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01.04.08

Mobiles Livestreaming mit Bambuser – vielleicht bald mehr als eine Spielerei

BambuserHier in Schweden lässt sich ein interessantes Phänomen beobachten: Obwohl es wirklich nicht an innovativen nordeuropäischen Webangeboten mangelt, taucht immer mal wieder ein Startup auf, von dem ohne nennenswerte Marketingbemühungen plötzlich jeder spricht. Der Hype beschränkt sich dabei nicht auf die nationale Web-Szene, sondern erfasst schnell auch viele Menschen, die man eigentlich nicht als extrem internetaffin bezeichnen würde. Vor einem Jahr war Jaiku aus Finnland der große Hit, danach folgte die Spotify-Welle (die noch immer anhält) und in diesen Tagen ist es nun der Handy-Streaming-Dienst Bambuser, der schlagartig in aller Munde ist. Mit Bambuser kann man Videos live vom Handy oder der Webcam ins Netz streamen. Während in letzter Zeit mit internationalen Vertretern wie Justin.tv, Kyte und Yahoo Live oder dem deutschen make.tv eine ganze Reihe von Anbietern an den Start gegangen sind, die User ihre mit der Webcam aufgenommenen Clips ins Netz übertragen lassen, ist der Markt für das mobile Livestreaming bisher eher dünn besiedelt. Bambusers Hauptkonkurrenten sind die zwei US-Startups QIK und Flixwagon, denen die Schweden jedoch zwei Dinge voraus haben: Bei Bambuser kann sich trotz Alpha-Phase schon jeder registrieren, während man bei QIK und Flixwagon auf einer langen Warteliste landet. Außerdem laufen die zur Übertragung benötigten mobilen Applikationen von QIK und Flixwagon nur auf einigen Nokia-Geräten. Bambusers Streaming-Client dagegen unterstützt nahezu alle aktuellen Nokia-Handys sowie ausgewählte Symbian-Modelle von Panasonic, Samsung, Sony Ericsson, LG, Lenovo und Motorola.

Fredrik Wass vom schwedischen bisonblog hat eine gute Erklärung dafür, was den besonderen Reiz von Bambuser ausmacht: Noch vor zehn Jahren bedurfte es teurer und professioneller Technik, um bewegte Bilder und Ton in Echtzeit zu übertragen. Heute benötigt man nur noch ein Mobiltelefon. Besonders interessant dürften Bambuser und ähnliche Dienste für Personen sein, die häufig zu Sportveranstaltungen und Konzerten gehen oder an Tagungen und Konferenzen teilnehmen. Mit Bambuser erhalten sie die Möglichkeit, das Event live und unkompliziert anderen Menschen zugänglich zu machen. Die schwedische Zeitschrift Nöjesguiden verwendete Bambuser im Rahmen eines Experiments, bei der eine Mitarbeiterin eine Woche lang ihre Wohnung nicht verlassen durfte. Wie es ihr dabei erging, davon konnten sich Besucher in regelmäßigen Abständen über den Bambuser-Stream informieren.

Mitglieder von Bambuser können ihre Streams in beliebige externe Seiten einbetten und mit den Zuschauern direkt vom Handy aus chatten. Seit kurzem hat man außerdem die Möglichkeit, seine Übertragung mit einem Geotag zu versehen. Über ein Google Maps-Mashup lassen sich Streams direkt nach Region auswählen und anschauen. Die Nutzung des Dienstes ist kostenlos. Informationen zum Geschäftsmodell liegen mir leider nicht vor. Wer die Applikation ausprobieren möchte, sollte über eine Datenflatrate verfügen oder in den Optionen eine geringere Bildqualität auswählen, um nicht am Monatsende nach einem Blick auf die Mobilfunkrechnung seine Bambuser-Sessions zu bereuen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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