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20.08.07Leser-Kommentare

Karriere-Netzwerk Fellowweb und sein Anspruchsdenken

fellowweb.gifEin neues Karriere-Netzwerk sorgt derzeit für Gesprächsstoff in den deutschen Blogs. Fellowweb ist ein kürzlich gelaunchtes Social Network, das Jugendliche bei der Berufs- und Studienwahl unterstützt und sich als eine Art junges Xing positioniert. Drei frischgebackene Uni-Absolventen haben im April die Fellowweb GmbH gegründet und trommeln nun ordentlich für ihren Dienst. In einem Versuch, Neumitgliedern Arbeit abzunehmen, wurde von Fellowweb ein Tool entwickelt, welches die eigenen Nutzerdaten von Xing zu Fellowweb importiert. Mitgründerin Klaudia Buggenthin versichert, dass es sich um einen Filter handelt, der direkt auf die bei Xing erstellte Website zugreift. Ein Zugang zur Datenbank von Xing besteht nicht. Mittlerweile hat Xing Fellowweb auf eine Blacklist gesetzt, die Importfunktion ist damit nicht mehr verwendbar. Laut Klaudia Buggenthin sind damit zehn Tage Entwicklungsarbeit dahin. Anlass genug für Fellowweb, mit einer empörten Pressemitteilung zu reagieren, die mit folgender Behauptung eröffnet: "Die Xing AG folgt dem Beispiel manch unbeliebten Wettbewerbers und schränkt die Freiheit seiner Nutzer ein. Dabei demonstrieren US-amerikanische Vorbilder, dass ein wichtiger aktueller Trend für Soziale Netzwerke darin besteht, Nutzer nicht abzuschirmen und einzuschränken, sondern ihnen Offenheit und Flexibilität zu bieten."

So löblich und nutzerfreundlich die Motive von Fellowweb sein mögen und so schade es ist, dass man nun zehn Tage umsonst an der Importfunktion gearbeitet hat, so unangemessen ist die Empörung über den Vorfall. Allein die Einleitung der Pressemitteilung zeigt, wie man unter Behauptung falscher Tatsachen versucht, Parallelen zu ziehen und Xing als den Bösewicht darzustellen. Mit dem Schritt wird keinesfalls die Freiheit der Xing-Nutzer eingeschränkt - sondern einzig und allein die Freiheit der Fellowweb-User. Und dass Unternehmen sich nicht unbedingt als Wohltäter für Wettbewerber betätigen, ist wirklich weder verwunderlich noch verwerflich. Auch muss gefragt werden, auf welche "US-amerikanischen Vorbilder" sich Fellowweb bezieht - bisher hat sich lediglich Facebook für externe Entwickler geöffnet, allerdings in umgekehrter Richtung zu dem von Felllowweb eingeschlagenen Weg. Facebook erlaubt zwar, dass fremde Anbieter Applikationen für Facebook entwickeln, jedoch nicht, dass Facebook-Profildaten an anderer Stelle verwendet werden können.

Die Denkweise von Fellowweb ist zukunftsorientiert und früher oder später werden sich Social Networks in der gewünschten Form öffnen müssen (siehe dazu Marcel Weiß' Einschätzung als Reaktion auf diesen Beitrag). Doch unauthorisiert einen Filter zum Importieren der eigenen Daten von Xing nach Fellowweb zu entwickeln und sich dann zu wundern, dass dies von Xing nicht toleriert wird (ungeachtet, ob Sicherheits- oder Konkurrenzbedenken zugrunde liegen), ist unangemessenes Anspruchsdenken. Es hätte sich vielleicht gelohnt, vorher nachzufragen, bevor man fast zwei Wochen Zeit in die Entwicklung eines solchen Tools investiert. Davon abgesehen hat sich die Aktion für Fellowweb dennoch mehr als gelohnt. Das Blog-Echo ist beachtlich und lässt Raum für die Vermutung, dass man es darauf angelegt hat, von Xing ausgeschlossen zu werden, um dann mit einer brisanten Pressemeldung aufwarten zu können. Insofern Daumen nach oben, Ziel erreicht! Davon abgesehen hat Fellowweb viel Potential, ein angenehmes Layout und starke Kooperationspartner und somit gute Chancen, sich zu etablieren.

