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27.05.07

MySpace aufgepasst: Jetzt kommt Facebook!

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Gerne werfen wir bei zweinull.cc ab und zu einen Blick über den großen Teich und betrachten das Internetgeschehen in den USA. Zum einen, weil die Ausmaße des Onlinebooms dort um ein Vielfaches größer sind als in Europa und zum anderen, weil sich mit der Beobachtung dortiger Internettrends häufig Voraussagen für die Entwicklung des hiesigen Marktes machen lassen.

Das dominierende Internet-Thema der vergangen Woche war der Start einer Entwicklerplattform für das Social Network Facebook. "Facebook Platform" ermöglicht es Drittanbietern, eigene Applikationen zur Integration in die Facebook-Userprofile bereit zu stellen. Für wie wegweisend dieser Schritt gehalten wird, zeigt das US-Presseecho. Sämtliche großen IT- und Internetblogs berichteten in unzähligen Beiträgen über die "Facebook Platform", die verschiedenen verfügbaren Applikationen und Tools und darüber, welche Konsequenzen für Facebook und seine Konkurrenten zu erwarten sind. Viele Newsseiten streamten oder bloggten live von der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag, bei der sich laut Techcrunch mehr als 750 Personen einfanden.Facebook ist mit rund 24 Millionen registrierten Benutzern eine der größten Social-Networking-Seiten im Netz. Nach MySpace (mehr als 100 Millionen User) und Bebo (25 bis 30 Millionen Nutzer) liegt Facebook weltweit an dritter Stelle, was die Zahl registrierter Mitglieder angeht. Täglich melden sich rund 100.000 neue User an. Jeden Monat generiert die Community mehr als 40 Milliarden Seitenaufrufe und liegt damit in den USA vor eBay und direkt hinter Google.

Bis zum Ende des letzten Jahres musste man Student an einer US-Universität sein, um sich bei Facebook anmelden zu können. Seit der Öffnung der Website für Jedermann ist die Zahl registrierter Nutzer, die nicht in den USA leben, stark gestiegen. Die größte Nutzergruppe der Nicht-US-Bürger machen Kanadier mit rund 2,5 Millionen aktiven Usern aus. Dahinter liegen Briten mit 1,4 Millionen Usern. Es folgen Norwegen, Australien, Südafrika, Libanon, Ägypten, Schweden und Indien.

In Deutschland hat Facebook wie nahezu alle Onlinedienste ohne deutsche Sprachversion bislang keine große Bedeutung. Allgemeine Bekanntheit erlangte das Social Network durch den Erfolg von StudiVZ, das sowohl optisch als auch von der Funktionsweise eng an Facebook angelehnt ist. Im November 2006 kamen Gerüchte auf, Facebook wäre am Kauf von StudiVZ interessiert. Dazu kam es allerdings nie.

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Zum Start der "Facebook Platform" nutzen rund 70 Drittanbieter die Möglichkeit, den Facebook-Usern eigene Tools und Funktionen zur Verfügung zu stellen. Zu den Partnern gehören unter anderem Amazon, Digg, FeedBurner, MOG , iLike, Photobucket, Slide , Veoh, Forbes.com und Scribd. Amazon bietet beispielsweise eine Applikation zur Rezension von Büchern. Facebook-Nutzer können diese in ihr Profil einbauen, Bücher bewerten und zum entsprechenden Buch bei Amazon verlinken. Wer die Facebook-Anwendung des Finanzmagazins Forbes.com verwendet, kann Wirtschaftsmeldungen und ausgewählte Börsenkurse in seine Userpräsentation integrieren. Mit Slides Applikation können Benutzer selbst erstellte Slideshows in ihr Profil einfügen oder an Freunde bei Facebook schicken. Eine Liste mit 30 ausgesuchten, erläuterten Anwendungen gibt es hier. Techcrunch berichtete am Freitag, dass einen Tag nach dem Start von "Facebook Platform" die Anwendung des Social-Music-Dienstes iLike am populärsten war. Bereits 40.000 Facebook-User hätten diese Applikation innerhalb der ersten 24 Stunden in ihr Profil integriert.

