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03.05.08

Facebooks Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt – wenig überraschend

facebook_logo.gifAm vergangene Sonntag veröffentlichte FAZ-Netzökonom Holger Schmidt Zahlen der Marktforscher von Nielsen Online zur Besucherentwicklung der führenden sozialen Netzwerke in Deutschland. Während studiVZ mit sechs Millionen Besuchern im ersten Quartal 2008 die Nielsen-Liste anführt, liegt Facebook mit 1,2 Millionen Besuchern im selben Zeitraum abgeschlagen hinter MySpace, schülerVZ, wer-kennt-wen.de, Xing und lokalisten. Entsprechend titelte Schmidt im FAZ-Blog "Facebook verpatzt den Deutschland-Start". Facebook hatte am 1. März seine deutschsprachige Version ins Netz gestellt. Während der FAZ-Bericht – wenig verwunderlich – an verschiedenen Stellen im Netz aufgegriffen wurde, lieferten die Nielsen-Zahlen eigentlich nur die Bestätigung für das, was sowieso zu erwarten war. Tatsächlich gab es keinerlei Gründe, die für eine rasante Zunahme der Facebook-Mitgliederzahl in Deutschland nach dem Start der deutschsprachigen Version gesprochen hätten. Am 23. Januar beschäftigte ich mich mit dem anstehenden Startschuss für Facebooks deutsche Plattform. Meine damalige Prognose: "Wahrscheinlicher ist aber, dass auch nach dem Launch einer deutschsprachigen Facebook-Version die Zahl hiesiger Mitglieder nur langsam steigen wird, da nämlich nicht die Sprache das bisher größte Problem war, sondern die Existenz von studiVZ." Genau so ist es gekommen.

Dabei verhindert natürlich nicht nur studiVZ ein Ausbreiten von Facebook in Deutschland, sondern auch die zahlreichen anderen erfolgreichen Social Networks. Neben den 5,6 Millionen studiVZ-Mitgliedern gibt schülerVZ seine Mitgliederzahl mit 3,4 Millionen an. MySpace hat in Deutschland um die vier Millionen registrierte Nutzer, Xing schätzungsweise 3 bis 3,5 Millionen, wer-kennt-wen.de laut eigenen Angaben über 2,1 Millionen und lokalisten mehr als eine Million. Hinzu kommen Anbieter wie Jappy und KWICK! mit ebenfalls Mitgliederzahlen im siebenstelligen Bereich, sowie zahlreiche kleinere und spezialisierte Netzwerke. Kurzum: Der Markt ist gut besetzt, das Zeitbudget der Nutzer begrenzt, Netzwerkeffekte halten die User der führenden Social Networks auf der jeweiligen Plattform und nur wenige Anwender betätigen sich aktiv bei mehr als zwei Communities.

Für Facebook, das in anderen Ländern Europas und der Welt weiterhin kräftige Zuwächse verzeichnet, ist der deutsche Markt eine harte Nuss, die aktuell nur schwer zu knacken ist. Abgesehen von kleineren Aktionen haben die Amerikaner hierzulande bisher auf Marketing verzichtet. Ob das klug oder dumm ist, darüber lässt sich streiten. Es erst einmal ohne ein nennenswertes Kommunikationsbudget zu versuchen, finde ich persönlich gar nicht schlecht. In Frankreich ist diese Rechnung aufgegangen . In Bezug auf den deutschen Markt muss sich Facebook jedoch eine andere Strategie einfallen lassen. Für ein schnelles organisches Wachstum bedarf es hier größerer Marketinginvestitionen und vor allem erheblich mehr Kreativität. Ansonsten bleibt noch diese Alternative.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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