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11.03.08

MusicMakesFriends: neuer Musikdienst mit Major-Label-Unterstützung

MusicMakesFriendsFast heimlich ist vor kurzem mit MusicMakesFriends ein neuer europäischer Musikdienst online gegangen, dessen Start eine womöglich größerer Tragweite hat, als es auf den ersten Blick scheint. MusikMakesFriends (MMF) kann als eine Mischung aus Social Music Networks à la Last.fm oder IMEEM und Anbietern zum Speichern und Teilen der eigenen Musiksammlung (z.B. simfy, MediaMaster) bezeichnet werden. Das in Luxemburg ansässige Startup versucht, die Vorteile der beiden Konzepte miteinander zu vereinen: Nutzer können kostenlos Musik hochladen, die Titel aller Mitglieder anhören, Playlisten erstellen und über die gehörten Songs ihre musikalische "Nachbarn" finden. Das Besondere: MMF hat mit Universal Music, Sony BMG und EMI drei der vier großen Major Labels mit im Boot. Deren komplette digitale Musikkataloge können auf der Seite abgerufen werden. Der "Haken": Wer unbegrenzten On-Demand-Streaming-Zugriff auf die 1,5 Millionen Titel der drei Plattenfirmen samt zahlreicher Independent-Labels erhalten möchte, muss dafür monatlich 8,99 Euro zahlen. MMF teilt seine Nutzer in drei Kategorien ein: Besucher, die sich nicht registrieren möchten, können 20 Minuten lang Songs aus den Playlists der Mitglieder oder nach Musikrichtungen sortierte Radiostreams hören. Wer kostenlos Mitglied wird, erhält zwei Gigabyte Speicherplatz für seine eigenen Musikdateien (und Bilder), die unbegrenzt gestreamt werden können. Außerdem bekommt man zeitlich unbeschränkten Zugriff auf Titel aus Playlisten anderer Nutzer. Wer hingegen "on Demand" spezielle Musikstücke hören, 20 statt zwei Gigabyte Webspace nutzen und MFF ganz ohne Einschränkungen verwenden möchte, muss Premium-Mitglied werden und dafür 8,99 Euro pro Monat zahlen. Die Streams haben dabei mit 128 kbps eine eher bescheidene Qualität.

Man kann das Konzept von MMF aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten. Einzelne Funktionen und Komponenten von MMF finden sich an anderer Stelle im Web zu günstigeren Konditionen (z.B. kostenloses On-Demand-Streaming bei Deezer oder SeeqPod) oder mit weniger Einschränkungen (z.B. keine Speicherbegrenzung bei simfy). Andererseits haben derartige Services keine oder keine so umfassenden Abkommen mit der Musikindustrie und bewegen sich daher in einer rechtlichen Grauzone, was gesetzestreue User von einer intensiven Nutzung abhalten könnte. MMF wäre hier vielleicht ein guter Kompromiss. Das weltweit größte Social Music Network Last.fm bietet zwar mehr Freiheiten für nicht registrierte und nicht zahlende User, der im Januar angekündigte kostenpflichtige Aboservice lässt aber noch auf sich warten.

MusicMakesFriends ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ob der Dienst eine Alternative für Nutzer rechtlich zweifelhafter Angebote darstellt, ist zwar fraglich. Die Ausrichtung auf momentan neun Länder Europas, die Kombination aus persönlichem Musikhosting, legalem Musikstreaming und Social Networking sowie der Wille, auch Gratis-Mitgliedern einen Mehrwert zu bieten, der über eine reine Köderfunktion hinausgeht, verschaffen MMF eine gute Ausgangsposition. Ob es diese nutzt, liegt in den Händen der Luxemburger. Der erste Schritt wäre, im Netz auf sich aufmerksam zu machen. Aber vielleicht passiert das ja noch.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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