Facebook macht mit der Entscheidung, die eigene Seite für externe Anbieter zu öffnen, einen großen Schritt in Richtung eines offenen, sozialen Netzwerkes, bei dem alle Seiten Nutznießer sind: Die User erhalten zahlreiche neue Möglichkeiten, ihre Profile mit attraktiven Inhalten zu bereichern und die Interaktion mit anderen aufzupeppen. Internet-Startups können mit einer Integration in Facebook ihre Reichweite erheblich erhöhen. Nicht zuletzt profitiert auch Facebook. Die zahlreichen Anwendungen externer Dienste sorgen für eine starke Bindung der Nutzer an und Identifikation mit Facebook, was zusammen mit der hohen Zahl täglicher Neuanmeldungen ein baldiges Erreichen der 50-Millionen-User-Marke realistisch erscheinen lässt.

Inwieweit Drittanbieter mit ihren Applikationen Geld verdienen können oder dürfen, darüber gehen die Medienberichte auseinander. Tatsache scheint jedoch zu sein, dass externe Anbieter in ihren Anwendungen auf Facebook zumindest in gewissem Maße Werbung einblenden dürfen - solange dies nicht zu Konflikten mit den Anzeigen führt, die von Facebook selbst kommen. Obwohl man annehmen möchte, dass Facebook von sämtlichen durch externe Applikationen generierten Umsätzen eine Provision erhält, so behaupten einige Meldungen das Gegenteil.

Der einzige echte Verlierer von Facebooks Schritt - da sind sich die US-Medien einig - ist MySpace. Rupert Murdochs Social Network fiel in letzter Zeit besonders dadurch auf, in den Nutzerprofilen integrierte Inhalte und namentliche Erwähnungen verschiedener externer Webangebote zu sperren (z.B. Photobucket , Revver, Buzznet). Während Facebook anderen Internetanbietern und Entwicklern die Hand ausstreckt und sie mit ins Boot holt, geht die Tendenz bei MySpace stattdessen hin zu einem geschlossenen System, bei dem alle draußen bleiben müssen, die nicht zum MySpace-Konzern News Corporation gehören. Der einzige wirkliche Vorteil von MySpace ist seine enorme Benutzerzahl. Eine teilweise träge Seite und gelegentliche Serverausfällen, Profile mit einer unflexiblen Struktur sowie das Blocken externer Dienste lassen MySpace im Vergleich zu Facebook allerdings alt aussehen. Der Tenor der US-Medien ist daher einheitlich: Facebook wird zu einer großen Gefahr für MySpace.

Ganz nebenbei verkündete Facebook in der vergangenen Woche außerdem, dass man in Kürze ein Videoangebot starten und in Konkurrenz zu YouTube und andere großen Videoportalen treten wird. Das veranlasst Mashable zu einem deutlichen Statement: "MySpace and YouTube - Be Afraid!"

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Angesichts dieser positiven und fraglos wegweisenden Nachrichten von Facebook steigt die allgemeine Erwartung, nach einer langen Pause und Jahren des Abwartens endlich den ersten großen Börsengang eines Internetunternehmens seit Google zu erleben. Gleichzeitig rückt CEO und Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, verstärkt ins Rampenlicht und wird von einigen einflussreichen Bloggern bereits als der mögliche nächste Steve Jobs (Visionär und CEO von Apple) bezeichnet. Tatsache ist, dass Facebook von nun an mit Sicherheit von allen Seiten genau beobachtet wird. In einiger Zeit wird man bewerten können, ob sich die Strategie eines "Open Social Networks" lohnt. Doch derzeit sieht es nach einem sehr sinnvollen und zukunftsorientierten Vorhaben aus, an dem sich vermutlich der ein oder andere Konkurrent ein Beispiel nehmen wird.

Bleibt nur abzuwarten, ob Facebook internationale Ambitionen entwickelt und irgendwann auch eine deutschsprachige Version bringen wird. Gespannt darf man sein, wie sich dann das Verhältnis von StudiVZ und Facebook darstellen würde. Eventuell wiederholen sich ja die Übernahmegerüchte und werden Wirklichkeit.

Quellen: Facebook Press, Techcrunch, Mashable, Read/WriteWeb, ZDNet

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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