<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

11.04.08

freitimer: vom Web und mobil mit Freunden verabreden

freitimerIn letzter Zeit hat die Anzahl der Mails von Gründern, die ihr Startup vorstellen möchten, merklich abgenommen. Umso erfreulicher, wenn dann einer der seltener gewordenen "Pitches" von einem Anbieter kommt, der wirklich etwas Nützliches und Innovatives an den Start gebracht hat. Richtig spannend wird es, wenn das Unternehmen sich zwar im Bereich des Social Web ansiedelt, aber mit einem herkömmlichen Social Network nichts gemein hat und seinen Mitgliedern nicht einmal eigene Profilseiten bietet. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen waschechten sozialen Web-2.0-Dienst ausprobiert habe, bei dem es keine Profile der Nutzer gab. freitimer gelingt dieses "Kunststück", und allein deshalb wäre das von drei Studierenden der Wirtschaftsgeographie an der Universität Regensburg gegründete Startup fast einen Beitrag wert. Glücklicherweise gibt es aber auch noch einiges mehr über freitimer zu berichten. freitimerBei freitimer handelt es sich um einen Online-Freizeitplaner mit einer Web- und einer mobilen Komponente. Der Dienst soll Freundeskreisen dabei helfen, sich untereinander zu Unternehmungen zu verabreden. Auf der Seite gibt es keine Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen. Nach der Registrierung fügen sich zwei Personen als Kontakte hinzu, indem sie die Handynummer und den Namen des jeweils anderen eingeben. Erst wenn es eine Übereinstimmung zwischen zwei Nummern gibt, entsteht eine freitimer-Freundschaft. Auf diese Weise sollen unaufgeforderte Freundschaftsanfragen verhindert werden.

Hat man auf diese Weise einige Kontakte hinzugefügt, kann man Aktivitäten inklusive Ort und Zeit auf der Seite eintragen und die Kontakte auswählen, die man darüber informieren möchte. Der Dienst unterstützt auch die Gruppierung von Freunden. Jeder Eingeladene kann kommentieren, zu- oder absagen und sieht, wer sonst noch mit von der Partie ist. Über freitimer.mobi erreichen Mitglieder die mobile Version des Dienstes, mit der sich Freunde auch von unterwegs in kurzer Zeit problemlos verabreden können. freitimer.mobi ist leicht zu navigieren, übersichtlich, enthält keine überflüssigen Informationen und erfüllt seinen Zweck gut.

freitimer ist nicht frei von Schwächen. Das Design wirkt recht einfach und erinnert teilweise an vorgefertigte Templates aus einem Grafikprogramm. Auch gibt es derzeit noch keine Möglichkeit der Integration in externe Angebote/Anwendungen wie z.B. Google Kalender , Facebook oder MySpace. Über neue Einladungen benachrichtigt wird man momentan nur per Mail, ein SMS-Service ist in Planung. Wünschenswert wären auch RSS-Feeds. Das größte Problem für freitimer ist jedoch, dass nichts ohne Registrierung geht und dass dazu jeder Freund einzeln überredet werden muss. Hier rächt sich das Fehlen typischer Social-Networking-Features, die es für Nicht-Mitglieder einfach machen, die Attraktivität eines Services von außen zu beurteilen. Die positiven Auswirkungen des Netzwerkeffektes werden so zwar nicht komplett, aber teilweise unterdrückt.

Trotz einiger verbesserungswürdiger Aspekte ist freitimer bereits jetzt eine respektable Applikation, besonders wenn man bedenkt, dass die drei Gründer noch immer einen großen Teil ihrer Zeit für das Studium aufwenden. Die Jungunternehmer legen Wert darauf, dass freitimer auf Funktionen beschränkt bleibt, die den Nutzern die Freizeitplanung und das Realisieren gemeinsamer Aktivitäten erleichtern. Features, die Mitglieder stunden- oder nächtelang im Netz halten, braucht man also nicht zu erwarten. Für die Zukunft ist unter anderem das automatische Ausliefern von individuellen Freizeittipps geplant. Neben Einnahmen daraus möchte das freitimer-Team sein Produkt mit herkömmlicher Werbung auf der Seite sowie durch Zusatzdienste wie SMS-Benachrichtigungen monetarisieren.

Vorläufig konzentrieren sich die Gründer auf Verbesserungen und den Ausbau der bestehenden Plattform. Wie sie auf ihrer Hilfeseite schreiben, benötigen sie für die langfristige Expansion sowohl Kapital als auch Content. Angesichts der guten Idee und des attraktiven Dienstes sollten die Chancen nicht schlecht stehen, dass sie beides bekommen.

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer