<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

08.05.08

Ist Pownce das bessere Twitter?

pownceVorweg: Eine endgültige Antwort auf diese Frage werdet ihr in diesem Beitrag nicht erhalten. Jedoch erfahrt ihr, warum Pownce mehr Substanz hat als Twitter und deshalb eine ernstzunehmende Konkurrenz für den in der Social-Web-Szene omnipräsenten Microbloggingdienst darstellt. Wie Twitter stammt auch Pownce aus San Francisco und erlebte zum Launch im Sommer 2007 einen Hype in der US-Blogosphäre , der dann jedoch schnell abebbte. Seitdem erhält Twitter, das bereits etwas länger existiert, die geballte Aufmerksamkeit der Web-2.0-Community. Trotz zahlreicher Ausfälle und eines recht begrenzten Funktionsumfangs sorgten die berühmten Netzwerkeffekte dafür, dass sich jeder am Microblogging interessierte Nutzer bisher Twitter anschloss. powncescreenNachdem VentureBeat gestern über zwei neue Pownce-Features berichtete, habe ich mich erneut mit dem Dienst auseinandergesetzt und im Gegensatz zu früheren Tests eingesehen, wie nützlich und innovativ dieser eigentlich ist. Bei Pownce können vier verschiedene Arten von Inhalten an einzelne Kontakte, alle Kontakte oder das öffentliche Profil gesendet werden: Status-Updates, Links mit Beschreibung, Events (was, wann, wo) und – das eigentliche Highlight – Dateien. Die Filesharing-Funktion existiert bereits seit einiger Zeit, aber wird mit der gerade bekannt gegebenen Erhöhung der maximalen Dateigröße von 10 MB auf 100 MB erst jetzt so richtig praktisch.

Jeder Pownce-Nutzer kann entweder über die Website oder den AIR-basierten Desktop-Client Musik, Videos, Fotos und andere Daten mit zwei Klicks an einzelne oder alle Pownce-Freunde senden. Im Gegensatz zu Dateitransfers über Instant Messenger wie ICQ oder Skype müssen Empfänger dazu nicht online sein. Alles wird auf den Pownce-Servern abgelegt und kann von Kontakten zu einem beliebigen Zeitpunkt heruntergeladen werden. Außerdem ist neu, dass Dateien auch auf das öffentliche Pownce-Profil gepostet werden können, von wo jeder Internetnutzer auf diese zugreifen kann ( Beispiel ). Als kleines Gimmick ist definierbar, wer veröffentlichte MP3-Dateien herunterladen darf: niemand (dann ist lediglich Streaming aktiviert), alle Kontakte oder jeder User.

Während man angesichts der Integration von Filesharing nur hoffen kann, dass die technische Infrastruktur von Pownce um einiges leistungsfähiger ist als die von Twitter, so öffnet der Schritt Pownce einen erheblich größeren potenziellen Nutzerkreis, als ihn Twitter derzeit hat: jeden User nämlich, der gerne Informationen und/oder Dateien mit Freunden und Familie teilt – wer macht das nicht? Das Konzept von Pownce hat daher bessere Chancen, den Durchbruch in den Internet-Mainstream zu schaffen, was für langfristiges Wachstum unerlässlich ist. Im Gegensatz zu Twitter verfügt Pownce außerdem über ein Geschäftsmodell. Zum einen wird die Website vermarktet, zum anderen können User für 20 Dollar pro Jahr Pro-Mitglied werden (Paypal-Zahlung, kein Abo). Dann verschwinden nicht nur alle Banner, sondern es erhöht sich auch die maximale Dateigröße von 100 auf 250 MB.

Was fehlt Pownce derzeit zum Erfolg? Nein, keine API (die gibt es auch), sondern Nutzer! Für die meisten Web-2.0-Enthusiasten in den USA ist der Service, wenn überhaupt, lediglich zweite oder dritte Wahl und dient höchstens als Ersatz im Falle einer Twitter-Downtime. Allerdings steckt der Microblogging-Markt noch in seinen Anfängen (Twitter hat angeblich etwas mehr als eine Million Nutzer weltweit), Durchschnittsanwender haben den Namen "Twitter" noch nie gehört und Pownce kann sich, was seine Funktionsvielfalt und sein Problemslösungspotenzial betrifft, wirklich sehen lassen. Sollte Pownce in den nächsten Wochen und Monaten richtig durchstarten, wäre ich nicht verwundert.

zweinull.cc-Leser, die Pownce nutzen, können mich gerne als Kontakt hinzufügen .

zweinull.cc Lesetipps:

Roodle: Fotosharing, das selbst eure Großmutter beherrscht

Wuala erlaubt Bearbeiten von Dateien in der P2P Cloud

Spaß mit Dokumenten im Web – Dank PdfMeNot und Scribd iPaper

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer