<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

04.07.07

Digg dick in der Krise

digg2.gifDigg, die weltweit größte Social-News-Community, steckt in der Krise. Bei Digg können Nutzer Links zu Nachrichten und Blogmeldungen einstellen und diese bewerten. Die populärsten Artikel landen auf der Startseite. Digg gilt als Vorbild für eine Reihe von ähnlichen Diensten in Deutschland, z.B. YiGG, Webnews und Readster.

Die Probleme bei Digg begangen Anfang Mai diesen Jahres, als ein Zensurversuch der Digg-Betreiber bei den Usern zu einem Sturm der Entrüstung führte . Ein Nutzer hatte einen Artikel veröffentlicht, dessen Überschrift einen geheimen Code zur Entschlüsselung von HD-DVDs enthielt. Digg löschte den Beitrag. Davon bekamen andere Wind, die dann eigene Meldungen einstellten, die den HD-DVD-Key sowie Zensurvorwürfe beinhalteten. Mehrere Tage lang war die Startseite von Digg gefüllt mit Artikeln zu diesem Thema. Der Imageschaden und Vertrauensverlust für Digg war enorm. Die aus mehr als einer Million registrierten Nutzern bestehende Digg-Community verhielt sich fortan äußerst kritisch gegenüber den Betreibern der Plattform. Den nächsten Aufruhr gab es, als in der dritten Juni-Woche ein neues Kommentar-System integriert wurde, was bei vielen Usern zu technischen Problemen führte und mit längeren Serverausfällen einher ging. Zahlreiche Nutzer-Beschwerden und negative Blog-Berichte waren die Folge.

Insbesondere Digg Gründer Kevin Rose wird von vielen für die Probleme verantwortlich gemacht und entwickelt sich immer mehr zum Feindbild für die Digg-Community. Sehr deutlich wurde das in den zahlreichen negativen Kommentaren zu Meldungen rund um Roses Startup Pownce – zu einem Zeitpunkt wohlgemerkt, als noch niemand den in der geschlossenen Beta-Version befindlichen Dienst ausprobiert hatte.

Doch damit nicht genug. Die Diskussion über Pownce wurde bereits von einer weiteren Debatte abgelöst – diesmal forciert von diversen Blogs, die kritisieren, wie leicht bei Digg mit schlecht angepriesenen Artikeln potentielle Leser abgeschreckt werden. Unter anderem Read/Write Web und Techcrunch fordern eine Möglichkeit, von Usern mit falscher oder unpassender Zusammenfassung eingetragene Meldungen nachträglich ändern zu können. Offensichtlich ist es nicht unüblich, dass Konkurrenten oder andere Neider absichtlich fremde Meldungen mit mangelhafter, langweiliger Beschreibung bei Digg einstellen, um so eine mögliche Popularität zu verhindern. Der Link zu einem Artikel kann nur einmal angegeben werden. Das Veröffentlichen der Meldung mit verbesserter Beschreibung ist damit ausgeschlossen. Im Gegensatz zu den führenden deutschen Social-News-Diensten erzielen beliebte Nachrichten bei Digg nicht selten mehr als 1000 Bewertungen und ziehen dadurch entsprechend viele zusätzliche Leser an. Das macht Digg für viele englischsprachige Onlinemedien äußerst attraktiv.

Es bleibt abzuwarten, mit welchen Mitteln Digg versuchen wird, das Vertrauen der Stammleser zurückzugewinnen. Leicht wird das sicher nicht, auch in Anbetracht zahlreicher Konkurrenten. Glaubt man der Statistik von Alexa, so geht es trotz der "PR" seit dem Besucherhoch Ende 2006 mit den Nutzerzahlen bergab.

Selbst wenn vermutlich keine deutsche Social-News-Plattform jemals die Relevanz und Nutzerzahl von Digg erreichen wird, so sollten die hiesigen Anbieter versuchen, von Digg gemachte Fehler zu vermeiden. Man befindet sich in der komfortablen Situation, die richtigen Entscheidungen des großen Vorbilds nachahmen zu können, ohne in die selben Fettnäpfchen treten zu müssen. Mein Vorschlag für den nächsten Schritt: Das Bereitstellen von Funktionen, um einen selbst eingestellten Eintrag zu bearbeiten. Bei YiGG funktioniert dies bereits, bei Webnews dagegen nicht. Stattdessen bietet Webnews eine Option zum Löschen einer Meldung, was bei YiGG fehlt. Also auf geht’s!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer