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19.04.08

FreundeFeed: mit Copycat-Strategie zu Aufmerksamkeit

FreundeFeedVincent Nicolai setzt für die Bekanntmachung seines Projektes FreundeFeed, einer Nachahmung des populären Lifestreaming-Aggregators FriendFeed, auf eine sehr kontroverse Strategie: Er wählte nicht nur einen Namen, der sich zu dem des US-Vorbilds nur im Übersetzen von "Friend" zu "Freund" unterscheidet, sondern präsentierte auch gleich ein Logo, das wie eine 1:1-Kopie von FriendFeed aussieht. Nicolai entschied sich für den Weg der negativen PR mit dem Ziel, dadurch für genügend Aufmerksamkeit zu sorgen, um nach dem offiziellen Start des Dienstes sofort mit vielen Anwendern und Beobachtern durchstarten zu können. Ob die Rechnung langfristig aufgeht und potenzielle Nutzer über den Copycat-Makel hinwegsehen können, ist noch nicht abzusehen. Sein erstes Ziel hat der junge Unternehmer jedoch schon erreicht: Gestern berichtete TechCrunch, weltweit größtes Web-2.0- und Tech-Blog sowie treuer FriendFeed-Anhänger, über FreundeFeed und echauffierte sich erwartungsgemäß über die Imitation. Bereits vor einigen Tagen stieß ich bei MoMB auf FreundeFeed. Ich erkundigte mich sofort bei Vincent Nicolai, ob er es ernst meine. Dies bejahte er. Seiner Aussage nach soll die Seite, auf der man momentan lediglich seine E-Mail-Adresse für den Beta-Test hinterlassen kann, in drei bis vier Wochen online gehen. Weiter verriet er, dass FreundeFeed nicht zwangsläufig der finale Name sein muss, er habe einige Alternativen. Wie und ob das gestrige TechCrunch-Posting und die zahlreichen zu erwarteten Folgebeiträge in der Blogosphäre die Namenswahl beeinflussen werden, weiß ich nicht. Zumindest was das Logo betrifft, hat Nicolai aber offenbar kalte Füße bekommen und die an FriendFeed-angelehnte Version von der Seite entfernt.

Nicolai will sich mit FreundeFeed vor allem auf deutsche Services konzentrieren. Da bisher nur wenige Dienste aus Deutschland die für den externen Zugriffe notwendigen Schnittstellen (API) anbieten, möchte er mit ausgewählten Anbieter kooperieren, um auf deren Daten zugreifen zu können. Weiterhin hat er vor, das bei FriendFeed auftretende verzögerte Anzeigen von Aktivitäten zu eliminieren und auch Inhalte von Facebook zu aggregieren. Das Social Network wird vom US-Dienst FriendFeed bisher aus Mangel an einer entsprechenden Schnittstelle nicht unterstützt. Wie der FreundeFeed-Entwickler die Integration bewerkstelligen will und was Facebook davon halten wird, bleibt abzuwarten. Langfristig soll FreundeFeed auch eine eigene Entwicklerschnittstelle erhalten.

Copycat-Begriff bildlich dargestellt von All You Can Feed (Fotos: Hannibal Poenaru & Dan Perry)

 

Während das Imitieren des Namens und Logos unabhängig vom Marketing-Effekt ein sehr fragwürdiges Vorgehen ist, kann man dem Gründer aus seinem Vorhaben, einen deutsche Lifestreaming-Service auf die Beine stellen zu wollen, keinen Strick drehen. Das Netz ist nun mal global. Auch wenn man von den innovativen Silicon-Valley-Startups nicht erwarten kann, zum Launch bereits die fünf oder zehn wichtigsten Sprachen der Welt in ihr Angebot integriert zu haben, so ist die lokale und sprachliche Anpassung in anderen Ländern die unweigerliche Konsequenz. Am Ende entscheiden die User über den Erfolg oder Misserfolg einer Copycat. Das Beispiel der von den Nutzern links liegen gelassenen Twitter-Klone macht deutlich, dass das Kopieren eines bestehenden Konzeptes allein nicht ausreicht, um sich durchzusetzen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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