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25.04.08

Mobiles Streaming: bald kein Event mehr ohne Live-Übertragung?

BambuserLive-Videostreaming vom Handy ist zwar noch kein weit verbreiteter Trend, aber es klingt spannend und macht neugierig. Die Möglichkeit, von einem beliebigen Ort bewegte Bilder in Echtzeit ins Web zu übertragen, hat ihren Reiz und sorgt für ein Gefühl, wirklich Teil des technischen Fortschritt zu sein. Anfang April stellte ich Bambuser vor, einen Dienst aus Schweden, der im Vergleich zu seinen US-Konkurrenten QIK und Flixwagon bereits für jedermann zugänglich ist und das Streaming über eine Vielzahl von Mobiltelefon-Typen unterstützt. Trotz allen Lobes über die innovative Seite solcher Anbieter muss man zugeben, dass die (dauerhaften) Nutzungsszenarien noch recht begrenzt sind. Klar, in der Entdeckungsphase begeisterte es mich selbst, die Straße entlang zu laufen und das zufällige Treiben zu übertragen. Nachdem aber die erste Euphorie verflogen war, stellte ich mir die Frage, wie oft ich mich eigentlich in Situationen befinden werde, in denen ich oder andere von einem Dienst wie Bambuser wirklich profitieren.

 

Neues Bambuser-Feature: der Live Mixer.

Als ich aber gestern von Bambusers neuestem Feature hörte, war meine Skepsis schnell wieder verschwunden: Ab jetzt ist es möglich, Events anzulegen, dort die Kameras verschiedener Nutzer zu versammeln und unter Einsatz des sogenannten Live Mixers einen aggregierten Stream mit von mehreren Usern aufgenommenen Echtzeit-Videos von einem speziellen Ereignis zu erstellen.

Ein Beispiel: Wer weiß, dass er am 30. April auf einer Konferenz sein und dort einzelne Vorträge streamen wird, legt das entsprechende Event an. Andere Bambuser-Fans, die ebenfalls anwesend sein werden, können auf der Event-Seite ihre Kameras hinzufügen. Während der Veranstaltung erhalten User, die Zuhause geblieben sind, so eine gesammelte Auflistung der verfügbaren Streams. Hier kommt der Live Mixer ins Spiel: Zu diesem hat nur der Ersteller des Events Zugang und kann dort – wenn ich den Blog-Eintrag richtig deute (testen konnte ich das Feature bisher noch nicht) – zwischen den verfügbaren Kameras hin- und herschalten. Das Ergebnis ist ein gemixter Live-Stream auf dem Bambuser-Profil des Users.

Das schwedische Startup geht mit dem verstärkten Fokus auf der Übertragung von Events den richtigen Weg. Während sich das ziellose Filmen und Senden von Geschehnissen mit geringem Unterhaltungsfaktor nicht nach einer guten Basis für langfristigen Erfolg anhört, bieten die neuen Funktionen Usern einen Anreiz, den Service für das organisierte Streamen von kleinen und großen Veranstaltungen zu nutzen. Mal ehrlich: Wäre es nicht abgefahren, wenn zehn Bambuser-User das Finale der Fußball-Europameisterschaft von unterschiedlichen Standorten im Stadion live übertragen und weltweit streamen würden? Allein die Vorstellung zeigt, was auf Rechteinhaber und Betreiber von Exklusiv-Events bald zukommen wird. Gerade für Großereignisse ist nämlich zu erwarten, dass diese sich zu einem Mekka für Live-Video-Reporter entwickeln werden. Verhindern kann das niemand, solange nicht Störsender eingesetzt oder Handyverbote auferlegt werden, was beides eher unrealistisch ist.

Dem Ganzen die Krone aufsetzen würde eine Option, mit der aus den Standortdaten der aktuellen Bambuser-Streams (derzeit wird nur GPS unterstützt, noch nicht die Messung der Entfernung zum Sendemast) eine dynamische Zusammenstellung von Events generiert wird. Streamen urplötzlich mehrere User aus ein und dem selben Gebiet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dort etwas Besonderes passiert. Nicht immer werden Nutzer dies zuvor als Ereignis angelegt haben. Bambuser könnte so die Hotspots eines Landes oder einer Region ermitteln und die Streams von dort prominent platzieren – ein gutes Mittel gegen die gelegentlich aufkommende Langeweile beim Betrachten der willkürlich ausgewählten Videos auf der Bambuser-Startseite.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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