Siehe auch

Xing gibt Details zur Entwicklerplattform bekannt und blockiert Facebook-Applikation

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jasko -- Fellowweb

    20.08.07 (17:31:37)

    Hallo Martin, vielen Dank für Deinen Beitrag. Es mag sein, dass es schwer zu glauben ist, doch wir sind vielleicht etwas naiv an die Sache mit Xing rangegangen. Unsere berufstätigen Nutzer haben uns darum gebeten, solch eine Fkt. einzubauen, woraufhin wir dies taten. Die Nutzer sehen dabei Fellowweb in keinster Weise als einen Wettbewerber zu Xing. Fellowweb ist ein kostenloses Portal, das Jugendliche bei Ihrer Berufs- und Studienwahl unterstützen möchte und keine Business Network Plattform. Der Fehler ist sicherlich auf beiden Seiten zu suchen. Einerseits haben wir uns nun einmal das Recht genommen unseren Nutzern die Fkt. anzubieten, für die Xing leider ein halbes Jahr braucht. Andererseits, hat Xing sich die Freiheit genommen manchen Netzwerken das Recht einzuräumem und uns nicht. Der Unterschied ist folgender: Es gibt Netzwerke, wo die Nutzer eine Art Datenexport machen dürfen, wenn Sie "Premium Mitglieder" sind. Spätestens jetzt sollte man sich fragen, ob die "Blacklist" Aktion von Xing gerechtfertigt ist oder, ob man sich nicht mit uns an einen Tisch hätte setzen sollen. Viele Grüsse aus Vallendar Jasko

  • Martin Weigert

    20.08.07 (19:32:15)

    Hallo Jasko. Vielen Dank auch für Deinen Kommentar. > Andererseits, hat Xing sich die Freiheit genommen manchen Netzwerken das Recht einzuräumem und uns nicht. Das ist interessant. Welchen? Ich denke, Xing ist da momentan einfach generell noch sehr strikt, was den externen Zugriff auf die Daten betrifft. Letzte Woche wurde auch eine unauthorisierte Xing-App bei Facebook geblockt, die das gleiche versucht hat wie Ihr. Und dass Xing dies so handhabt - genau wie zumindest alle mir bekannten Networks (Du wirst mich da jetzt möglicherweise updaten) es tun würden - sehe ich eben nicht als Grund, Xing dafür anzuschwärzen. Denn studiVZ, lokalisten oder wer auch immer hätte auf die gleiche Weise reagiert.

  • sepp

    21.08.07 (04:14:33)

    Denn studiVZ, lokalisten oder wer auch immer hätte auf die gleiche Weise reagiert. Hätten sie?! Vielleicht. Sie hätten allerdings auch Gleiches in umgekehrter Richtung tun können und ein Import-Tool für Fellowweber anbieten. Naja, man kann natürlich auch immer gleich komplett blocken und sich wenig kreativ zeigen ;) .

  • Martin Weigert

    21.08.07 (08:56:59)

    Das hat meines Erachtens nach wenig mit Kreativität zu tun. Auch Social Networks sind Wirtschaftsteilnehmer und müssen ihr Fortbestehen sichern. Die Nutzer und ihre Daten sind nun mal das große Potential eines jeden Social Networks. Mit jedem anderen Netzwerk, dass ein User verwendet, besteht das Risiko eine verringerten Benutzung der bisherigen Community (siehe hier). Das die Anbieter also ihren "untreuen" User nicht noch beim Überlaufen behilflich sein möchten, ist völlig logisch und der Grund, warum bisher noch kein bekanntes Network einen solchen Schritt gegangen ist.

  • Silvio Remus

    21.08.07 (09:40:27)

    Ich seh das jetzt auch nicht so dramatisch wenn ein Xing User seine Daten auf Fellowweb übertragen will. Aber verständlich dass Xing das nicht mag. Trotzdem schön auffällige Aktion ;-) .

