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11.09.07

Ein neues Social Network und dessen wahnwitziges Ziel

Während Andreas Göldi von Medienkonvergenz aufgrund zahlreicher Investments in wenig originelle Web-Startups eine neue Blase heranwachsen sieht und beim wirklich guten Unternehmensblog von Holtzbrinck eLab fast zeitgleich festgestellt wird, dass generell die große Mehrzahl neuer Technologien scheitert (und es immer eine "Randgruppe der Erfolgreichen schafft"), so halten sich andere offensichtlich gar nicht erst groß mit Nachdenken und Philosophieren auf: Eine bisher unbekannte "onsari Ltd. & Co. KG" veröffentlichte heute aus dem Nichts eine Pressemitteilung zum Start ihrer "neuen, revolutionären Web-2.0-Plattform" namens onsari. Den Betreibern zufolge ist onsari eine Community, die Elemente einer Kommunikations- und Handelsplattform verknüpft und ähnlich ehrgeizige Ziele hat "wie das in den USA mit herausragendem Erfolg ins Leben gerufene Portal MySpace". Für besonders einzigartig hält man sich aufgrund der intelligenten Suchefunktion, "die ins Detail geht". Patrick Landrock, COO von onsari, sieht ein "gigantisches Marktpotential, dass wir kontinuierlich abschöpfen möchten". Die Plattform soll in den nächsten Tagen weiter ausgebaut und schnell internationalisiert werden. Und da man bei onsari offensichtlich alle anderen Social Networks als nicht relevant einschätzt (oder gar nicht kennt), rechnet man bis zur Jahreswende mit zwei Millionen Mitgliedern! "Diese sollen aus unterschiedlichen Marketingmaßnahmen und bereits abgeschlossenen Übernahmevereinbarungen resultieren."

Als geplante Innovation verspricht man einen Online-Desktop, der Nutzern von onsari eine dem PC-Desktop ähnliche Weboberfläche bereitstellt. "Jeder Desktopuser wird über seine eigene virtuelle Festplatte verfügen, welche hardwarebasierte Speichermedien überflüssig macht". Da man sich offensichtlich nicht auf Werbung verlassen möchte, bietet man eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft an. Für 4,95 Euro pro Monat erhält ein Premiumnutzer unter anderem eine "hochwertige Mitgliedskarte" und vergünstigten Eintritt in "ausgewählte Diskotheken" sowie "Rabatte und/oder Vergünstigungen bei unseren Partnershops".

onsari.jpgUnd jetzt jegliche Ironie beiseite: Lange nicht mehr hat ein deutsches Web-Startup den Mund so voll genommen wie onsari. Wenn schon bei WEB.DEs Community unddu.de eine Million angestrebte Mitglieder innerhalb eines Jahres mehr als optimistisch anmuteten (und mittlerweile wohl kaum noch erreichbar sind), so kann man zwei Millionen registrierte Nutzer innerhalb von fünf Monaten bei einem Nobody einfach nicht mehr ernst nehmen. Zumal onsari derzeit nichts anderes als ein weiteres, einigermaßen ansehnliches Social Network mit den üblichen Funktionen (Profil, Messaging, Gästebuch, Blog) und ohne Alleinstellungsmerkmal ist. Sofern also nicht viele Millionen Euro für wochenlange TV-Spots in der Primetime oder hundert Millionen Euro für eine Übernahme von studiVZ zur Verfügung stehen - und davon kann man nicht ausgehen - dann ist der Plan der onsari-Macher zum Scheitern verurteilt. Fragt sich, ob wahnwitzige Vorhaben wie dieses typische Anzeichen einer Blase sind oder nur regelmäßige und unabhängig von der Wirtschaftslage auftretende Einzelfälle?!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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