<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

30.01.08

Benutzerkonten-Aggregator allyve: Seine Stärke ist seine Schwäche

allyveEgal wie aktiv man im Netz ist – ein paar Web-2.0-Dienste, auf die man nicht verzichten möchte, hat fast jeder. Viele Menschen kommen deshalb auch nicht darum herum, sich Zugangsdaten zu unterschiedlichen Webangeboten merken zu müssen und diese regelmäßig für die manuelle Anmeldung bei ihren Lieblingsseiten zu verwenden. Angesichts der steigenden Zahl verfügbarer Angebote und der zunehmenden Bedeutung von Onlineservices im Alltag eines jeden Bürgers besteht zumindest für die nahe Zukunft auch keine Aussicht auf Besserung (mittelfristig darf man auf OpenID hoffen ). allyve, ein neues Startup aus Hamburg, möchte Abhilfe schaffen und das Surfen etwas einfacher und bequemer machen. allyve ist ein Aggregator für registrierungspflichtige Webangebote, der vom Aufbau individualisierbaren Startseiten wie Pageflakes oder Netvibes ähnelt und wie diese auf verschiebbare Widgets setzt. Anders als bei Pageflakes & Co dienen diese Widgets primär aber nicht dem schnellen und maßgeschneiderten Nachrichtenüberblick, sondern ermöglichen den praktischen Zugriff auf seine Konten bei Social Networks & Communities, Datingportalen, eBay, E-Mail-Anbietern und andere Services, die eine Registrierung erfordern. Das Erstellen eines neuen Widgets ist innerhalb weniger Sekunden erledigt und erfordert nichts weiter als die Eingabe der Zugangsdaten zum jeweiligen Dienst.

Jedes Mal, wenn man sich bei allyve anmeldet, erhält man somit im Handumdrehen einen Überblick über neue Nachrichten, Freundesanfragen, Kommentare etc., die man bei den verschiedenen Services erhalten hat. Mit einem Klick auf das entsprechende Widget wird man zum jeweiligen Dienst befördert, ohne dass man dort erneut seine Zugangsdaten eingeben muss. Wer ein Widget nicht mehr möchte, klickt auf das kleine Kreuz oben rechts, und weg ist es. Da allyve es natürlich gern sähe, wenn User die Seite als Ausgangspunkt für ihre tägliche Reise durchs Web einsetzen würden, hat man auch das Hinzufügen von Widgets mit Inhalten ausgewählter Onlinemedien ermöglicht. Eine Option für den Import beliebiger RSS-Feeds ist in Planung. Dennoch, der Fokus liegt klar auf der Aggregation von Benutzerkonten.

allyves Produktnutzen ist gleichzeitig seine Schwäche. Ich konnte mich nur schwer überwinden, meine Benutzerdaten zu Facebook, Xing und anderen Diensten bei allyve anzugeben, um entsprechende Widgets zu erstellen. Tagtäglich werden Internetnutzer davor gewarnt, ihre Zugangsdaten an Dritte weiterzugeben und auf Phishing-Tricks hereinzufallen. Und dann kommt allyve und erfordert vom User eine Handlung, die diesen Verhaltensregeln komplett widerspricht. Die Betreiber des Hamburger Unternehmens verweisen zwar darauf, dass sämtliche Daten verschlüsselt gespeichert und nicht einmal von ihnen selbst eingesehen werden können, aber ob der Großteil der Besucher tatsächlich den Aussagen eines jungen, noch unbekannten Unternehmens so einfach vertraut, ist fraglich.

Leider habe ich auf der Seite keine ausführlichen Informationen zu den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen gefunden. Genau da sollte allyve beginnen und viel deutlicher und sichtbarer darauf hinweisen, dass sich potentielle Benutzer keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten machen müssen. PassPack, ein Dienst zum Speichern von Passwörtern, zeigt, wie es geht. Ausführliche Erläuterungen zur Art der Verschlüsselung und zu den getroffenen Schutzmaßnahmen vermitteln den Eindruck, der Betreiber sei sich der Problematik und Sensiblität des Themas bewusst und versuche alles, um das Sicherheits- und Informationsbedürfnis der User zu befriedigen. Vorbildlich dagegen: Mit einem Klick im Einstellungs-Bereich lässt sich das allyve-Konto löschen.

allyve richtet sich augenscheinlich an einen Nutzertyp, der praktisch denkt und mit dem Internet vertraut ist, aber nicht zum harten Kern der Web-2.0-Jünger gehört. Für diese bietet allyve zumindest momentan zu wenig Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer