittlerer Zukunft zum größten Social Network weltweit aufzusteigen zu können, dürfte Facebook als Übernahmekandidat noch an Attraktivität gewonnen haben. In Anbetracht des guten Übernahmeklimas (eBay/StumbleUpon, CBS/Last.fm , MySpace/Photobucket) und der Tatsache, dass die Facebook-Investoren ihre knapp 40 Millionen US-Dollar irgendwann mit ordentlicher Rendite zurück haben wollen, ist ein Kauf von Facebook wohl nur eine Frage von einigen Monaten, wenn nicht nur Wochen.

Wer könnte also einen neuen Übernahmeversuch machen? Google steht (natürlich) ganz oben auf der Liste. Immerhin hat man im Social-Networking-Bereich bisher sehr wenig zu vermelden. Auch Yahoo könnte es erneut versuchen, um sich gegen das allgegenwärtige Google zu verstärken. Selbst eBay würde Facebook nicht schlecht zu Gesicht stehen - schon allein, um das neue Feindbild Google nicht weiter an Macht gewinnen zu lassen. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen IT-, Medien- und Werbekonzernen weiter verschwimmen, wären selbst Microsoft und Apple potentielle Käufer.

Die zweite Frage ist jedoch eigentlich die spannendere. Derzeit hat Facebook in Kontinental-Europa keine nennenswerte Verbreitung. Die meisten Nutzer kommen aus den USA, gefolgt von Kanada und Groß Britannien. Das deutsche Netzwerk hat lediglich 37.000 User, davon sind knapp 7000 in der größten Gruppe "StudiVZ - The German Facebook" - bezeichnend. Das zu Holtzbrinck gehörende StudiVZ ist Deutschlands größtes Social Network und hat sich in den letzten Monaten auch in Polen, Frankreich, Italien und Spanien ausgebreitet. Doch bekanntlich ist StudiVZ optisch und in der Funktionsweise stark an Facebook angelehnt. Was passiert also, wenn Facebook eines Tages wirklich auf den europäischen Markt drängen sollte und lokale Versionen starten würde?

Unmöglich ist das nicht. Der englischsprachige Markt ist irgendwann gesättigt. Um eine langfristige Expansion zu ermöglichen, führt kein Weg an Europa vorbei. Die deutsche und die französische Facebook-Domain sind schon seit Monaten registriert. Doch könnten StudiVZ und eine deutsche Version von Facebook koexistieren? Gäbe es für Facebook eine Rechtsgrundlage, gegen StudiVZ vorzugehen - oder gar andersherum, da StudiVZ zuerst hier war und Facebook damit eine Imitation vorwerfen könnte? Würde Holtzbrinck StudiVZ unter Umständen sogar an Facebook verkaufen, um Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen? Wäre StudiVZ theoretisch in Facebook integrierbar?

Möglicherweise werden all diese Fragen nie beantwortet. Entweder, weil Facebook die Finger vom deutschen Markt lässt - schließlich verbrennen sich ausländische Internetriesen hier leicht die Finger. Oder, weil StudiVZ rechtzeitig einem Relaunch unterzogen wird, um sich nicht länger mit den Plagiatsvorwürfen herumschlagen zu müssen. Aber vielleicht kommt es eines Tages doch zum beschriebenen Showdown. Ich freue mich schon drauf!

Siehe auch

MySpace aufgepasst: Jetzt kommt Facebook!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • marcel weiss

    26.06.07 (12:34:38)

    Facebook plant lokalisierte Versionen für die nächsten Monate, wenn nicht Wochen. Wir werden ein deutsches Facebook auf jeden Fall in der zweiten Hälfte von 2007 sehen. Und ich denke, es wird nicht nur global myspace crashen sondern lokal auch studivz. Wer mal beide Versionen verwendet hat, der merkt auch schnell wie technisch überlegen facebook ist, auch vor der Öffnung schon war. Mit der Öffnung, steht facebook zur Zeit als alleiniges Metanetzwerk da, der Nutzen für den einzelnen User ist immens. Es ist ein Meilenstein. P.S.: facebook ist mittlerweile zu teuer für yahoo.

  • Martin

    26.06.07 (13:04:07)

    Marcel, woher hast Du diese Informationen? Klingt sehr spannend!

  • marcel weiss

    26.06.07 (16:02:37)

    Ich hab das die Tage mal auf einem der großen englischsprachigen Blogs gelesen. Da wurde das in einem Absatz erwähnt. Finde den Text aber nicht mehr. Ärgerlich. Will das mal aber eben noch etwas relativieren: Es war nur von lokalen, sprachlich angepassten Versionen die Rede. Länder wurden keine genannt. Kann also auch sein, dass es französische und spanische Versionen gibt aber keine deutsche, Grund siehe flickrfiltr und aktuell gmail...

  • Rafa

    26.06.07 (19:21:59)

    Die hierzulande geltende Gesetzgebung im Vergleich zu der anderer Länder kann ich so langsam immer weniger nachvollziehen. Grenzen schließen? Markt zerstören? Isolieren? Anschließend rumheulen?

