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27.05.13Leser-Kommentare

Zehn Jahre WordPress: Wie ein kleines Blogsystem die Medienwelt auf den Kopf stellte

Vor zehn Jahren erblickte die erste Version der Blogsoftware WordPress das Licht der Welt. Als das weltweit beliebteste Content Management System ist es heute aus dem Internet nicht mehr wegzudenken.

WordPressEs ist ein guter Zeitpunkt, um noch einmal über das Bloggen nachzudenken. Erst kürzlich wurde ich an meinem Wohnort Bonn von der nicht ganz bierernst gemeinten Initiative IronBlogger eingeladen. Die Beteiligten wollen sich zwingen, wöchentlich zu bloggen und im Falle eines Versäumnisses Geld auf ein gemeinsames Konto zu überweisen, das am Ende des Jahres in Bier und Grillgut investiert wird. Das klingt eigentlich ebenso schräg, wie längst altertümlich wirkende Blogelemente und Initiativen: Blogroll, Stöckchen, Trackbacks, Bloggertreffen. Für mich ist Bloggen mittlerweile zum Beruf geworden und hat damit einen professionellen Charakter bekommen. Gleiches gilt für die meisten Techblogs, die heute im 15-Minuten-Takt Nachrichten verbreiten, professionelle Testberichte schreiben oder aufwändig produzierte Videos veröffentlichen. Umso mehr freut es mich zu sehen, dass es auch die andere Seite noch gibt: das Hobbybloggen.

Beides wäre ohne das Content-Management-System WordPress wohl nie so einfach möglich gewesen. Kommerzielle Blogs ebenso wie Hobbyblogs verlassen sich auf das System, das die regelmäßige Veröffentlichung eigener Beiträge kinderleicht gemacht hat. Heute wird WordPress zehn Jahre alt. Der damals erst 19-jährige Programmierer Matt Mullenweg veröffentlichte die erste Version 0.7 als Nachfolger des Systems b2/cafelog am 27. Mai 2003. Oft ohne es zu wissen, werdet ihr täglich mehrere Websites aufrufen, die unter WordPress laufen: Laut der eigenen Statistik "State of the Word" kam WordPress im vergangenen Jahr auf jeder sechsten der eine Million beliebtesten Websites der Welt im Alexa-Ranking zum Einsatz. Es wird Zeit, diesen Erfolg zu würdigen. Mehr als ein Dutzend Wege zu bloggen

Es mag ein Umweg sein und zumindest ein Mindestmaß an technischem Verständnis voraussetzen, um sich ein eigenes WordPress-Blog zu installieren. Allerdings erlaubt gerade die selbst gehostete Plattform dem Betreiber, die Seite selbst zu vermarkten. Zahlreiche Websites verdienten in den vergangenen Jahren gutes Geld damit. Allen voran sicherlich die bekannten US-Techblogs wie TechCrunch, Engadget oder Business Insider, die auf WordPress aufsetzen und Millionen von Dollar im Jahr umsetzen.

Mullenweg selbst ist mit dem kostenlosen, frei verfügbaren WordPress trotz der weiten Verbreitung nicht reich geworden. Geld verdiente er erst, als er 2005 seine eigene Firma Automattic gründete und WordPress um die kommerzielle Variante WordPress.com erweiterte. Nutzer können hier ein Konto auf dem Automattic-Server eröffnen und mit der jeweils neuesten WordPress-Version bloggen, ohne die Software selbst installieren zu müssen. Dieses Prinzip, das die inzwischen von Google übernommenen Dienste Blogger und Blogspot vorgemacht haben, ist gerade in den vergangenen Jahren erneut aufgeblüht.

Plattform Medium der beiden Twitter-Gründer Ev Williams und Biz Stone - für Texte aller Art Plattform 'Medium' der beiden Twitter-Gründer Ev Williams und Biz Stone - für Texte aller Art

Der Verkauf des Blogplattform Tumblr an Yahoo für die stolze Summe von 1,1 Milliarden US-Dollar vergangene Woche zeigt, wie begehrt Bloghoster inzwischen sind. Vor allem Medium.com ist hier hervorzuheben, eine Plattform der beiden Twitter-Gründer Ev Williams und Biz Stone, die das Veröffentlichen von Texten radikal vereinfachen soll. Bestehende Social Networks wie LinkedIn, Quora und Ning ermöglichen ihren Nutzern mittlerweile ebenfalls das Bloggen auf ihren Plattformen. Noch immer im Rennen ist Tumblr-Konkurrent Soup.io aus Wien. Everblog und Postach.io sind kleinere Ansätze, um Bloggen mit Hilfe des digitalen Notizblocks Evernote zu ermöglichen. Overblog aus Paris wagte im vergangenen Jahr einen Neustart und will Bloggern vor allem mit dem eigenen Werbenetzwerk Ebuzzing im Rücken bei der Refinanzierung helfen. Und recht neu im Rennen ist außerdem Salon.io aus Berlin. Googles gekaufte Blogdienste Blogger und Blogspot dürften langfristig wohl in Google+ aufgehen.