  • sepp

    21.08.07 (09:52:06)

    Auch Social Networks sind Wirtschaftsteilnehmer und müssen ihr Fortbestehen sichern. Die Nutzer und ihre Daten sind nun mal das große Potential eines jeden Social Networks. Dem stimme ich natürlich zu. Ich denke nur, Xing hätte auch anders reagieren können. Trotzdem schön auffällige Aktion Denn so ^^ werden es einige sehen, ohne den (notwendigen) wirtschaftlichen Sinn solcher Maßnahmen ;) .

  • Kai Nehm

    21.08.07 (12:03:33)

    Ich habe mir fellowweb vor kurzem angesehen und verstehe XING voll und ganz. Sicher ist die Möglichkeit Profile zu übernehmen wünschenswert, aber man sollte vielleicht einmal bei den anderen Diensten anfragen. Außerdem ist diese Importgeschichte die afaik einzige Möglichkeit, automatisiert nach Kontakten zu suchen. Ein einfacher Adressbuchabgleich wie ihn xing oder facebook anbieten, exisitert nicht. Ich habe das Feature nicht getestet, aber es wird sicher in einem user-generated-spam an alle xing Kontakte enden. Deshalb ist es auch im Interesse der nicht-fellowweb-Nutzer von Xing, dass dies unterbunden wird.

  • Kai Nehm

    21.08.07 (12:16:36)

    Nachtrag: was sagen denn Xing, StudiVZ und SchülerVZ Nutzungsrichtlinen zum Thema Weitergabe von Login und Passwort? Bei strenger Auslegung müsste man wohl alle Nutzer des Features vom eigenen Dienst ausschließen.

  • Jasko

    21.08.07 (23:23:37)

    Hallo Martin, bitte hab Verständnis, dass ich den Namen des Netzwerks nicht nennen möchte, weil wir an einer Deeskalation der Situation interessiert sind. Wahrscheinlich kommt es bald von sich aus zum Vorschein?. Sicherlich sind Netzwerke am Ende des Tages Wirtschaftsunternehmen aber in meinen Augen kommt es darauf an welchen Mehrwert man dem Nutzer anbietet und wo bzw. vielmehr wie man sich finanziell über Wasser hält. Man kann sicherlich darüber diskutieren wie ein Platzhirsch wie Xing auf uns reagieren sollte. Der Punkt ist, dass man am Ende des Tages einfach dem Nutzer den Zugriff auf seine Daten verweigert und alles mit Fadenscheinigen Datenschutzbedenken unter den Teppich kehren will. Die Netzwerke der Web 1.0 Generation sollten sich nicht nur bei der Umsetzung an ihren Amerikanischen Vorbildern richten, sondern auch bei ihrer Entwicklung. Wie will man denn ansonsten mit Facebook oder MySpace mithalten? Ein Schritt in die richtige Richtung ist sicherlich das Netzwerk zu öffnen. Weg von der Ansicht, dass Nutzer bzw. Nutzerdaten einem gehören, hinzu offenen Netzwerken, die sich auf verschiedene Schwerpunkte spezialisiert haben und miteinander verlinkt sind. Ob die Reaktion von Xing gut oder schlecht war, sei dahin gestellt. Weder ich noch irgendjemand von Xing wird dies jemals objektiv betrachten können. Die Ausrede mit Datenschutz in rabiat ausgedrückt Unsinn, da der Nutzer selbst die Daten auserwählt hat, die er kopieren möchte und nur auf die Daten zugegriffen hat, auf die er eh den Zugriff hatte. Wir haben bereits bei der Entwicklung der Datenimport – Funktion entschieden eine Datenexport – Funktion anzubieten, so dass unsere Nutzer auf Wunsch ihre Daten in andere Netzwerke exportieren können. Jetzt kommt es darauf an, dass sich andere Netzwerke mit uns zusammenschließen, so dass wir gut funktionierende Schnittstellen aufbauen können.