  • Martin Weigert

    26.06.07 (20:09:18)

    Man kann nur auf die allgemeine gesellschaftliche Erkenntnis hoffen, dass Technologiefreundlichkeit der Schluss zum Erfolg ist.

  • Michael Osl

    26.06.07 (22:55:46)

    Ein "Showdown", wie du ihn nennst, wäre aus verschiedenen Gründen interessant. Es würden so bestimmt einige spannende Fragen geklärt werden - wie zum Beispiel jene, ob es legitim war, wie StudiVZ sich Facebook zur Vorlage genommen hat. Dass sich auf normalem Wege viele Marktanteile gut machen lassen, wage ich zu bezweifeln. Erstens denke ich nicht, dass sich viele Anwender von StudiVZ darüber im Klaren sind, dass Facebook schon vorher da war. Und warum sollte man zu einem Portal wechseln, dass auf den ersten Blick optisch jenem ähnelt, auf dem man schon lange registriert ist und sich mühsam ein Netzwerk aufgebaut hat? Ohnehin ist die Killerapplikation von StudiVZ ja nicht die Webseite an sich, sondern die schiere Masse an Usern, die dort registriert ist. Der Glücksgriff von StudiVZ war es einfach, zur richtigen Zeit mit der richtigen Marketingstrategie eine große Anzahl an Nutzern aufgebaut haben zu können - und das ist es letztlich, worauf es ankommt. Es gibt im Web nämlich derzeit keinen mir bekannten Fall, wo eine große Anzahl an Nutzern von einem bereits voll etablierten Social Network nachträglich zu einem anderen Dienst übergelaufen wäre. Und somit dürfte es Facebook wohl schwer fallen, hier Marktanteile gut zu machen. Will Facebook sich im deutschsprachigen Raum deshalb also wirklich etablieren (zumindest unter Studenten), dann bliebe dem amerikanischen Original meiner Meinung nach gar nichts weiter übrig als es auf dem Rechtsweg zu versuchen (auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob so etwas überhaupt Aussicht auf Erfolg hätte). Wir dürfen jedenfalls gespannt sein ;)

  • marcel weiss

    26.06.07 (23:14:27)

    Der Netzwerkeffekt ist nicht zu unterschätzen. Allerdings sollte man auch nicht den Fehler machen und glauben die aktuelle Situation ist in Stein gemeißelt. Zuerst war Friendster da, dann kamen Facebook und Myspace. Myspace explodierte aufgrund seiner öffentlich erreichbaren Profile und der Musikplayer. Jetzt explodiert Facebook aufgrund seines größeren Nutzens. Der wird sich irgendwann auch in Deutschland bemerkbar machen. Nicht heute und nicht morgen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit.

  • Holger

    27.06.07 (12:36:14)

    Interessanterweise scheint es bei Friendster auch wieder stark aufwärts zu gehen. Zumindest wenn man sich die Alexa-Zahlen anschaut. Vielleicht haben die sich in eine Richtung spezialisiert? Denke mal, dass die breite Masse ziemlich träge ist. Wenn die eine soziale Plattform nutzen, dann muss schon was "schlimmes" passieren, damit die abwandern. Es gibt ja auch ein natürliches Limit an der Menge der genutzten Plattformen. Schätze mal das dürfte bei 2-3 "gleichen" Plattformen liegen. So ähnlich wie im Instant Messenger Bereich. Da nutzen wohl die meisten auch nur zwei bis max. drei IM-Netze. Hat man drei Netze, dann braucht man fast schon einen Multi-Protokoll-Client. Aggregatoren von sozialen Plattformen werden u.U. zunehmen. Wäre ansich auch nicht so blöd. Ich schreib einfach an meinen Buddy X und egal ob der in Facebook, StudiVZ, XING oder nur bei Myspace ist, der bekommt die Nachricht. Gilt natürlich auch andersrum. Naja, wir werden sehen.

  • Martin

    27.06.07 (12:47:09)

    Hallo Holger. Laut Venturebeat und Techcrunch verbreitet sich Friendster derzeit viral in einigen asiatischen Ländern. Dies ist sicher erheblich für das Wachstum verantwortlich.

  • marcel weiss

    27.06.07 (13:00:19)

    @Holger Vielen scheint noch nicht klar zu sein, dass Facebook sich eben zu genau so einem Aggregator entwickelt. Du bist auf flixster, last.fm, dopplr, blahblahblah? Großartig, verein das alles auf facebook. 1 Million User bei Studivz -dazu eingeschränkt auf Studenten und deren Dunstkreis- sind dann auch nicht soo viel bei 39 Millionen deutscher Onliner. Sie sind 'nur' jetzt im Moment an der Spitze. Und eben Friendster zeigt gerade, dass da immer noch Luft nach oben ist wenn man unerschlossene Märkte findet. Social Networking ist noch lange nicht gesättigt. Eher im Gegenteil. Das bleibt auf jeden Fall spannend.

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