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30.07.13

ZenMate startet erfolgreich: 17.000 Nutzer verschlüsseln 1.300 Gbyte Daten am Tag

Das Debüt des Berliner Startups ZenMate ist gelungen. 1.300 Gbyte an Daten wurden am gestrigen Montag mittels der bislang 25 Server an fünf Standorten weltweit verschlüsselt. Marketing machen die Hauptstädter keins.

Gestern saß ich in einem Café und wollte einen Artikel in WordPress formatieren sowie einige andere kleine Aufgaben erledigen. Leider ließ mich das kostenfreie WLAN des Lokals nicht mit meinem VPN-Dienst verbinden, den ich stets in öffentlichen Drahtlosnetzwerken verwende, um die Datenübertragung zu verschlüsseln und nicht auf das ausschließliche Besuchen von per https gesicherten Websites beschränkt zu sein. Doch erstmals gab es für dieses schon häufiger erlebte Problem eine einfache Lösung: ZenMate.

In der vergangenen Woche berichteten wir über den jungen Dienst aus Berlin, der die typischen Funktionen eines VPNs per Browser-Erweiterung zu Googles Chrome-Browser bringt und damit auch verschlüsseltes Surfen ermöglicht, wenn herkömmliche VPNs - wie in meinem Beispiel - nicht funktionieren. Ich habe ZenMate seitdem schon mehrfach ausprobiert, mal aus Neugier, mal im "Produktivalltag" - etwa um eine ausländische IP-Adresse zu simulieren oder eben im öffentlichen WLAN die Datenübertragung zu verschlüsseln - und bin bislang sehr zufrieden. Gerade die äußerst einfache Bedienung des Dienstes, der sich mit einem kleinen Icon im Addon-Bereich von Chrome platziert, sowie das bequeme Wechseln zwischen den derzeit fünf Serverstandorten Frankfurt, Zürich, New York, London und Hong Kong überzeugen. Der schnelle Wechsel auf einen anderen Serverstandort ist auch das beste Mittel, um sporadisch aufretende Verbindungspausen zu überbrücken, die laut ZenMate-Mitgründer Simon Specka dem schnellen Wachstum von ZenMate geschuldet sind. "Gratis!" zieht User an und schreckt andere ab

Ich wollte von Specka wissen, wie sich der von ihm und seinem Companion Markus Hänel gegründete Service bisher entwickelt. Kaum überraschend ist das Duo mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden - muss man durch die aktuelle Überwachungsdebatte sensibilisierten Usern nicht lange erklären, welche Vorteile der Einsatz eines Angebots wie ZenMate mitbringt. Dass das Startup seine Leistungen in der Anfangsphase komplett kostenfrei anbietet, hilft sicher auch, den ein oder anderen Anwender zum Ausprobieren zu bewegen. Allerdings führt das auch groß auf der Website angepriesene "It's Free" bei kritischen Usern zurecht zu der vom Unternehmen nicht sonderlich sichtbar beantworteten Frage, womit ZenMate sein Geld verdienen möchte. Die Berliner wären gut damit beraten, das momentan lediglich in den FAQ erwähnte Geschäftsmodell stärker hervorzuheben: Künftig soll ZenMate in einer beschränkten Gratis-Variante und einer kostenpflichtigen Pro-Version angeboten werden. Ein entsprechender Vermerk auf der Homepage wäre keine schlechte Maßnahme, um Vertrauen aufzubauen.

Ein Drittel der Nutzer ist gleichzeitig aktiv

Allerdings entwickeln sich die Userzahlen auch so sehr positiv. Gemäß Statistiken, die ZenMate-Chef Specka uns zukommen ließ, sind mittlerweile rund 17.000 User registriert. Davon hat etwa ein Drittel ZenMate gleichzeitig eingeschaltet, was von einer extrem hohen Aktivität zeugt. 1.300 GByte an Daten flossen am gestrigen Montag verschlüsselt durch das ZenMate-Netzwerk. Aufgrund der schnellen Zuwächse sei dieser Wert allerdings in Kürze veraltet, betont Specka. Zu Hoch-Zeiten am Abend registrieren sich zwei bis drei Nutzer pro Minute bei ZenMate. Das klingt noch recht moderat, ist aber auch darauf zurückzuführen, dass bisher lediglich Fachmedien über das Angebot der Hauptstädter berichtet haben. Zudem sei bisher nicht ein Cent in Marketingmaßnahmen investiert worden.

Skalierung hat höchste Priorität

25 unterschiedliche Server sind derzeit mit der Verschlüsselung und Durchleitung des Traffics befasst. Ganz wichtig für das Startup ist dabei die Skalierbarkeit des Systems. Ein Bericht eines führenden, trafficstarken Nachrichtenportals wäre sonst mitunter genug, um ZenMate an die Grenze seiner Belastbarkeit zu bringen. Durch eine Automatisierung des Systems und allerlei Finetuning habe man die Serverauslastung stark senken können. Zudem können man in den verschiedenen Rechenzentren zügig Instanzen hinzubuchen. Kurzzeitige Einbußen bei der Geschwindigkeit lassen sich nach Aussage von Specka trotzdem nicht vollständig vermeiden. Welche Kosten der Betrieb von ZenMate beim aktuellen Datenverkehr verursacht, wollte Specka nicht verraten.

ZenMate funktioniert in China

Dafür gab er einige Einblicke in die internationale Herkunft der Nutzer. Aus 138 Ländern sei die ZenMate-Website bisher besucht worden. Momentan liege der Schwerpunkt aber noch auf Europa, was auch damit zu tun habe, dass der Großteil der Presseartikel im deutschsprachigen Raum publiziert worden sind. Da klassische VPNs in China mittlerweile (wie im obigen Café-Beispiel) kaum noch funktionieren, ZenMate dagegen einsatzbereit sei, habe das Startup relativ starken Zulauf aus Fernost, erklärt Specka. Auch ebenfalls von staatlichen Zensurmaßnahmen betroffene Nutzer aus dem Iran zieht es zu ZenMate. Vergleichsweise viele Zugriffe erfolgen außerdem aus den USA.

Wachstumsstrategie mit neuen Risiken

Die Risiken für ZenMate auf dem Weg zu einem profitablen Geschäftsdasein sind nicht gerade gering. Explodierende Traffickosten, Reibereien mit Ermittlungsbehörden, Sicherheitslücken sowie staatliche Interventionen gehören zu den Bedrohungen des Konzepts. Das Erfolgsrezept bisheriger VPN-Dienste war stets ihr Nischendasein sowie ihre sofortige Monetarisierung. ZenMate dagegen verfolgt eine für extern finanzierte Startups typische Wachstumsstrategie. Das ist notwendig, um tatsächlich die anvisierte Zielgruppe der Otto-Normal-User zu erreichen. Es setzt das Vorhaben aber auch Gefahren aus, die kleine Anbieter bisher vermeiden konnten. Umso spannender wird es sein, die weitere Entwicklung von ZenMate zu beobachten. /mw

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