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17.09.07

Datenschützer, wetzt eure Messer - yasni kommt

yasni.gifHeiß her ging es vor einigen Wochen, als die US-Personensuchmaschine Spock ihren Betrieb aufnahm. Viele deutsche Onlinemedien sahen Spock und ähnliche Anbieter (mein persönlicher Favorit und schon länger im Netz: Wink) den Datenschutz mit Füßen treten. Bald werden Kritiker neues Futter bekommen, denn mit yasni steht mittlerweile auch eine deutsche Personensuchmaschine in den Startlöchern. Der von der Frankfurter yasni GmbH betriebene Dienst befindet sich zur Zeit noch in der geschlossenen Alpha-Phase. Die Beta-Version, zu der man sich bereits auf der Website anmelden kann, soll innerhalb der nächsten Wochen gestartet werden. Was yasni macht, ist schnell erklärt: Nach der Eingabe des gesuchten Namens zeigt yasni die Ergebnisse in zwei Kategorien an. "Eindeutige Suchergebnisse" sind Profile von unterschiedlichen Social Networks, die den gesuchten Namen enthalten. In der Alpha-Version scheinen lediglich Xing und LinkedIn aufgeführt zu werden. Darunter finden sich "nicht eindeutige Ergebnisse". Dies sind u.a. Resultate von Google, Technorati, Amazon und StayFriends. Rechts davon werden gefundene Bilder angezeigt (derzeit lediglich Google Bildsuche). Neben der Kernfunktion der Personensuche kann bei yasni jeder für sich selbst oder für andere ein "Web-Profil" anlegen.

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(Klicken für größere Ansicht)

Dazu markiert man die Checkboxen der Suchresultate, die zur gesuchten Identität passen (z.B. das Xing-Profil, ein Bild aus der Bildsuche und mehrere Google-Einträge), und klickt auf "Profil anlegen". Auf der Folgeseite kann man zusätzliche Informationen zur Person sowie Schlagworte angeben. Außerdem teilt man yasni mit, ob man selbst die zum Profil gehörende Person ist oder dieses für jemand anderes anlegt. Um Missbrauch vorzubeugen, geht Letzteres erst, wenn man bereits ein eigenes Profil bei yasni hat. Wer sich selbst eintragen möchte, muss vorher versichern, auch tatsächlich die entsprechende Person zu sein. Angelegte Web-Profile erscheinen bei einer Namensuche fortan als erstes Suchresultat bei yasni. Für die finale Version ist vorgesehen, Nutzer wählen zu lassen, ob ihre eigenen Profile von Google & Co gefunden werden sollen oder nicht.

Entdeckt man bei yasni sein eigenes, von einem anderen User angelegtes Profil, so kann man den Benutzer über die Seite auffordern, einem dieses zu übertragen. Weigert sich dieser, wird man gebeten, das yasni-Team zu kontaktieren: "Bitte wenden Sie sich direkt an uns, falls der Profilinhaber das Profil nicht an Sie übertragen will und damit eine widerrechtliche Aneignung Ihrer Identität vorliegt."

Ähnlich wie Spock wird yasni für eine Kontroverse sorgen. Jeder, der dann den Datenschutz in Gefahr sieht, sollte sich aber ins Gedächtnis rufen, dass sämtliche von yasni gefundenen Informationen sowieso schon im Netz existieren und von dem Dienst lediglich zusammengeführt werden. Wer auf der Suche nach Angaben zu einer bestimmten Person ist, wird auch ohne eine Personensuchmaschine fündig. Diese macht es lediglich einfacher. Mit der Möglichkeit des Erstellens eines eigenen Web-Profils bei yasni steht es zudem jedem Internetnutzer frei, den Suchenden direkt auf die Ergebnisse hinzuweisen, die man selbst für relevant und wichtig hält.

Mit der Web-Profil-Funktion tritt yasni auch in Konkurrenz zu myONID. Der kürzlich gestartete Dienst lässt Nutzer eine eigene Profilseite erstellen, die vom User ausgewählte und auf Wunsch kommentierte Suchergebnisse aufführt - also genau das, was yasni mit dem Web-Profil macht. Wer ernsthaft auf der Suche nach Personeninformationen ist (und sich möglicherweise auch von der hundertprozentigen Vertrauenswürdigkeit einer Person überzeugen möchte), der wird wahrscheinlich immer eine Personensuchmaschine wie yasni einem reinen Werkzeug zum Selbstmarketing vorziehen.

Die zwei größten Schwächen von yasni liegen meines Erachtens nach im Design und im Namen. Die Seite ist zu bunt und gibt noch nicht das Bild ab, welches ich mir von einer ambitionierten und seriösen Personensuchmaschine erwarte. Es entsteht der Eindruck, als konnte man sich nicht zwischen grafischem Minimalismus à la Google und typischem Web-2.0-Farb- und Funktionsreichtum entscheiden und hat dann einen faulen Kompromiss gewählt. Angesichts des Alpha-Status ist dies allerdings noch verzeihlich. Der Name der Seite wird sich dagegen wohl auch im finalen Stadium nicht mehr ändern. "yasni" klingt feminin und würde sich optimal für einen Dessous-Onlineshop oder einen Blumen-Lieferdienst eignen. Das sich dahinter jedoch ein ernsthafter Service verbirgt, den z.B. zukünftige Personalchefs für die Recherche über Bewerber nutzen werden, würden wohl die Wenigsten erwarten. Ob sich dies eines Tages als Nachteil erweisen wird, muss sich zeigen. Die Chancen, dass yasni dennoch ein Erfolg wird, stehen nicht schlecht. Allerdings sollte man sich mit dem Launch beeilen, sonst ist jemand anderes schneller.

 

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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