Erfolgsgeschichte Mashable

Fest steht: Es gibt mehr als ein Dutzend Möglichkeiten, heute Texte, Bilder oder andere Medien online zu stellen. Klar ist allerdings, dass der Großteil der Einnahmen in jedem Fall beim Betreiber verbleibt. Eine selbst gehostete Lösung wie eben WordPress bietet hier eine Ausnahme. Die Software, bei der Version 3.6 kurz vor dem Start steht, ist mittlerweile sehr umfangreich geworden. Ärgernisse sind etwa die nach wie vor schlecht kategorisierte, schier endlose Sammlung von Plugins und Templates, sowie zahlreiche Sicherheitslücken, die zu häufigen Updates zwingen. Mittlerweile gibt es wohl deswegen auch viel versprechende Konkurrenten wie Anchor und Kirby.

WordPress allerdings bleibt für viele leicht zu benutzen, so flexibel und umfangreich wie gewünscht und wartet bei Problemfällen mit einer riesigen Community im Rücken auf. Die Bedeutung von WordPress für die Medienlandschaft ist nicht zu unterschätzen. Das System hat vielen einzelnen Bloggern oder ganzen Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren die Möglichkeit gegeben, dynamischen Content so einfach wie nie zu veröffentlichen und ihn zu monetarisieren. Auch inhaltlich haben WordPress-Blogs auf den Jounalismus eingewirkt. Die Konkurrenz kam von unten: Vergleichbar mit Mullenweg ist etwa die Erfolgsgeschichte des damals 19-jährigen Schotten Pete Cashmore, der sein Social-Media-Blog Mashable im Jahre 2005 ohne Finanzen im Rücken als Ein-Mann-Unternehmen startete. Heute hat Mashable mehr als 20 Millionen Besucher im Monat, beschäftigt rund 60 Mitarbeiter und setzt etwa 15 Millionen Dollar im Jahr um.

Neueste Version: WordPress 3.6 Neueste Version: WordPress 3.6

Blogs und "seriöse Medien" bewegten sich aufeinander zu

Für mich ist exemplarisch, wie Blogs auch vom Schreibstil her auf traditionelle Medien eingewirkt haben. Inhaltlich sind gerade Technikbeiträge wie von TechCrunch (Blog), CNet (Online-Medienhaus) oder der "New York Times" (Verlag) praktisch nicht mehr zu unterscheiden. Die etablierten Medienhäuser sind Blogs sprachlich entgegen gekommen, schreiben heute lockerer und persönlicher als noch vor zehn Jahren. Zeitgleich sind die besten Techblogs sprachlich gereift, haben eigene Quellen aufgetan und sind bei der Recherche deutlich sicherer geworden. WordPress hat ihnen die Möglichkeit gegeben, die Medienlandschaft für immer umzukrempeln. Einfache Leute konnten plötzlich Medien machen, und sie taten es, zu Tausenden.

Deswegen, und weil es auch Blogs wie netzwertig.com unsere Schwesterpublikation neuerdings.com ohne WordPress vielleicht nie gegeben hätte, halten wir das für einen Grund zum Feiern. Unser Verlag, die Blogwerk AG, lädt euch deswegen zusammen mit der Schweizer WordPress Community heute Abend ein: Wir feiern den zehnjährigen Geburtstag von WordPress im Rahmen einer kleinen Party. Solltet ihr in Zürich oder Umgebung wohnen oder zufällig in der Stadt sein: schaut doch einmal vorbei und feiert mit! /jv

Kommentare

  • Matthias Pabst

    27.05.13 (10:46:27)

    Viel Spaß beim Feiern! :)

  • Christoph Kluge

    27.05.13 (16:21:06)

    Feiner Artikel, aber sehr bloglastig. Vergesst nicht, dass WP mittlerweile auch Shopsysteme etc. bietet. WP kann man auch für wirklich große und komplexe Seiten verwenden

  • Thomas Berscheid

    28.05.13 (09:52:11)

    Herzlichen Glückwunsch! Ich habe meine seit 1998 betriebene Webseite vor rund einem Jahr auf WordPress umgestellt. Zuvor war es eine komplett selbst entwickelte PHP-Seite. Da ich beruflich die letzten Jahre als Anwendungsentwickler unterwegs war, eigentlich ein Rückschritt. Aber WordPress hat mir abends viel technische Arbeit abgenommen, ich konnte mich auf Inhalte konzentrieren. Was ich an WP schätze, ist seine relative einfache Bedienung. In den letzten Monaten habe ich bei meinem Arbeitgeber einen Dinosaurier von Redaktionssystem eingeführt. Wie einfach ist WP hingegen.... Beste Grüße Thomas

  • Robin

    28.05.13 (14:57:39)

    Gerade technisch wenig versierten Usern wie ich kommt WordPress doch sehr entgegen. Ohne WordPress oder ähnlich einfache Plattformen gäbe es meine Blogs nicht. Daher sage ich an dieser Stelle Danke! Und hoffentlich habt ihr schön gefeiert :)

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