  • Martin Weigert

    22.08.07 (09:29:01)

    > Wie will man denn ansonsten mit Facebook oder MySpace mithalten? Das ist ja dann das Problem von Xing. Wenn sich die Situation so darstellt, wie Du sie beschreibst, dann wird Xing sich gegenüber seinen Nutzern rechtfertigen müssen, warum es keine Innovationen gibt. Das muss ja dann nicht die Sorge von Fellowweb sein. Zumal ich noch anmerken möchte, dass MySpace zwar sehr viele User hat, ansonsten aber auch nicht wirklich ein Innovationstreiber ist und auch ebenfalls schon durch das Blocken von Widgets externer Anbieter aufgefallen ist. Um es noch mal zu sagen: Innovation und Öffnung bei Social Networks ist gut. Man kann jedoch keins dazu zwingen. Der Markt muss dafür sorgen. Ich denke auch nicht, dass es gerechtfertigt ist, ein Social Network wegen einer nachvollziehbaren Attitüde anzugreifen, die bei einem Großteil der Anbieter so vorhanden ist, die also eine Art Standard ist.

  • Jasko (Fellowweb)

    22.08.07 (10:37:09)

    Es ist ein Problem von uns allen. Du sprichst die Problematik richtig an, es sind die falschen "Standards", die stillschweigend gelten und genau diese "Standards" müssen wir ändern. Dass dies nicht einfach ist, ist allein durch die Fellowweb/ Xing Debatte wieder einmal klar geworden. Bitte unsere Position nicht missinterpretieren. Wir stellen Xing nicht an den Pranger. Es ist mit das einzige Network in Deutschland, das es geschafft sich ohne Skandale im Markt zu etablieren. Wir schauen gerne hoch zu Xing und freuen uns, wenn uns die Szene als „Xing für Jugendliche“ ansieht. Weder ich noch andere Fellowweb Nutzer werden ihre Mitgliedschaft in Xing kündigen, weil es Fellowweb gibt. Wir bieten dem Nutzer einen ganz anderen Mehrwert als Xing oder andere Netzwerke. In Punkto Offenheit ist aber auch bei Xing ein Nachholbedarf vorhanden. Die Ungleiche Behandlung von Netzwerken und das indirekte Zwingen, Datenimporte nur für „Premium Mitglieder“ zu gestalten ist aus unserer Sicht nicht fair und zwar nicht nur uns, sondern insbesondere den Nutzern gegenüber. Berufstätige machen einen relativ geringen Anteil unserer Zielgruppe aus, da die meisten bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen. Daher geht es hier nicht um Nutzerakquise sondern darum, dass wir alle umdenken müssen. Wir werden unseren Nutzern weiterhin den Service anbieten, sich auszusuchen welche ihrer Daten sie einfach rüberkopieren möchten, denn schließlich sind es immer wieder unsere Nutzer, die uns auf diese Thematik ansprechen. Die Größe eines Netzwerks sollte nicht den Grad der Offenheit bestimmen, sondern vielmehr der Wille im Sinne der Nutzer zu handeln. Keiner kann die Nutzer auf Ewig mithilfe der AGB und ähnlicher Mittel im Netzwerk abschirmen und einsperren. Diese Denkweise ist einfach veraltet und bremst den Fortschritt aus. Wir sind dabei eine Umwandlung der Netzwerke in Deutschland mitzuerleben aber wir müssen uns einfach beeilen, bevor die Bomber mit 180 Mio. bzw. 30. Mio. Nutzern hier auf dem Markt sind. Dann wird es für ein Umdenken zu spät sein.

  • Martin Weigert

    22.08.07 (10:50:11)

    Vielleicht bietet sich ja doch noch die Möglichkeit eines Austauschs zwischen Xing (oder einem anderen Anbieter) und Fellowweb. Sicher schadet es dem Web 2.0 nicht, ein paar Visionäre an Bord zu haben, die Dinge anders angehen wollen. Nun liegt es an Euch, dies glaubwürdig allen Beteiligten zu vermitteln und selbst mit gutem Bespiel voran zu gehen.

  • Jan Thomas Otte

    29.09.10 (16:25:31)

    Das Größe nicht die alles entscheidende Norm für den Erfolg oder Misserfolg von Online-Portalen ist, gut zu wissen! Eine Frage an die Betreiber von Communities: Was ist mit Geschichten über Karriere, die auch Scheitern einschließen?

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